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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Längere Kontrolle bei endokrin resistentem Brustkrebs mit Giredestrant und Everolimus

Längere Kontrolle bei endokrin resistentem Brustkrebs mit Giredestrant und Everolimus
In diesem Artikel

evERA BC ist eine wichtige Phase-III-Studie, die beim Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO) 2025 vorgestellt wurde. Sie könnte die Therapiewahl bei fortgeschrittenem hormonrezeptorpositivem (HR+), HER2-negativem (HER2−) Brustkrebs nach Resistenz gegen CDK4/6-Inhibitoren verändern. Die Kombination Giredestrant plus Everolimus verlängerte das progressionsfreie Überleben (PFS) gegenüber endokriner Standardtherapie plus Everolimus signifikant.

Warum ist diese Studie wichtig?

HR+/HER2−-Brustkrebs macht etwa 70 % aller Brustkrebserkrankungen aus. Endokrine Therapien wie Aromatasehemmer oder Fulvestrant bilden seit Langem die Behandlungsgrundlage. Auch wenn CDK4/6-Inhibitoren in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte ermöglichten, bleiben folgende Probleme bestehen:

  • Nach Progression unter CDK4/6-Inhibitoren stehen nur begrenzte weitere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.
  • Mechanismen wie ESR1-Mutationen verstärken die endokrine Resistenz.
  • Mit längerer Überlebenszeit gewinnen Lebensqualität, orale Behandlungsmöglichkeiten und Kombinationsstrategien an Bedeutung.

evERA ist die **erste positive** große Phase-III-Studie zu einer Kombination mit oralem SERD nach CDK4/6-Inhibitoren. Damit könnte sie einen neuen Behandlungsstandard begründen.

Studiendesign und Patientenpopulation

EvEREA BC (NCT05306340) wurde folgendermaßen konzipiert:

  • Phase und Studientyp: Phase III, randomisiert, offen (Open Label), multizentrisch.
  • Population: Patienten mit Östrogenrezeptor-positivem (ER+), HER2-negativem, lokal fortgeschrittenem, nicht resezierbarem oder metastasiertem Adenokarzinom der Brust; vorausgegangene Behandlung mit CDK4/6-Inhibitor plus endokriner Therapie; ECOG-Performance-Status 0-1. 
  • Randomisierung: Die Patienten wurden im Verhältnis 1 : 1 zwei Armen zugeteilt: Giredestrant (30 mg/Tag) plus Everolimus (10 mg/Tag) gegenüber einer endokrinen Therapie nach Wahl der Prüfärzte, etwa Exemestan, Fulvestrant oder Tamoxifen, plus Everolimus. 
  • Stratifizierungsfaktoren: ESR1-Mutationsstatus, Krankheitslokalisation mit viszeralem oder anderem Befall und frühere Fulvestrant-Anwendung. 
  • Zentrale Endpunkte: Primär: durch die Prüfärzte beurteiltes PFS in der gesamten Intention-to-treat-Population und in der ESR1-mutierten Untergruppe. Sekundär: Gesamtüberleben (OS), objektive Ansprechrate (ORR), Ansprechdauer (DOR), klinische Nutzenrate (CBR) und Sicherheit. 
  • Patientenzahl: Insgesamt etwa 373 Patienten: ungefähr 183 im Giredestrant-Arm und 190 im Kontrollarm. 
  • Mutationsprofil: Etwa 55 % der Patienten wiesen eine ESR1-Mutation auf. 

Zentrale Ergebnisse

Beim ESMO 2025 wurden folgende Daten vorgestellt: 

Population Medianes PFS Risiko (HR) p-Wert
ITT: gesamte Patientenpopulation 8,77 Monate gegenüber 5,49 Monaten 0,56 (95% CI: 0,44-0,71) < 0,0001
ESR1-mutierte Untergruppe 9,99 Monate gegenüber 5,45 Monaten 0,38 (95% CI: 0,27-0,54) < 0,0001

Weitere bemerkenswerte Ergebnisse:

  • PFS nach 6 Monaten: 57.4 % unter Giredestrant gegenüber 39.6 % im Kontrollarm innerhalb der ITT-Population. Nach 12 Monaten lagen die PFS-Raten bei 34.1 % beziehungsweise 18.1 %. 
  • Untergruppenanalysen zeigten auch bei Hochrisikogruppen einen Nutzen, etwa bei viszeralen Metastasen oder vorausgegangener Fulvestrant-Behandlung. 
  • Die Daten zum Gesamtüberleben (OS) waren noch nicht ausgereift. Es zeigte sich jedoch eine günstige Tendenz: in der ITT-Gruppe HR 0,69 (95% CI: 0,47-1,00; p = 0,0473), in der ESR1-mutierten Gruppe HR 0,62 (95% CI: 0,38-1,02; p = 0,0566).

Diese Ergebnisse sprechen für einen deutlichen und klinisch relevanten PFS-Vorteil gegenüber den bisherigen Standards.

Sicherheitsprofil und Hinweise zum Management

Die wichtigsten Sicherheitsergebnisse:

  • Die Nebenwirkungen entsprachen insgesamt dem erwarteten Profil. Neue Sicherheitssignale wurden nicht festgestellt. 
  • Zu den häufigsten unerwünschten Ereignissen gehörten Stomatitis mit etwa 47 %, Durchfall mit etwa 27 % und Anämie mit etwa 24 %. 
  • Die Rate unerwünschter Ereignisse ab Grad ≥3 war vertretbar; Therapieabbrüche waren selten. 
  • Therapeutisch müssen Everolimus-bedingte Komplikationen wie Stomatitis, Hyperglykämie und erhöhte Blutfettwerte berücksichtigt werden. Spezifische schwere Toxizitäten des oralen SERD Giredestrant standen bislang nicht im Vordergrund.

Insgesamt erscheint die Kombination hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit ausgewogen und als aussichtsreicher Kandidat für die praktische Anwendung.

Biologischer Hintergrund und klinische Bedeutung

Die Studie richtet sich gleichzeitig gegen zwei wichtige biologische Zielstrukturen:

  1. Hemmung der Östrogenrezeptor-Signalübertragung (ER): Giredestrant wurde als oraler SERD (Selective Estrogen Receptor Degrader) und vollständiger Antagonist entwickelt. Es verhindert die Bindung von Östrogen an den ER, fördert den Rezeptorabbau und hemmt dadurch die ER-vermittelte Vermehrung der Krebszellen. 
  2. Hemmung des mTOR-Signalwegs: Everolimus richtet sich gegen den mTOR-Signalweg (mechanistic target of rapamycin). Damit unterdrückt es Signalnetzwerke, die Zellwachstum und Überleben fördern. Bei endokrin resistenten Zellen wird häufig eine mTOR-Aktivierung beobachtet.

Die Kombination soll die endokrine Resistenz aus zwei Richtungen durchbrechen: durch unmittelbare Störung der ER-Signalübertragung und durch Hemmung nachgeschalteter, mit Resistenz verbundener Signalwege wie mTOR.

Der besonders ausgeprägte Nutzen in der ESR1-mutierten Untergruppe unterstützt die klinische Bedeutung einer mutationsbezogenen Strategie. Insgesamt stärkt die Studie das Konzept resistenzorientierter endokriner Kombinationen.

Was bedeutet das für die klinische Praxis?

Aus der Studie ergeben sich folgende Gesichtspunkte für den Alltag:

  • Fortgeschrittener HR+/HER2−-Brustkrebs mit Progression nach CDK4/6-Inhibitoren: Giredestrant plus Everolimus ist eine aussichtsreiche Behandlungsoption.
  • Patienten mit ESR1-Mutation: Da hier ein besonders ausgeprägter PFS-Vorteil beobachtet wurde, kann der Mutationsstatus bei der Therapieplanung helfen.
  • Vorteil der oralen Behandlung: Beide Wirkstoffe werden oral angewendet. Das bietet praktische Vorteile für Lebensqualität und einfache Durchführung.
  • Hochrisikountergruppen: Auch Patienten mit viszeralen Metastasen oder vorausgegangener Fulvestrant-Behandlung profitierten. Dies ist für eine breite Anwendbarkeit bedeutsam.
  • Therapiemanagement: Gegen Everolimus-spezifische Toxizitäten wie Stomatitis und Hyperglykämie sind Vorsichtsmaßnahmen erforderlich. Wichtig sind Kontrollen von Blutzucker und Lipidprofil sowie Mundpflege. Lokale Behandlungsprotokolle und Patientenschulungen sollten eingeplant werden.
  • Zulassung und Zugang: Die Studienergebnisse enthalten noch keine vollständig ausgereiften Daten zum Gesamtüberleben. Zulassungs- und Erstattungsverfahren können daher je nach Land unterschiedlich verlaufen. Dies muss bei klinischen Entscheidungen berücksichtigt werden.

Insgesamt ist evERA bei fortgeschrittenem HR+/HER2−-Brustkrebs ein wichtiger Schritt, um endokrine Kombinationsstrategien der neuen Generation in die Versorgung zu bringen. Sie haben das Potenzial, über die derzeitigen Standards hinauszugehen.

📚 Quellen

  1. Mayer E. L. et al. “Giredestrant + Everolimus in patients with ER+ HER2- advanced breast cancer previously treated with CDK4/6 inhibitor: primary results of the Phase III evERA BC trial.” ESMO Congress 2025 – Abstract LBA16. 
  2. Roche Media Release. “Positive phase III results show Roche’s Giredestrant significantly improved progression-free survival in ER-positive advanced breast cancer.” 22 September 2025. 
  3. OncLive Coverage. Inman S. “Giredestrant/Everolimus Extends PFS for ER+, HER2- Advanced Breast Cancer.” 18 October 2025. 
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Drozdogan-Assistent

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