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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Ein Risiko jenseits der Sonne: 57% mehr Melanome in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft und Herbizideinsatz

Ein Risiko jenseits der Sonne: 57% mehr Melanome in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft und Herbizideinsatz
In diesem Artikel
Epidemiologie • Umweltbezogene Onkologie

Das übersehene Risiko in intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten

Forschende stellten fest, dass Hautkrebs in Regionen mit intensiver landwirtschaftlicher Tätigkeit deutlich häufiger auftritt. Auf bewirtschafteten Flächen war jede Zunahme um 10% mit einem um 14% höheren Melanomrisiko verbunden.

Eine neue, in Pennsylvania durchgeführte Studie, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift JCO Clinical Cancer Informatics veröffentlicht wurden, zeigt, dass die Melanominzidenz (Hautkrebs) in intensiv landwirtschaftlich genutzten Regionen höher ist als in anderen Teilen des Bundesstaates. Die Untersuchung liefert erste bevölkerungsbezogene Hinweise darauf, dass neben der Sonnenexposition auch die landwirtschaftliche Flächennutzung und der Einsatz von Chemikalien Risikofaktoren sein könnten.

Mehr als nur Sonne?

Die hohen Hautkrebsraten in ländlichen Gebieten und bei Landwirten werden gewöhnlich durch die erhöhte UV-Exposition (Sonneneinstrahlung) bei der Arbeit im Freien erklärt. In dieser Studie führten die Forschenden jedoch eine vertiefte Analyse durch und berücksichtigten dabei auch Variablen wie die UV-Strahlung in der Umgebung, soziale Vulnerabilität und die Flächennutzung.

Im untersuchten „Landwirtschaftscluster“ aus 15 Countys waren die Melanomraten gegenüber dem übrigen Bundesstaat um 57.1% höher, wie die Auswertung zeigte.

📊 Häufigkeitsvergleich (Alter 50+)

Gesamtdurchschnitt: 60.4 Fälle / 100.000
Andere Countys: 53.6 Fälle / 100.000
Intensiv landwirtschaftlich genutztes Gebiet: 84.2 Fälle / 100.000

*Cluster aus 15 Countys im südlichen Zentral-Pennsylvania.

Zusammenhang zwischen Flächennutzung und Risiko

🚜
Zunahme der Anbaufläche

Je Zunahme der Fläche um 10.3%:

%14
Zunahme der Melanome
🧪
Einsatz von Herbiziden (Unkrautvernichtungsmitteln)

Je Zunahme der behandelten Fläche um 8.6%:

%13.5
Zunahme der Melanome

In den Countys des untersuchten „Clusters mit hoher Inzidenz“ (Adams, York, Dauphin usw.) bestanden 19.8% der Fläche aus Anbauflächen; außerhalb des Clusters lag dieser Anteil lediglich bei 6.9%. Auch der Anteil der mit Herbiziden behandelten Flächen war in den Risikogebieten etwa 3-mal so hoch.

Die Forschenden berichteten außerdem über Zusammenhänge zwischen Melanomen und dem Einsatz von Pilzbekämpfungsmitteln (Fungiziden), Insektenbekämpfungsmitteln (Insektiziden) sowie Düngemitteln. Diese Zusammenhänge waren statistisch jedoch weniger ausgeprägt als diejenigen für Anbauflächen und Herbizide.

👨‍⚕️ Kommentar von Drozdoğan und Fazit

Die Studie zeigt, dass sich das Melanomrisiko möglicherweise nicht allein auf „Schutz vor der Sonne“ reduzieren lässt und dass Umweltfaktoren sowie landwirtschaftliche Einflüsse ebenfalls zu geografischen Unterschieden beitragen. Gerade Menschen in landwirtschaftlich geprägten Regionen sollten ihre Haut konsequenter kontrollieren lassen. Zudem sind künftig mehr Biomonitoring-Untersuchungen (biologische Überwachung) erforderlich.


Quellen:
  • Marks BJ, et al. Harvesting risk: An ecologic study of agricultural practices and patterns and melanoma incidence in Pennsylvania. JCO Clin Cancer Inform. Online veröffentlicht am 14. November 2025. [DOI: 10.1200/CCI-25-00160]
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