Doppelte Immuntherapie und molekulare ctDNA-Verlaufskontrolle beim operablen Mesotheliom

In diesem Artikel
🫁 Ein Wendepunkt in der Behandlung des Pleuramesothelioms
Das Pleuramesotheliomist ein aggressiver, schwer behandelbarer Tumor des Brustfells (Pleura), der meist mit einer Asbestexposition zusammenhängt. Weltweit erhalten jährlich etwa 30 Tausend Menschen diese Diagnose. Leider wird die Erkrankung meist erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt und die Lebenserwartung bleibt mit den vorhandenen Therapien begrenzt.
In den vergangenen 20 Jahren wurden aus Chemotherapie, Operation und Bestrahlung bestehende aggressive Dreifachbehandlungen erprobt. Der erhoffte große Fortschritt blieb jedoch aus. Ein Wendepunkt waren die Bremsen des Immunsystems lösenden Immuncheckpoint-Hemmer (ICI) . Studien wie CheckMate-743 zeigten, dass die Kombination Nivolumab (Anti–PD-1) + Ipilimumab (Anti–CTLA-4) das Überleben im fortgeschrittenen Stadium signifikant verlängert. Heute ist dieses Regime ein zugelassener Standard.
Wie sieht es bei operablen Fällen aus? Könnte eine Immuntherapie, ähnlich wie bei Lungenkrebs, vor und nach der Operation (perioperativ) auch mikroskopische Tumorreste beseitigen und langfristig helfen? Eine in Nature Medicineam 8. September 2025 veröffentlichte Phase-II-Studie untersucht diese Frage.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
- Patientengruppe: Operables epitheloides oder biphasisches Pleuramesotheliom ohne sarkomatoide Form, ECOG 0–1, insgesamt 30 Patienten.
- Studienarme:
- Arm A (Nivolumab): 16 Patienten → 240 mg alle 2 Wochen, 3 Zyklen.
- Arm B (Nivolumab + Ipilimumab): 14 Patienten → Nivo 3 mg/kg (3 Zyklen alle 2 Wochen) + Ipi 1 mg/kg nur im ersten Zyklus.
- Anschließend geplante Operation, optionale Chemo- oder Strahlentherapie und 1 Jahr adjuvantes Nivolumab.
- Besonderheit: Das Ansprechen wurde neben der Bildgebung auch anhand von zirkulierender Tumor-DNA im Blut (ctDNA) überwacht. Verwendet wurde der Test Plasma Detect™ von Labcorp (CAP/CLIA-akkreditierter, tumorinformierter WGS-basierter MRD-Test).
📊 Ergebnisse im Vergleich: Arm A und Arm B
Vergleich beider Arme anhand der medianen Zeiten für PFS und OS als Überlebensmaße.
⏱️ Mediane Überlebenszeiten
- Arm A (Nivo): PFS 9.6 Monate, OS 19.3 Monate
- Arm B (Nivo + Ipi): PFS 19.8 Monate, OS 28.6 Monate (Signal zugunsten der Kombination in einer kleinen Phase-II-Studie)
📊 Was wurde festgestellt?
🔧 Erreichen der Operation
In Arm A wurden 81.3%, in Arm B 85.7% wie geplant operiert. Die Immuntherapie hat die Operation nicht verzögert.
🛠️ Anteil der operierten Patienten (%)
🕒 ctDNA-Zeitpunkte: Zeitachse
Das folgende Liniendiagramm zeigt schematisch für die Gesamtkohorte der Studie die berichteten ctDNA-Positivitätsraten (%) zu den Zeitpunkten: C1D1, C2D1, C3D1, vor der Operation und nach der Operation.
🧬 Molekulare Verlaufskontrolle mit ctDNA
- An C3 (Tag des 3. Zyklus) betrug bei ctDNA-Status negativ das PFS: 19.8 Monate gegenüber positiv: 1.4 Monate (P=0.027).
- Vor der Operation betrug bei ctDNA-Status negativ das PFS: 23.3 Monate gegenüber positiv: 2.5 Monate (P=0.0059).
- Abnahme des cfDNA-Tumoranteils (TF) um ≥95% oder durchgehend negative ctDNA → deutlich besseres PFS.
- Bei allen nicht operierten Patienten oder unvollständigen Resektionen blieb die ctDNA anhaltend positiv im Verlauf.
- In manchen bildgebend stabilen Fällen verschwand die ctDNA früh und ein langes PFS wurde erreicht. ctDNA könnte somit ein früheres Signal als mRECIST liefern.
🧪 PFS nach ctDNA-Status (Monate)
Vergleich des medianen PFS an C3 und vor der Operation.
🛡️ Rate immunvermittelter unerwünschter Ereignisse Grad ≥3 (%)
In der neoadjuvanten Phase waren schwere immunvermittelte Nebenwirkungen selten.
🔍 Was bedeutet das?
- Perioperative Immuntherapie ist durchführbar und sicher.
- Nivo + Ipi zeigte in der kleinen Stichprobe Signale für ein längeres PFS/OS; der Befund dient der Hypothesenbildung.
- WGS-basierte ctDNAist ein vielversprechender Biomarkerkandidat zur Vorhersage der Operabilität und des frühen Rückfallrisikos.
⚠️ Einschränkungen
- Kleine Stichprobe (n=30), nicht randomisierte aufeinanderfolgende Studienarme.
- Anteile adjuvanter Behandlungen und Histologieverteilung können sich zwischen den Armen unterscheiden.
- ctDNA-Infrastruktur erfordert Hochtechnologie; Zugang und Erstattung unterscheiden sich nach Zentrum.
🌟 Abschließende Einordnung
Die Studie zeigt, dass beim operablen Pleuramesotheliom eine Immuntherapie durchführbar, sicher und vielversprechend ist. Die molekulare ctDNA-Verlaufskontrolle könnte ein wirksames Instrument zur Individualisierung der Therapieentscheidungen werden. Nächste Schritte sind randomisierte Phase-3-Studien und die Prüfung ctDNA-gesteuerter Strategien.
📚 Quellen
Nature Medicine (frei zugänglich)
Reuss JE, Lee PK, Mehran RJ, et al. Perioperative nivolumab or nivolumab plus ipilimumab in resectable diffuse pleural mesothelioma: a phase 2 trial and ctDNA analyses. Link zum Artikel
IASLC WCLC 2025
OA12.03 — Perioperative nivolumab with or without ipilimumab in resectable diffuse pleural mesothelioma. Kongressseite
ClinicalTrials.gov
NCT03918252 — Perioperative Nivolumab ± Ipilimumab in Resectable DPM. Registereintrag
Methode: ctDNA (Labcorp Plasma Detect™)
Der in der Studie verwendete tumorinformierte, auf Ganzgenomsequenzierung (WGS) beruhende MRD-Test: Labcorp Plasma Detect™ (CLIA/CAP). Allgemeine technische Informationen finden sich in der Labcorp-Dokumentation und den methodischen Anhängen.
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