Weltlungenkrebskongress 2025: Die 10 bemerkenswertesten Studien

In diesem Artikel
Innovationen in der Lungenkrebsbehandlung – 2025
Die Lungenkrebsbehandlung entwickelt sich deutlich von Einzelwirkstoffen hin zu rationalen Kombinationsstrategien . Die auf der IASLC 2025 vorgestellten Studien zeigen: Zielgerichtete Therapie + Chemotherapie festigen ihre Synergie, ADC gewinnen an Bedeutung, perioperative Immuntherapie wird im Frühstadium zum Standard, und die ZNS-Kontrolle rückt bei neuen TKI in den Mittelpunkt. Einige negative Ergebnisse (z. B. adjuvantes Crizotinib) machen die Praxis evidenzorientierter und selektiver .
🧬 Zunehmende Bedeutung von Kombinationen bei EGFR
Osimertinib + Chemotherapie (FLAURA2) mit OS-Gewinn; frühe Daten zu ADC + TKI (Iza-Bren + Osimertinib) zeigen außergewöhnliches Ansprechen. TSG-Komutationen begründen bei Hochrisikobiologie (ACROSS 2) Kombinationen von Anfang an.
🧠 ROS1 und ZNS: TKI der nächsten Generation
Taletrectinib und Zidesamtinib zeigen hohe cORR, längeres PFS/DOR und intrakranielles Ansprechen sowie Aktivität selbst bei Solvent-Front-Resistenzen wie G2032R .
🏥 Perioperative IO: Vorteile bei erhaltener Lebensqualität
CheckMate 77T: Neoadjuvante IO+Chemotherapie → Operation → adjuvante IO erhöht EFS und pCR , während HRQOL erhalten bleibt; die Rückfallprävention im Frühstadium wird gestärkt.
🧪 ADC: Bedarf an raschem Ansprechen bei SCLC
I-DXd (gegen B7-H3 gerichtet) bietet bei 2L+ SCLC im ausgedehnten Stadium rasches Ansprechen (TTR ~1.4 Monate) und 48 % ORR mit dem Potenzial, die Symptomlast schnell zu senken.
🧭 Der Wert negativer Evidenz
ALCHEMISTzeigte für adjuvantes Crizotinib keinen Nutzen bei DFS/OS. Negative Ergebnisse klären Wirkstoffauswahl und Sequenzierung und betonen den Bedarf an MRD-/ctDNA-gesteuerten adjuvanten Strategien.
Zusammengefasst entwickelt sich die Lungenkrebsbehandlung 2025 molekular personalisiert, ZNS-orientiert und kombinationsbasiert . Klinische Entscheidungen werden durch Patientenpräferenz, Begleiterkrankungen, Zugang/Erstattung und Versorgungs- daten sowie zunehmend durch ctDNA (MRD) und andere dynamische Biomarker gesteuert.
Studie 1 — Iza-Bren (Izalontamab-Brengitecan) + Osimertinib
Warum das wichtig ist: Ein starkes und dauerhaftes Erstlinienansprechen bleibt bei EGFR-mutiertem NSCLC entscheidend. Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC) Iza-Bren mit Osimertinib zeigt in frühen Daten außergewöhnlich hohe Ansprechraten und Überlebensraten nach 12 Monaten. Dies ist ein seltenes Beispiel für das klinische Potenzial der TKI-ADC- Synergie in zielgerichteten Therapien.
📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)
- ORR: 100 % (bestätigte ORR 95 %) — Dosiskohorte 2.5 mg/kg, D1D8, Q3W
- PFS-Rate nach 12 Monaten: 92.1 % (medianes PFS: —)
- OS-Rate nach 12 Monaten: 94.8 % (medianes OS: —)
- Verträglichkeit: Beherrschbares Sicherheitsprofil; häufigste Nebenwirkungen hämatologisch; geringe Unterbrechungsrate
Hinweis: Nachbeobachtung ~12–13 Monate; frühe Daten — Aussagen gelten nur für die Dosiskohorte.
🧱 Studiendesign und Population
- Phase: Phase 2 (NCT05880706)
- Population: EGFR-mutiertes, lokal fortgeschrittenes / metastasiertes NSCLC
- Schema: Iza-Bren 2.5 mg/kg D1 & D8, Q3W + Osimertinib (Standarddosis)
- Nachbeobachtung: Median für PFS ≈ 12.5 Monate; Median für OS ≈ 12.8 Monate
- Stichprobengröße: Im Vortrag nur begrenzt berichtet — Ergebnisse beziehen sich auf die Dosiskohorte
📈 Ergebnisse in Zahlen
| Kennzahl | Ergebnis | Erläuterung |
|---|---|---|
| ORR | 100 % (bestätigt 95 %) | Kohorte mit 2.5 mg/kg D1D8 Q3W |
| PFS-Rate nach 12 Monaten | 92.1 % | Medianes PFS nicht erreicht (—) |
| OS-Rate nach 12 Monaten | 94.8 % | Medianes OS nicht erreicht (—) |
| Sicherheit | Beherrschbar | Vorwiegend hämatologische Nebenwirkungen; wenige Unterbrechungen |
🧯 Sicherheit und Verträglichkeit
- Am häufigsten wurden hämatologische Nebenwirkungen berichtet (Schweregrade und Raten nur begrenzt angegeben).
- Dosisunterbrechungs-/Abbruch- raten waren gering; das Gesamtprofil wurde als beherrschbar bewertet.
- Bei gleichzeitiger Osimertinib-Gabe wurden keine neuen Sicherheitssignale berichtet.
🧭 Was bedeuten diese Ergebnisse?
ADC + TKI könnte die unter TKI-Monotherapie begrenzte Ansprechdauer verlängern und frühe Progression vermindern . Eine ORR von bis zu 100 % und nach 12 Monaten PFS über 92 % sprechen in der Erstlinie bei hoher Tumorlast und/oder Hirnmetastasenrisiko für eine biologisch attraktive Behandlungsstrategie. Für die routinemäßige klinische Anwendung ist jedoch vergleichende Phase-3- Evidenz erforderlich.
🚧 Grenzen (vorsichtig interpretieren)
- Frühe Daten / Dosiskohorte — begrenzte Übertragbarkeit auf breite Populationen.
- Kein Kontrollarm (einarmig) → Effektgröße vorsichtig interpretieren.
- Nachbeobachtungsdauer ~12–13 Monate; langfristige OS-/DOR-Daten noch nicht ausgereift.
- Stichprobengröße und Subgruppendetails wurden im Vortrag nur begrenzt angegeben.
🚀 Stellenwert und Ausblick
- Vorerst im Rahmen einer klinischen Studie empfohlen; Phase-3-Evidenz für Routineeinsatz abwarten.
- Laufende Phase-3-Studie: NCT06838273 (China) — Ergebnisse werden das Potenzial der Kombination als Erstlinienstandard bestimmen.
- Künftig sind spezielle Analysen zu Hirnmetastasen- Untergruppen und Resistenzbiologie (z. B. EGFR C797S, MET-Amplifikation) entscheidend.
Redaktioneller Hinweis: Der Inhalt beruht auf Kongressdaten der IASLC 2025; Zahlen gelten für die berichtete Dosiskohorte.
Studie 2 — FLAURA2: Osimertinib + Chemotherapie (1. Linie)
Warum das wichtig ist: Bei EGFR-mutiertem fortgeschrittenem NSCLC ist Osimertinib als Monotherapie seit Langem Erstlinienstandard. FLAURA2bestätigt mit aktualisierten Daten, dass Osimertinib + Platin/Pemetrexed neben dem PFS auch das Gesamtüberleben (OS) signifikant und klinisch relevant verbessert. Dies verändert in vielen Zentren die Erstwahl- Algorithmen.
📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)
- Medianes OS: Kombination 47.5 Monate gegenüber Monotherapie 37.6 Monate → 23 % geringeres Sterberisiko
- PFS (bereits berichtet): 38 % geringeres Progressions-/Sterberisiko
- Sicherheit: Beherrschbar; bei längerer Nachbeobachtung keine neuen Signale
Hinweis: OS-Nachbeobachtung ~51.2 Monate; statistisch signifikante und klinisch relevante Ergebnisse.
🧱 Studiendesign und Behandlung
- Phase: Phase 3 (NCT04035486)
- Population: EGFR-mutiertes (meist Exon-19-Deletion / L858R) fortgeschrittenes NSCLC
- Arme:
- Kombination: Osimertinib + Platin/Pemetrexed als Induktion → Osimertinib + Pemetrexed als Erhaltung
- Kontrolle: Osimertinib-Monotherapie
- Primäre/sekundäre Endpunkte: PFS, OS, Ansprechraten, Sicherheit
📈 FLAURA2 in Zahlen
| Kennzahl | Kombination | Monotherapie | Unterschied / Einordnung |
|---|---|---|---|
| Medianes OS | 47.5 Monate | 37.6 Monate | 23 % relative Verringerung des Sterberisikos |
| PFS | Bereits überlegen | Referenz | 38 % geringeres Progressions-/Sterberisiko |
| Sicherheit | Beherrschbar; keine neuen Signale | — | Hämatologische Toxizität durch zusätzliche Chemotherapie zu erwarten |
🧭 Was ändert sich in der Praxis?
- Die kombinierte Erstlinienbehandlungwird in vielen Zentren als neuer Behandlungsstandard übernommen.
- Hohe Tumorlast, frühes Progressionsrisiko oder Hirnmetastasen- wahrscheinlichkeit begründen einen intensiveren initialen Ansatz.
- Im Versorgungsalltag sind Chemotherapiefähigkeit (hämatologische Reserven, Begleiterkrankungen) und Patientenpräferenz entscheidend.
👥 Patientenauswahl — Wann die Kombination?
- Allgemeinzustand gut (ECOG 0–1)
- Hohe Tumorlast / rasche Kontrolle erforderlich
- Hirnmetastasenrisiko hoch
- Hämatologische Reserven ausreichend, geringe Begleiterkrankungslast
- Patientenpräferenz: Bereitschaft zu intensiverer Therapie für potenziell längeres OS
Alternative: Bei vielen Begleiterkrankungen oder fehlender Chemotherapieverträglichkeit bleibt Monotherapie sinnvoll.
🧯 Sicherheit und Managementhinweise
- Hämatologische Toxizität: Bei Neutropenie/Anämie Dosisverschiebungen, G-CSF und supportive Maßnahmen
- Nierenfunktion & Folat-/B12-Kontrolle: Voraussetzungen für Pemetrexed
- Kontrollhäufigkeit: In den ersten 3–4 Monaten engmaschiger (Blutbild, Symptomkontrollen)
🚧 Grenzen und offene Fragen
- Kosten und Zugang: Wirtschaftliche Belastung der Kombination / Erstattungsbedingungen
- Ältere und gebrechliche Menschen : Versorgungsdaten werden benötigt
- Resistenzmuster: Molekulares Resistenzprofil nach Kombination und 2L-Optionen
📝 Zentrale Aussage
FLAURA2zeigte bei EGFRm-NSCLC in der Erstlinie für Osimertinib + Chemotherapie eindeutig einen OS-Vorteil . Die klinischen Folgen sind deutlich: Bei geeigneten Patienten wird die Kombination zunehmend zur üblichen Wahl.
Studie 3 — CheckMate 77T: Perioperatives Nivolumab (resektables NSCLC)
Warum das wichtig ist: Bei frühem operablem NSCLC ist das Rückfallrisiko hoch; Strategien vor und nach der Operation (perioperativ) bestimmen die Langzeitergebnisse. Neoadjuvantes Nivolumab + platinhaltige Zweifachchemotherapie und nach der Operation adjuvantes Nivolumab wurden in CheckMate 77Tuntersucht. Dies verlängerte nicht nur das ereignisfreie Überleben (EFS) , sondern erhöhte auch die pathologische Komplettremission (pCR) und beeinträchtigte die Lebensqualität (HRQOL) nicht.
📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)
- EFS (Median): Im Nivolumab-Arm nicht erreicht gegenüber Placebo 18.4 Monate
- pCR: Unter Nivolumab erhöht (Synergie neoadjuvanter Immuntherapie + Chemotherapie)
- HRQOL: Verschlechterungsrisiko gesenkt; besonders bei Stadium III N2 deutlicher Nutzen
- Sicherheit: Insgesamt beherrschbar, entsprechend den erwarteten Klasseneffekten
Hinweis: Patienten mit EGFR-Mutation oder ALK-Rearrangement wurden ausgeschlossen; Zielgruppe waren Erwachsene mit resektablem NSCLC.
🧱 Studiendesign und Behandlung
- Phase: Phase 3 (NCT04025879)
- Population: Resektables NSCLC im Stadium III N2 oder ohne N2 (EGFR/ALK-negativ)
- Arme:
- Experimentell: Neoadjuvant Nivolumab + platinhaltige Zweifachchemotherapie → Operation → adjuvant Nivolumab
- Kontrolle: Neoadjuvant Placebo + platinhaltige Zweifachchemotherapie → Operation → adjuvant Placebo
- Wichtige Endpunkte: EFS, pCR/MPR, HRQOL (Zeit bis zur Verschlechterung, TTDD), Sicherheit
📈 CheckMate 77T in Zahlen
| Kennzahl | Nivolumab-Arm | Kontrolle | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Medianes EFS | Nicht erreicht | 18.4 Monate | Statistisch und klinisch signifikanter Vorteil |
| pCR | Erhöht | Niedriger | Synergie neoadjuvanter IO + Chemotherapie |
| HRQOL (Verschlechterungsrisiko) | Niedriger | Höher | TTDD im Nivolumab-Arm verlängert (besonders im Stadium III N2) |
| Sicherheit | Beherrschbar | — | Erwartete Klasseneffekte; keine neuen Signale |
🧭 Was bedeuten die HRQOL-Ergebnisse?
Dass neoadjuvante Immuntherapie plus Chemotherapie und nach der Operation adjuvantes Nivolumab die Lebensqualität nicht wesentlich verschlechtern, zeigt, dass perioperative IO-Strategien sowohl hinsichtlich onkologischer Ergebnisse als auch patientenberichteter Ergebnisse tragfähig sind. Besonders im Stadium III N2 ist die längere Zeit bis zur Verschlechterung (verlängerte TTDD) klinisch wertvoll.
🧯 Sicherheit: Praktische Hinweise
- Immunvermittelte Nebenwirkungen: Bei Dermatitis, Thyreoiditis, Hepatitis und Pneumonitis frühe Diagnose und Behandlung nach Algorithmen
- Perioperatives Timing: Geeignete Abstände zwischen neoadjuvanten Zyklen und Operation beachten
- Multidisziplinäre Überwachung: Enge Abstimmung von Thoraxchirurgie, Onkologie, Pneumologie und Anästhesie
🚀 Stellenwert in der Praxis
- Neoadjuvantes Nivolumab + Chemotherapie gefolgt von adjuvantem Nivolumabhat sich bei resektablem EGFR/ALK-negativem NSCLC als sinnvoller perioperativer Standard weiter gefestigt.
- Neben EFS- und pCR-Gewinnen verbessert erhaltene HRQOL die Therapietreue.
- Patientenauswahl: Operabel, ohne Immuntherapiekontraindikationen, beherrschbare Begleiterkrankungen.
Hinweis: Diese Daten stützen den FDA-Zulassungstext; Versorgungsdaten und die Reifung langfristiger OS-Ergebnisse weiter verfolgen.
🚧 Grenzen und offene Fragen
- Langfristiges OS: Längere Nachbeobachtung könnte nötig sein, bis sich der EFS-Vorteil vollständig in OS übersetzt.
- Subgruppendetails: Histologie, PD-L1-Spiegel und Zusammenhänge mit minimaler Resterkrankung (ctDNA) sind wichtig.
- Umsetzbarkeit im Alltag: Operationsverzögerungen, Voruntersuchungen und Logistik variieren zwischen Zentren.
Studie 4 — Taletrectinib (Ibtrozi): TRUST-I & TRUST-II
Warum das wichtig ist: Bei ROS1-positivem NSCLCsind TKI sehr wirksam, doch Resistenz und ZNS-Ausbreitung bleiben wesentliche Probleme. Taletrectinibist ein ROS1-selektiver TKI mit potenzieller Hirngängigkeit und zeigt sowohl bei unbehandelten als auch TKI-vorbehandelten Patienten dauerhaftes Ansprechen und ermutigende ZNS-Kontrolle.
📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)
- cORR (TKI-naiv): 85.2 % (n = 54); mediane 20.5 Monate Nachbeobachtung
- Medianes PFS / DOR (TKI-naiv): Nicht erreicht; längstes beobachtetes PFS 31.6 Monate und weiterhin anhaltend
- cORR (TKI-vorbehandelt): 61.7 % (n = 47)
- ZNS-/intrakranielles Ansprechen: Ansprechrate bei Hirnmetastasen 66.7 %
- Sicherheit: Insgesamt beherrschbar; Nebenwirkungen meist vorübergehend
Hinweis: Die Daten stammen aus aktuellen Zwischenanalysen zweier Phase-2-Studien.
🧱 Studiendesign und Population
- Design: Phase 2, einarmig/multizentrisch (TRUST-I und TRUST-II)
- Population: Fortgeschrittenes/metastasiertes ROS1-positives NSCLC; TKI-naive und TKI-vorbehandelte Teilkohorten
- Vorbehandlung: Getrennte Analysen — keine TKI-Vorbehandlung gegenüber ≥1 vorherigem ROS1-TKI
- Endpunkte: cORR (primär), DOR, PFS, OS, Sicherheit; Subanalysen intrakranieller Aktivität
📈 TRUST-I / II in Zahlen
| Untergruppe | cORR | PFS (Median) | DOR (Median) | Erläuterung |
|---|---|---|---|---|
| TKI-naiv (n=54) | 85.2 % | Nicht erreicht | Nicht erreicht | Längstes beobachtetes PFS 31.6 Monate (anhaltend) |
| TKI-vorbehandelt (n=47) | 61.7 % | — | — | Relevante Aktivität trotz vorheriger ROS1-TKI |
| ZNS-Untergruppe | — | — | — | Intrakranielles Ansprechen: 66.7 % (bei Hirnmetastasen) |
🧠 Zerebrale Aktivität (ZNS): Klinische Bedeutung
Bei ROS1+ NSCLC sind Hirnmetastasen häufig und bestimmend für die Langzeitkontrolle. Die intrakranielle Ansprechrate unter Taletrectinib von 66.7 %deutet auf ZNS-Gängigkeit und ein mit möglicher systemischer Krankheitskontrolle vereinbares Profil hin.
🧯 Sicherheit und Verträglichkeit
- Das Gesamtprofil ist günstig und beherrschbar.
- Arzneimittelbedingte Nebenwirkungen sind meist vorübergehendund durch Dosisanpassung/Pausen kontrollierbar.
- Auch nach vorherigen TKI scheint die Verträglichkeit erhalten.
🚀 Stellenwert und Patientenauswahl
- Bei TKI-naiven ROS1+-Patienten in der Erstlinie ein aussichtsreicher Kandidat mit hoher cORR.
- Bei TKI-vorbehandelten Patienten ebenfalls relevante Aktivität → nach Resistenzentwicklung eine sinnvolle Option.
- Bei ZNS-Risiko/-Befall ist die intrakranielle Aktivität klinisch interessant.
- Weitere direkte Vergleiche mit anderen ROS1-TKI sind für Direktvergleichs- oder Sequenzstrategien erforderlich.
🚧 Grenzen und offene Fragen
- Einarmiges Phase-2-Design → begrenzte Aussagen zur vergleichenden Wirksamkeit möglich.
- Nachbeobachtungsdauer noch nicht ausgereift; medianes PFS/DOR nicht erreicht.
- Das Spektrum der Resistenzmutationen und nachfolgende Therapie- optionen benötigen detailliertere molekulare Analysen.
Redaktioneller Hinweis: Klinische Entscheidungen sollten Zugang/Erstattung und Patientenpräferenzen mit Zentrumserfahrung und molekularem Tumorboard verbinden.
Studie 5 — Zidesamtinib (NVL-520): ARROS-1
Warum das wichtig ist: Bei ROS1-positivem NSCLCerschweren TKI-Resistenzen (besonders G2032R) und ZNS-Ausbreitung eine dauerhafte Krankheitskontrolle. Zidesamtinib, ROS1-selektiv, TRK-schonend und ZNS-gängig , ist ein TKI der nächsten Generation. ARROS-1-Daten der Phase 1/2 zeigen trotz mehrerer vorheriger ROS1-TKI dauerhaftes Ansprechen und gute Verträglichkeit.
📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)
- ORR (nach 1–4 ROS1-TKI): 44 %
- ORR (nach nur 1 ROS1-TKI; n=55): 51 %
- Rate anhaltender DOR (Monate 6/12/18): 93 %als Höchstwert
- Medianes PFS: Ungefähr ~24 Monate (≈ 2 Jahre)
- G2032R Resistenzmutation: anhaltende Aktivität
- ZNS-Wirksamkeit: Bei Patienten mit Hirnmetastasen wurden intrakranielle Remissionen beobachtet
- Sicherheit: Insgesamt gut verträglich; geringe Dosisreduktions- und Abbruch- raten
Hinweis: Zwischendaten aus Dosis-/Expansionskohorten; direkte Arzneimittelvergleiche sind hypothesengenerierend (Unterschiede zwischen Studien).
🧱 Studiendesign und Population
- Design: Phase 1/2 (ARROS-1); Dosiseskalation + Expansionskohorten
- Population: Fortgeschrittenes/metastasiertes ROS1-positives NSCLC, auch nach mehreren vorherigen ROS1-TKI- Linien
- Endpunkte: ORR (primär), DOR, PFS, OS, Sicherheit; G2032R und ZNS- Subanalysen
📈 ARROS-1 in Zahlen
| Untergruppe | ORR | PFS (Median) | DOR | Erläuterung |
|---|---|---|---|---|
| 1–4 vorherige ROS1-TKI | 44 % | ≈ ~24 Monate | — | Relevante Aktivität nach mehreren Linien |
| Nur 1 vorheriger ROS1-TKI (n=55) | 51 % | — | Anhaltende DOR (Monate 6/12/18) 93 % | Frühes Reifungssignal für die Dauerhaftigkeit des Ansprechens |
| G2032R-Untergruppe | Anhaltende Aktivität | — | — | Klinisches Nutzensignal bei Solvent-Front-Resistenz |
🧠 ZNS-Aktivität: Klinische Bedeutung
Das unter Zidesamtinib beobachtete intrakranielle Ansprechen deutet darauf hin, dass es bei Hirnmetastasen in der sequenziellen Behandlung von ROS1+ NSCLC als Überbrückung oder Alternative dienen könnte. ZNS-Kontrolle kann PFS/OS entscheidend beeinflussen.
🧯 Sicherheit und Management
- Gesamtprofil: Gut verträglich; geringe Dosisreduktions-/Abbruch- raten
- TRK-Schonung: Neurologische Off-Target-Nebenwirkungen könnten möglicherweise vermindert werden
- Engmaschige Kontrolle: Kopfschmerzen, Schwindel, Magen-Darm-Symptome und Leberwerte (nach Zentrumsprotokoll)
🚀 Stellenwert und Strategie
- Bei Progression nach 1 TKI ein aussichtsreicher Kandidat; bei G2032R positiven Fällen eine sinnvolle Wahl.
- Bei ZNS-Risiko/-Befall wegen intrakranieller Aktivität interessant.
- Sequenzielle Einordnung: Vor oder nach Repotrectinib/Taletrectinib; direkt vergleichende Daten stehen aus.
Redaktioneller Hinweis: Aussagen zur numerischen Überlegenheit müssen wegen Unterschieden zwischen Studien vorsichtig interpretiert werden; direkte Vergleiche und Versorgungsdaten werden die Richtung weisen.
🚧 Grenzen und offene Fragen
- Frühe Phase / einarmig: Begrenzte Aussagen zur vergleichenden Wirksamkeit
- Nachbeobachtungsdauer: Manche Endpunkte noch nicht ausgereift (z. B. mediane DOR)
- Resistenzbiologie: Mutationsmuster nach Zidesamtinib und optimale Sequenzierungs- strategie
Studie 6 — NADIM ADJUVANT: Nivolumab + Chemotherapie (adjuvant)
Warum das wichtig ist: Bei vollständig operiertem (R0) NSCLC bleibt der Rückfall eine der größten Herausforderungen. Adjuvantes Nivolumab + platinbasierte Chemotherapie soll über einen pathologisch „sauberen“ Status hinaus das biologische Rückfallrisiko vermindern. NADIM ADJUVANT liefert starke Signale, dass diese Strategie das krankheitsfreie Überleben (DFS) deutlich verbessert.
📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)
- DFS nach 24 Monaten: 77.7 % (Nivolumab+Chemotherapie) gegenüber 67.9 % (Chemotherapie)
- DFS nach 36 Monaten: 73.3 % (Nivolumab+Chemotherapie) gegenüber 59.9 % (Chemotherapie)
- Krebsspezifisches DFS (Sensitivitätsanalyse): Statistisch signifikant
- Sicherheit: Beherrschbar; mit dem aus früheren klinischen Situationen bekannten Profil vereinbar
Hinweis: Vollständig resezierte Erkrankung im Stadium IB–IIIA bei NSCLC.
🧱 Studiendesign und Behandlung
- Phase: Phase 3 (NCT04564157)
- Population: Vollständig resezierte Erkrankung im Stadium IB–IIIA (NSCLC)
- Arme:
- Experimentell: Adjuvant Nivolumab + platinbasierte Chemotherapie
- Kontrolle: Adjuvante Chemotherapie allein
- Endpunkte: DFS (primär), krebsspezifisches DFS, OS, Sicherheit
📈 NADIM ADJUVANT in Zahlen
| Kennzahl | Nivolumab + Chemotherapie | Chemotherapie | Einordnung |
|---|---|---|---|
| DFS (24 Monate) | 77.7 % | 67.9 % | Das Rückfallrisiko wird klinisch relevant vermindert |
| DFS (36 Monate) | 73.3 % | 59.9 % | Unterschied über die Zeit erhalten |
| Krebsspezifisches DFS | Signifikant besser | — | Durch Sensitivitätsanalyse bestätigt |
| Sicherheit | Beherrschbar | — | Mit früheren IO-/Chemotherapieerfahrungen vereinbares Profil |
🧭 Was bedeuten diese Ergebnisse?
Bei vollständig reseziertem Stadium IB–IIIA NSCLC zeigt adjuvantes Nivolumab + Chemotherapiein den ersten 2–3 Jahren Potenzial, Rückfälle deutlich zu vermindern . Die beim DFS beobachtete anhaltende Trennungkönnte ein vielversprechender früher Hinweis auf langfristigen OS-Gewinn sein (endgültige OS-Reife abwarten).
🧯 Sicherheit: Praktische Hinweise
- Immunvermittelte Nebenwirkungen: Auf Schilddrüsenstörungen, Hepatitis, Pneumonitis prüfen; früh symptomorientiert eingreifen
- Chemotherapietoxizität: Supportive Therapie bei Neutropenie, Anämie, Übelkeit und Dosisverschiebungs- algorithmen
- Nachsorge: Bildgebung alle 3–6 Monate; ctDNA (falls verfügbar) zur MRD-Überwachung könnte Rückfälle früh erkennen helfen
🚀 Stellenwert und Patientenauswahl
- Nach R0-Resektion ist die Behandlung bei ECOG 0–1 und für IO fehlenden Kontraindikationen eine sinnvolle Option.
- Bei hohem Rückfallrisiko (Stadium II–IIIA, Lymphknotenbefall, große Tumoren) besonders wertvoll.
- Multidisziplinäre Entscheidung: Gemeinsame Planung und Nachsorge durch Thoraxchirurgie, Onkologie und Radiologie.
🚧 Grenzen und offene Fragen
- OS-Reife: Dass der DFS-Gewinn langfristig in OS vollständig übergeht , erfordert weitere Nachbeobachtung.
- Biomarker: Mehr Daten zu PD-L1-Spiegeln, ctDNA basierter MRD und Subgruppennutzen erforderlich.
- Umsetzbarkeit im Alltag: Bei älteren/vorerkrankten Menschen können Verträglichkeit und Abschlussraten zwischen Zentren variieren.
Studie 7 — HARMONi: Ivonescimab (bispezifisch PD-1/VEGF) + Carboplatin/Pemetrexed
Warum das wichtig ist: Progression nach EGFR-TKI der dritten Generation (z. B. Osimertinib) stellt bei EGFR-mutiertem NSCLC eine zentrale Versorgungslückedar. Ivonescimabvereint in einem Molekül PD-1 Blockade und Anti-VEGF- Aktivität als bispezifischer Antikörper. HARMONi zeigt in Phase-3-Daten, dass zusätzliches Ivonescimab zur Chemotherapie relevante Vorteile bringt, besonders bei PFS und intrakranieller Kontrolle.
📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)
- PFS (Median): 6.8 Monate (Ivonescimab+Chemotherapie) gegenüber 4.4 Monaten (Placebo+Chemotherapie); HR 0.52, p<0.0001
- OS (Median): 16.8 Monate gegenüber 14.0 Monaten; HR 0.79 — positiver Trend (besonders bei westlichen Patienten nominal signifikant)
- Intrakranielles PFS: HR 0.34 (Hirnmetastasen-Untergruppe)
- ORR: 45 % gegenüber 34 %
- Sicherheit: Beherrschbar; TRAE aller Grade: 95.0 % gegenüber 93.1 %
Hinweis: Alle Patienten hatten eine Progression nach einem TKI der 3. Generation; verglichen wurden Platin-/Pemetrexed-Arme.
🧱 Studiendesign und Population
- Phase: Phase 3 (NCT06396065)
- Population: Nach EGFR-TKI der dritten Generation fortgeschrittenes/metastasiertes EGFRm-NSCLC mit Progression
- Arme:
- Experimentell: Ivonescimab + Carboplatin/Pemetrexed (Induktion → Pemetrexed ± Ivonescimab als Erhaltung)
- Kontrolle: Placebo + Carboplatin/Pemetrexed (Induktion → Pemetrexed + Placebo als Erhaltung)
- Endpunkte: PFS (primär), OS, ORR, intrakranielles PFS, Sicherheit
📈 HARMONi in Zahlen
| Kennzahl | Ivonescimab + Chemotherapie | Placebo + Chemotherapie | Unterschied / Einordnung |
|---|---|---|---|
| Medianes PFS | 6.8 Monate | 4.4 Monate | HR 0.52, p<0.0001 |
| Medianes OS | 16.8 Monate | 14.0 Monate | HR 0.79 — positiver Trend |
| ORR | 45 % | 34 % | Höhere Ansprechrate |
| Intrakranielles PFS | HR 0.34 | Referenz | Deutlicher Vorteil bei Hirnmetastasen |
| Sicherheit (TRAE aller Grade) | 95.0 % | 93.1 % | Insgesamt beherrschbares Profil |
🧭 Was bedeuten diese Ergebnisse?
Als nächster Schritt nach TKI bringt zur Chemotherapie die Anti-PD-1- und Anti-VEGF- Kombinationswirkung Vorteile bei früher Krankheitskontrolle (PFS) und ZNS-Behandlung . Beim OS wird der positive Trend besonders durch Subanalysen der westlichen Population gestützt, die nominale Signifikanz erreichen; für die abschließende Einordnung sind ausgereifte OS-Daten abzuwarten.
👥 Patientenauswahl — Wann Ivonescimab + Chemotherapie?
- Nach TKI der 3. Generation Progression (besonders frühe Progression als Risikoprofil)
- Hirnmetastasen vorhanden oder hohes Risiko (intrakranieller Nutzen)
- ECOG 0–1, hämatologische Reserven ausreichend, chemotherapiefähig
- Gegen Anti-VEGF keine Kontraindikation (Blutungsrisiko, unkontrollierter Bluthochdruck usw.)
🧯 Sicherheit: Praktisches Management
- Immunvermittelte Nebenwirkungen: Dermatitis, Thyreoiditis, Hepatitis, Pneumonitis — frühe Erkennung und Behandlung nach Algorithmen
- Anti-VEGF-bedingt: Bluthochdruck, Proteinurie, Blutungsrisiko — Blutdruck/Urinprotein engmaschig überwachen
- Chemotherapietoxizität: Neutropenie, Anämie, Müdigkeit — G-CSF, Dosisverschiebungen, supportive Versorgung
🚧 Grenzen und offene Fragen
- OS-Reife: Für endgültige OS-Ergebnisse ist längere Nachbeobachtung nötig; Subgruppenunterschiede klären.
- Biomarker: Zusammenhänge des Nutzens mit PD-L1-Spiegel, angiogenen Signaturen und Resistenzbiologie untersuchen.
- Sequenzierung: Ivonescimab + Chemotherapie nach TKI gegenüber anderen IO-/Anti-VEGF-Kombinationen: keine direkten Vergleiche.
Redaktioneller Hinweis: Die Befunde bieten einen Rahmen, um klinische Entscheidungen gemeinsam mit Patientenpräferenz, Begleiterkrankungen und Erstattungsbedingungen zu bewerten.
Studie 8 — ACROSS 2: Aumolertinib + Carboplatin/Pemetrexed (1. Linie)
Warum das wichtig ist: Bei EGFR-mutiertem NSCLC können Komutationen in Tumorsuppressorgenen (TSG) (besonders TP53) unter TKI-Monotherapie mit früher Resistenz und kürzerem PFS verbunden sein. ACROSS 2prüft, ob zusätzliches Platin/Pemetrexed zu Aumolertinib die Ergebnisse bei dieser Hochrisikobiologie verbessert.
📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)
- Medianes PFS: 19.8 Monate (Aumolertinib + Chemotherapie) gegenüber 16.5 Monaten (Aumolertinib)
- ORR: 70.4 % (Kombination) gegenüber 67.2 % (Monotherapie)
- Untergruppen: TP53-Komutation und EGFR-Exon-19-Deletion mit deutlichem PFS-Nutzen
- Sicherheit: TEAE unter Kombination häufiger, insgesamt jedoch beherrschbar
Hinweis: 1. Linie bei fortgeschrittenem/metastasiertem EGFRm-NSCLC; Populationen mit TSG-Komutation gelten klinisch als Hochrisikogruppen .
🧱 Studiendesign und Behandlung
- Phase: Phase 3 (NCT04500717)
- Population: Fortgeschrittenes/metastasiertes EGFRm-NSCLC (einschließlich definierter TSG-Komutations-Untergruppen)
- Arme:
- Kombination: Aumolertinib + Carboplatin/Pemetrexed (Induktion → Aumolertinib ± Pemetrexed als Erhaltung)
- Kontrolle: Aumolertinib-Monotherapie
- Endpunkte: PFS (primär), ORR, DOR, OS, Sicherheit; TSG-Komutations- Subanalysen
📈 ACROSS 2 in Zahlen
| Kennzahl | Aumolertinib + Chemotherapie | Aumolertinib | Unterschied / Einordnung |
|---|---|---|---|
| Medianes PFS | 19.8 Monate | 16.5 Monate | Klinisch relevante Verlängerung |
| ORR | 70.4 % | 67.2 % | Ähnliche Ansprechrate; bei der Dauerhaftigkeitwird ein Unterschied erwartet (PFS/DOR) |
| Untergruppen | TP53-Komutation & Exon-19-Deletionmit deutlichem PFS-Nutzen | — | Bei Hochrisikobiologie ist die initiale Kombination begründet |
🧭 Was bedeuten diese Ergebnisse?
Bei TSG-komutierten EGFRm-Fällen neigt TKI-Monotherapie zu früher Progression. Initial TPI + Chemotherapie zu wählen ist sinnvoll, um die biologische Krankheitsgeschwindigkeit zu bremsen und längeres PFS zu erreichen. Gleichzeitige Chemotherapie könnte mikroskopische resistente Klone unterdrücken und frühes Entkommen vermindern.
🧯 Sicherheit: Praktische Hinweise
- Hämatologische Nebenwirkungen: Neutropenie/Anämie; Dosisverschiebungen, G-CSF, supportive Versorgung
- Voraussetzungen für Pemetrexed: Folat/B12 und Nierenfunktion kontrollieren
- Aumolertinib-Klasseneffekte: Ausschlag, Durchfall; früh symptomorientiert eingreifen
👥 Patientenauswahl — Wann kombinieren?
- TP53-Komutation oder andere TSG- Veränderungen (STK11/KEAP1 usw., nach Bewertung des Zentrums)
- Hohe Tumorlast oder frühes Progressionsrisiko bei entsprechend eingeschätzten Fällen
- ECOG 0–1mit ausreichenden hämatologischen Reserven
Alternative: Bei Begleiterkrankungen/Gebrechlichkeit kann Monotherapie gewählt werden; PFS engmaschig überwachen.
🚧 Grenzen und offene Fragen
- Nebenwirkungsbelastung: Kombinationstoxizität kann im Alltag die Abschlussraten beeinflussen.
- Sequenzierung: Die optimale Reihenfolge der 2L-Optionen nach Progression (z. B. andere TKI, IO + Chemotherapie) ist unklar.
- Biomarker: Nutzenhöhe nach TSG-Untertypen (z. B. TP53-Variantenklasse) genauer analysieren.
Studie 9 — IDeate-Lung01: Ifinatamab-Deruxtecan (I-DXd)
Warum das wichtig ist: Bei einem Rückfall des ausgedehnten kleinzelligen Lungenkrebses (SCLC) sind wirksame Optionen in der 2. Linie begrenzt. I-DXdist ein gegen B7-H3 gerichtetes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC) und fällt durch potenziell rasches Ansprechen sowie eine hohe Krankheitskontrollrate auf.
📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)
- ORR (bestätigt): 48.2 % (n = 137; 12 mg/kg)
- DCR: 87.6 %
- TTR (Median): 1.4 Monate — rasches Ansprechen
- DOR (Median): 5.3 Monate
- PFS (Median): 4.9 Monate
- OS (Median): 10.3 Monate
Hinweis: Klinischer Nutzen wurde unabhängig von Platinempfindlichkeit und Therapielinie beobachtet; intrakranielle Aktivität wurde als Signal berichtet.
🧱 Studiendesign und Population
- Phase: Phase 2, einarmig (NCT05280470)
- Population: Vorbehandeltes SCLC im ausgedehnten Stadium
- Behandlung: I-DXd 12 mg/kg (alle 3 Wochen)
- Endpunkte: ORR (primär), DOR, PFS, OS, Sicherheit; intrakranielle Subanalysen
📈 I-DXd in Zahlen
| Kennzahl | Ergebnis | Erläuterung |
|---|---|---|
| ORR | 48.2 % | Bestätigt; entsprechend rascher TTR |
| DCR | 87.6 % | Ansprechen + stabile Erkrankung |
| DOR (Median) | 5.3 Monate | Dauerhaftigkeit des Ansprechens |
| PFS (Median) | 4.9 Monate | Dauer des klinischen Nutzens |
| OS (Median) | 10.3 Monate | Nutzensignal unabhängig von der Therapielinie |
🧭 Was bedeuten diese Ergebnisse?
48 % ORR und rasches Ansprechen nach 1.4 Monatenkönnen bei symptomatischer Erkrankung/hoher Tumorlast frühe klinische Entlastung ermöglichen. PFS 4.9 Monate und OS 10.3 Monatebieten gegenüber bestehenden 2L-Optionen ein konkurrenzfähiges Profil. Bemerkenswert ist der Nutzen sowohl bei platinsensitiver als auch platinresistenter Erkrankung.
🧯 Sicherheit und Management
- TRAE (alle Grade): 89.8 %; Grad ≥3: 36.5 % — beherrschbar
- Warnhinweise für die ADC-Klasse: Interstitielle Lungenerkrankung/Pneumonitis : früh über Symptome aufklären und niedrigschwellig abklären
- Supportive Versorgung: Bei hämatologischer Toxizität Dosisverschiebung/-reduktion, G-CSF; Übelkeitsprophylaxe
🚀 Stellenwert und Patientenauswahl
- Bei 2L+ SCLC im ausgedehnten Stadium mit Bedarf an Symptomkontrolle und raschem Ansprechen eine gute Option
- Bei ZNS- Befall wegen des berichteten Signals intrakranieller Aktivität beachtenswert
- Bei Hochrisiko-Nebenwirkungen (besonders Pneumonitis) sind engmaschige Überwachung und Patientenaufklärung unerlässlich
🚧 Grenzen und offene Fragen
- Einarmig/frühe Phase: Randomisierte Daten für vergleichende Überlegenheit erforderlich
- OS-Reife: Detailliertere Subgruppenanalysen (platinsensitiv/-resistent, ZNS-Befall) erforderlich
- Sequenzierung: Optimale Optionen nach ADC (Topo1-ADC → Chemotherapie-/IO-Kombinationen usw.) müssen geklärt werden
Studie 10 — ALCHEMIST: Adjuvantes Crizotinib (ALK+; reseziertes NSCLC)
Warum das wichtig ist: Bei frühem, vollständig operiertem ALK-positivem NSCLCsteht seit Langem die Frage im Raum, ob adjuvante zielgerichtete Behandlung das Rückfallrisiko senken kann. ALCHEMIST zeigte in Phase 3, dass Crizotinibgegenüber Beobachtung keinen Gewinn bei DFS oder OS bringt, und lieferte damit wichtige negative Evidenz gegen diese adjuvante Strategie.
📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)
- Nachbeobachtung (Median): 58.3 Monate
- DFS: kein Nutzen — HR 1.06, P=0.86
- OS: nicht statistisch signifikant — HR 0.49, P=0.26
- Untergruppen: Nach Geschlecht, Stadium, postoperativer RT kein signifikanter Nutzen
- Toxizität: Ähnlich dem Profil bei fortgeschrittener Erkrankung; >25 % der Fälle mit Therapieunterbrechung
🧱 Studiendesign und Population
- Phase: Phase 3 (NCT02194738)
- Population: Reseziertes ALK-positives NSCLC (frühes/intermediäres Stadium; adjuvantes Setting)
- Arme: Adjuvantes Crizotinib gegenüber Beobachtung
- Endpunkte: Zeit bis zur Erkrankung (DFS), OSund Sicherheit
📈 ALCHEMIST in Zahlen
| Kennzahl | Crizotinib | Beobachtung | Einordnung |
|---|---|---|---|
| DFS (HR) | 1.06 | Referenz | P=0.86 — kein Unterschied |
| OS (HR) | 0.49 | Referenz | P=0.26 — nicht statistisch signifikant |
| Therapieunterbrechung | >25 % | — | Begrenzte Verträglichkeit; im adjuvanten Setting ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis |
🧭 Was bedeuten diese Ergebnisse?
Bei frühem ALK+ NSCLC vermindert adjuvantes Crizotinib Rückfälle nicht und verlängert nicht das Leben. Zudem stellt im adjuvanten Setting die erhebliche Abbruchrate die Verträglichkeit infrage. Daher ist Crizotinib als adjuvanter Standard keine geeignete Behandlung. Für zielgerichtete adjuvante Strategien sollten randomisierte Daten zu anderen Wirkstoffen und Langzeitergebnisse aufmerksam verfolgt werden.
🧯 Sicherheit: Praktische Hinweise
- Klasseneffekte: Magen-Darm-Symptome, erhöhte Leberenzyme, Sehstörungen, QT-Verlängerung — im adjuvanten Setting werden Beschwerden weniger toleriert.
- Überwachung: Leberwerte, EKG (QTc), engmaschige symptomorientierte Kontrolle; frühe Dosisanpassungs- entscheidungen
🚧 Grenzen und offene Fragen
- Wirkstoffspezifisches Ergebnis: Den negativen Befund auf die gesamte ALK-TKI-Klasse zu übertragen, könnte unzutreffend sein; die Wirkstoffe unterscheiden sich pharmakologisch.
- Subgruppenunterschiede: Detaillierte Analysen nach Stadium, Lymphknotenstatus und Wechselwirkungen mit adjuvanter Chemotherapie/RT sind wichtig.
- Zukünftige Richtung: Im adjuvanten Setting werden randomisierte Daten zu wirksameren/modernen ALK-TKIund MRD-/ctDNA- gesteuerten Ansätzen erwartet.
Auswirkungen auf die Praxis — Kurze Entscheidungshilfe
Fortgeschrittenes EGFRm
- 1. Linie: Bei geeigneten Patienten Osimertinib + Chemotherapie (OS-Vorteil; FLAURA2).
- Hochrisikobiologie (TSG-Komutation): TKI + Chemotherapie gewinnt an Bedeutung (ACROSS 2).
- Zukunft: TKI-ADC- Kombinationen nach Phase-3-Ergebnissen beurteilen.
EGFRm nach TKI der 3. Generation
- Ivonescimab + Chemotherapie erzielt PFS-Gewinne; ausgeprägt in der ZNS-Untergruppe (HARMONi).
- Patientenauswahl: ECOG 0–1, gute hämatologische Reserven, keine Anti-VEGF-Kontraindikation.
ROS1-positives NSCLC
- Taletrectinib (naiv: cORR ~85 %; ZNS-Ansprechen) als aussichtsreicher 1L-Kandidat.
- Zidesamtinib ist nach mehreren TKI und bei G2032Reine Option; ZNS-Aktivität bietet zusätzlichen Nutzen.
- Zur Sequenzierung direkte Vergleiche und Versorgungsdaten abwarten.
Frühstadium (resektabel)
- Perioperative IO (neoadjuvante IO+Chemotherapie → Operation → adjuvante IO) zeigt EFS-/pCR- Nutzen bei HRQOL- Erhalt (CheckMate 77T).
- Adjuvante IO + Chemotherapiebei R0 IB–IIIA mit DFS-Vorteil (NADIM ADJUVANT).
- Adjuvantes Crizotinib: nicht empfohlen (ALCHEMIST negativ).
SCLC im ausgedehnten Stadium (2L+)
- I-DXd: Rasches Ansprechen bei symptomatischen Patienten als Behandlungsziel (ORR ~48 %; TTR ~1.4 Monate).
- ADC-Klassennebenwirkungen: Über Pneumonitis aufklären & früh eingreifen; hämatologische Unterstützung.
🔬 Zukunftsgerichtete Hinweise für die Praxis
- MRD-/ctDNA- basierte Risikoeinteilung wird adjuvante und perioperative Entscheidungen personalisieren.
- ZNS-orientierte Sequenzierung: TKI nach intrakranieller Wirksamkeit und Resistenzmutationen auswählen.
- Wirtschaftlichkeit von Kombinationen: OS-/PFS-Gewinne gemeinsam mit Toxizität, Kosten und Zugang abwägen.
- Umfang der Biomarkeranalyse: TSG-Komutationen, PD-L1 und transkriptomische Signaturen könnten die Therapieintensität steuern.
Fazit: Die Lungenkrebsbehandlung 2025 wird durch Kombinationen, ZNS-Kontrolle und dynamische Biomarker geprägt. Zusammen mit Zentrumserfahrung, Patientenpräferenz und Erstattungsbedingungen lassen sich die Befunde in aktuelle Standards integrieren und zum größtmöglichen Patientennutzen einsetzen.
📚 Wissenschaftliche Quellen
- Adjuvantes Crizotinib ohne Nutzen bei ALK+ NSCLC
Gerber DE, Wang Y, Lange CJ, et al. Phase 3 trial of crizotinib vs observation... IASLC WCLC 2025; Abstract 2559.
NCT02194738 - Adjuvantes Nivolumab + Chemotherapie (NADIM ADJUVANT)
Provencio M, Bernabé R, Nadal E, et al. Phase III... IASLC WCLC 2025; Abstract PL03.07. - Perioperatives Nivolumab (CheckMate 77T)
Spicer JD, Pulla MP, Cascone T, et al. PROs with perioperative nivolumab... IASLC WCLC 2025; Abstract 3005.
Cascone T, Awad MM, Spicer JD, et al. N Engl J Med. 2024;390(19):1756-1769. doi:10.1056/NEJM0a2311926.
FDA-Zulassung - Aumolertinib + Chemotherapie (ACROSS 2)
Wang J. ACROSS 2 phase III... IASLC WCLC 2025; Abstract 2205.
NCT04500717 - Ivonescimab + Chemotherapie (HARMONi)
Goldman JW, Passaro A, Laskin J, et al. Phase 3 HARMONi... IASLC WCLC 2025; Abstract 4808.
NCT06396065 - Ifinatamab-Deruxtecan (I-DXd; IDeate-Lung01)
Ahn M-J, Johnson ML, Paz-Ares L, et al. Phase 2 IDeate-Lung01... IASLC WCLC 2025; Abstract OA06.03.
NCT06203210 - Taletrectinib (TRUST-I/II)
NCT04919811, NCT04395677. - Iza-Bren + Osimertinib (Phase 2)
Zhou F, Wang Q, Wang H, et al. Phase II study... IASLC WCLC 2025; Abstract 2114. - Osimertinib + Chemotherapie (FLAURA2)
Planchard D, Jänne PA, Kobayashi K, et al. Final OS... IASLC WCLC 2025; Abstract 1956.
N Engl J Med. 2023;389(21):1935-1948. doi:10.1056/NEJMoa2306434.
FDA-Zulassung - Zidesamtinib (ARROS-1)
Drilon AE, Cho BC, Lin JJ, et al. ARROS-1 pivotal data... IASLC WCLC 2025; Abstract 4540.
NCT05118789
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