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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Weltlungenkrebskongress 2025: Die 10 bemerkenswertesten Studien

Weltlungenkrebskongress 2025: Die 10 bemerkenswertesten Studien
In diesem Artikel

Innovationen in der Lungenkrebsbehandlung – 2025

Die Lungenkrebsbehandlung entwickelt sich deutlich von Einzelwirkstoffen hin zu rationalen Kombinationsstrategien. Die auf der IASLC 2025 vorgestellten Studien unterstreichen die Synergie von zielgerichteter Therapie + Chemotherapie , die zunehmende Bedeutung von ADC, die Etablierung perioperativer Immuntherapie als Standard im Frühstadium und neue TKI mit Schwerpunkt auf ZNS-Kontrolle. Einige negative Ergebnisse (z. B. adjuvantes Crizotinib) machen die Praxis evidenzorientierter und selektiver.

🧬 Zunehmende Bedeutung von Kombinationen bei EGFR

Osimertinib + Chemotherapie (FLAURA2) mit verbessertem OS; frühe Daten zu ADC + TKI (Iza-Bren + Osimertinib) mit bemerkenswertem Ansprechen. Bei Hochrisikobiologie wie TSG-Komutationen (ACROSS 2) werden initiale Kombinationen begründet.

🧠 ROS1 und ZNS: TKI der nächsten Generation

Taletrectinib und Zidesamtinib zeigen hohe cORR, langes PFS/DORund intrakranielle Aktivität , auch gegen Resistenzmechanismen wie die Solvent-Front- G2032R Mutation.

🏥 Perioperative IO: Vorteile ohne Verlust an Lebensqualität

CheckMate 77T: Neoadjuvante IO+Chemotherapie → Operation → adjuvante IO verbessert EFS und pCR bei erhaltener HRQOLund stärkt damit die Rückfallprävention im Frühstadium.

🧪 ADC: Rasches Ansprechen bei SCLC

I-DXd (gegen B7-H3 gerichtet) zeigt Potenzial für rasches Ansprechen (TTR ~1.4 Monate) und 48% ORR bei SCLC im ausgedehnten Stadium in 2L+; vielversprechend für schnelle Symptomlinderung.

🧭 Der Wert negativer Evidenz

Die ALCHEMIST Studie zeigt: Adjuvantes Crizotinib bringt keinen DFS-/OS-Vorteil. Negative Befunde helfen, Wirkstoffauswahl und Sequenzierung zu klären, und betonen den Bedarf an MRD-/ctDNA-gesteuerten adjuvanten Strategien.

Zusammengefasst bewegt sich die Lungenkrebsbehandlung 2025 hin zu molekular angepassten, ZNS-orientiertenund kombinationsbasierten Strategien. Klinische Entscheidungen berücksichtigen zunehmend Patientenpräferenzen, Begleiterkrankungen, Zugang/Erstattungund Versorgungs- daten sowie dynamische Biomarker wie ctDNA (MRD).


Studie 1 — Iza-Bren (Izalontamab-Brengitecan) + Osimertinib

Warum das wichtig ist: Ein tiefes und dauerhaftes Erstlinienansprechen bleibt bei EGFR-mutiertem NSCLC entscheidend. Die Kombination des Antikörper-Wirkstoff-Konjugats (ADC) Iza-Bren mit Osimertinib zeigt in frühen Daten außergewöhnlich hohe Ansprechraten und Überlebensraten nach 12 Monaten. Dies veranschaulicht das klinische Potenzial der TKI-ADC- Synergie in der zielgerichteten Behandlung.

📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)

  • ORR: 100% (bestätigte ORR 95%) — Dosiskohorte 2.5 mg/kg, D1D8, Q3W
  • PFS-Rate nach 12 Monaten: 92.1% (medianes PFS: —)
  • OS-Rate nach 12 Monaten: 94.8% (medianes OS: —)
  • Verträglichkeit: Beherrschbares Sicherheitsprofil; häufigste Nebenwirkungen hämatologisch; geringe Abbruchrate

Hinweis: Nachbeobachtung ~12–13 Monate; frühe Daten — die Bewertung gilt für die berichtete Dosiskohorte.

🧱 Studiendesign und Population

  • Phase: Phase 2 (NCT05880706)
  • Population: EGFR-mutiertes, lokal fortgeschrittenes / metastasiertes NSCLC
  • Schema: Iza-Bren 2.5 mg/kg D1 & D8, Q3W + Osimertinib (Standarddosis)
  • Nachbeobachtung: Median für PFS ≈ 12.5 Monate; Median für OS ≈ 12.8 Monate
  • Stichprobengröße: Im Vortrag nur begrenzt berichtet — Ergebnisse beziehen sich auf die Dosiskohorte

📈 Ergebnisse auf einen Blick

Kennzahl Ergebnis Hinweise
ORR 100% (bestätigt 95%) Kohorte mit 2.5 mg/kg D1D8 Q3W
PFS-Rate nach 12 Monaten 92.1% Medianes PFS nicht erreicht (—)
OS-Rate nach 12 Monaten 94.8% Medianes OS nicht erreicht (—)
Sicherheit Beherrschbar Vorwiegend hämatologische Nebenwirkungen; wenige Abbrüche

🧯 Sicherheit und Verträglichkeit

  • Am häufigsten wurden hämatologische Nebenwirkungen berichtet (Schweregrade und Raten waren auf den Folien nur begrenzt angegeben).
  • Dosisunterbrechungen/Therapieabbrüche waren selten; das Gesamtprofil gilt als beherrschbar.
  • Es wurden keine neuen Sicherheitssignale bei gleichzeitiger Osimertinib-Gabe berichtet.

🧭 Wie sind diese Ergebnisse einzuordnen?

Der ADC-TKI- Ansatz könnte gegenüber einer TKI-Monotherapie das Ansprechen verlängern und frühe Progression vermindern . Eine ORR von bis zu 100% und nach 12 Monaten PFS >92% sprechen für eine biologisch interessante Erstlinienstrategie bei Patienten mit hoher Tumorlast und/oder Risiko für Hirnmetastasen . Für den Routineeinsatz fehlt jedoch noch vergleichende Phase-3- Evidenz.

🚧 Grenzen (vorsichtig interpretieren)

  • Frühe Daten / Dosiskohorte — begrenzte Übertragbarkeit auf breitere Populationen.
  • Kein Kontrollarm (einarmig) → Effektgröße vorsichtig ableiten.
  • Nachbeobachtung ~12–13 Monate; langfristige OS-/DOR-Daten noch nicht ausgereift.
  • Stichprobengröße und Subgruppendetails waren im Vortrag nur begrenzt angegeben.

🚀 Stellenwert und nächste Schritte

  • Vorerst vorzugsweise im Rahmen einer klinischen Studie betrachten; für Routineanwendung ist eine Bestätigung in Phase 3 erforderlich.
  • Laufende Phase 3: NCT06838273 (China) — soll klären, ob die Kombination ein Erstlinienstandard werden kann.
  • Weitere Forschung sollte sich auf Hirnmetastasen- Untergruppen und Resistenzbiologie (z. B. EGFR C797S, MET-Amplifikation) konzentrieren.

Redaktioneller Hinweis: Der Inhalt beruht auf Kongressdaten der IASLC 2025; die Zahlen beziehen sich auf die berichtete Dosiskohorte.


Studie 2 — FLAURA2: Osimertinib + Chemotherapie (Erstlinie)

Warum das wichtig ist: Bei fortgeschrittenem EGFR-mutiertem NSCLC ist Osimertinib als Monotherapie seit Langem Erstlinienstandard. Aktualisierte FLAURA2 Daten bestätigen, dass Osimertinib + Platin/Pemetrexed neben verbessertem PFS auch einen statistisch signifikanten und klinisch relevanten OS- Vorteil bietet und damit die Erstwahlalgorithmen vieler Zentren verändert.

📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)

  • Medianes OS: Kombination 47.5 Monate gegenüber Monotherapie 37.6 Monate → 23% Verringerung des Sterberisikos
  • PFS (bereits berichtet): 38% geringeres Progressions-/Sterberisiko
  • Sicherheit: Beherrschbar; keine neuen Signale bei längerer Nachbeobachtung

Hinweis: OS-Nachbeobachtung ~51.2 Monate; statistisch signifikante und klinisch relevante Ergebnisse.

🧱 Studiendesign und Behandlung

  • Phase: Phase 3 (NCT04035486)
  • Population: EGFR-mutiertes (häufig Ex19del / L858R) fortgeschrittenes NSCLC
  • Arme:
    • Kombination: Osimertinib + Platin/Pemetrexed als Induktion → Osimertinib + Pemetrexed als Erhaltung
    • Kontrolle: Osimertinib-Monotherapie
  • Primäre/sekundäre Endpunkte: PFS, OS, Ansprechraten, Sicherheit

📈 FLAURA2 in Zahlen

Kennzahl Kombination Monotherapie Unterschied / Hinweise
Medianes OS 47.5 Monate 37.6 Monate 23% relative Verringerung des Sterberisikos
PFS Bereits überlegen Referenz 38% geringeres Progressions-/Sterberisiko
Sicherheit Beherrschbar; keine neuen Signale — Hämatologische Toxizität durch zusätzliche Chemotherapie zu erwarten

🧭 Was ändert sich in der Praxis?

  • Die kombinierte Erstlinientherapie wird in vielen Zentren als neuer Behandlungsstandard übernommen.
  • Sie begründet einen intensiveren initialen Ansatz bei Patienten mit hoher Tumorlast, frühem Progressionsrisikooder wahrscheinlichen Hirnmetastasen .
  • Im Versorgungsalltag sind Chemotherapiefähigkeit (hämatologische Reserven, Begleiterkrankungen) und Patientenpräferenz entscheidend.

👥 Patientenauswahl — Wann die Kombination wählen?

  • Guter Allgemeinzustand (ECOG 0–1)
  • Hohe Tumorlast / rasche Kontrolle erforderlich
  • Hohes Hirnmetastasenrisiko
  • Ausreichende hämatologische Reserven, geringe Begleiterkrankungslast
  • Patientenpräferenz: Bereitschaft zu intensiverer Behandlung für einen möglichen OS-Gewinn

Alternative: Bei Gebrechlichkeit oder voraussichtlich schlechter Chemotherapieverträglichkeit bleibt die Monotherapie sinnvoll.

🧯 Sicherheit und praktische Hinweise

  • Hämatologische Toxizität: Neutropenie/Anämie behandeln mit Dosisverschiebungen, G-CSFund supportiven Maßnahmen
  • Nierenfunktion & Folat-/B12-Kontrolle: Voraussetzungen für Pemetrexed
  • Kontrollintensität: Engmaschigere Überwachung in den ersten 3–4 Monaten (Blutbild, Symptomkontrollen)

🚧 Grenzen und offene Fragen

  • Kosten und Zugang: Wirtschaftliche Belastung / Erstattungsfragen
  • Versorgungsdaten werden besonders für ältere und gebrechliche Menschen benötigt
  • Resistenzmuster: Molekulares Resistenzprofil nach Kombination und Optionen der nächsten Linie

📝 Zentrale Aussage

FLAURA2 zeigt eindeutig einen OS-Vorteil für Osimertinib + Chemotherapie in der Erstlinie bei EGFR-mutiertem NSCLC. Die klinischen Folgen sind greifbar: Bei geeigneten Patienten wird die Kombination zunehmend zur üblichen Wahl.


Studie 3 — CheckMate 77T: Perioperatives Nivolumab (resektables NSCLC)

Warum das wichtig ist: Bei frühem operablem NSCLC ist das Rückfallrisiko hoch; Strategien vor und nach der Operation (perioperativ) prägen die Langzeitergebnisse. CheckMate 77Tuntersuchte neoadjuvantes Nivolumab + platinhaltige Zweifachchemotherapie gefolgt von adjuvantem Nivolumab nach der Operation. Dies verlängerte nicht nur das ereignisfreie Überleben (EFS) , sondern erhöhte auch die pathologische Komplettremission (pCR) und beeinträchtigte nicht die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQOL).

📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)

  • EFS (Median): Nicht erreicht unter Nivolumab gegenüber 18.4 Monaten unter Placebo
  • pCR: Höher unter Nivolumab (Synergie neoadjuvanter IO + Chemotherapie)
  • HRQOL: Geringeres Verschlechterungsrisiko, besonders bei Stadium III N2 Erkrankung
  • Sicherheit: Insgesamt beherrschbar, entsprechend den erwarteten Klasseneffekten

Hinweis: Patienten mit EGFR-Mutationen oder ALK-Rearrangements waren ausgeschlossen; Zielgruppe waren Erwachsene mit resektablem NSCLC.

🧱 Studiendesign und Behandlung

  • Phase: Phase 3 (NCT04025879)
  • Population: Resektables NSCLC im Stadium III N2 oder ohne N2 (EGFR/ALK-negativ)
  • Arme:
    • Experimentell: Neoadjuvant Nivolumab + platinhaltige Zweifachchemotherapie → Operation → adjuvant Nivolumab
    • Kontrolle: Neoadjuvant Placebo + platinhaltige Zweifachchemotherapie → Operation → adjuvant Placebo
  • Wichtige Endpunkte: EFS, pCR/MPR, HRQOL (Zeit bis zur endgültigen Verschlechterung, TTDD), Sicherheit

📈 CheckMate 77T auf einen Blick

Kennzahl Nivolumab-Arm Kontrolle Einordnung
Medianes EFS Nicht erreicht 18.4 Monate Statistisch und klinisch signifikanter Nutzen
pCR Höher Niedriger Synergie neoadjuvanter IO + Chemotherapie
HRQOL (Verschlechterungsrisiko) Niedriger Höher TTDD war verlängert unter Nivolumab (besonders im Stadium III N2)
Sicherheit Beherrschbar — Erwartete Klasseneffekte; keine neuen Signale

🧭 Was bedeuten die HRQOL-Ergebnisse?

Erhaltene HRQOL unter neoadjuvanter Immuntherapie plus Chemotherapie und anschließendem adjuvantem Nivolumab unterstützt die Nachhaltigkeit perioperativer IO-Strategien sowohl hinsichtlich onkologischer Ergebnisse als auch patientenberichteter Ergebnisse. Eine spätere Verschlechterung (längere TTDD), besonders im Stadium III N2, ist klinisch relevant.

🧯 Sicherheit: Praktische Hinweise

  • Immunvermittelte Nebenwirkungen: Dermatitis, Thyreoiditis, Hepatitis und Pneumonitis früh erkennen und nach festgelegten Algorithmen behandeln
  • Perioperatives Timing: Geeignete Abstände zwischen neoadjuvanten Zyklen und Operation sicherstellen
  • Multidisziplinäre Betreuung: Enge Abstimmung zwischen Thoraxchirurgie, Onkologie, Pneumologie und Anästhesie

🚀 Stellenwert in der klinischen Praxis

  • Neoadjuvantes Nivolumab + Chemotherapie gefolgt von adjuvantem Nivolumab hat sich als sinnvoller perioperativer Standard bei resektablem EGFR/ALK-negativem NSCLC weiter gefestigt.
  • Neben EFS- und pCR-Gewinnen unterstützt die erhaltene HRQOL die Therapietreue.
  • Patientenauswahl: Operabel, keine IO-Kontraindikationen, beherrschbare Begleiterkrankungen.

Hinweis: Diese Daten entsprechen der FDA-Fachinformation; Versorgungsdaten und längerfristige OS-Reife weiter beobachten.

🚧 Grenzen und offene Fragen

  • Langfristiges OS: Eine längere Nachbeobachtung könnte nötig sein, bis sich EFS vollständig in OS übersetzt.
  • Subgruppenunterschiede: Histologie, PD-L1-Spiegel und Zusammenhänge mit minimaler Resterkrankung (ctDNA) sind relevant.
  • Umsetzbarkeit im Alltag: Operationszeitpunkt, Voruntersuchungen und Logistik unterscheiden sich zwischen Zentren.

Studie 4 — Taletrectinib (Ibtrozi): TRUST-I & TRUST-II

Warum das wichtig ist: Bei ROS1-positivem NSCLCsind TKI wirksam, doch Resistenz und ZNS-Ausbreitung bleiben wesentliche Herausforderungen. Taletrectinibist ein ROS1-selektiver TKI mit potenzieller Hirngängigkeit und zeigt dauerhaftes Ansprechen sowie ermutigende ZNS-Kontrolle sowohl bei unbehandelten als auch TKI-vorbehandelten Patienten.

📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)

  • cORR (TKI-naiv): 85.2% (n = 54); mediane 20.5 Monate Nachbeobachtung
  • Medianes PFS / DOR (TKI-naiv): Nicht erreicht; längstes beobachtetes PFS 31.6 Monate und weiterhin anhaltend
  • cORR (TKI-vorbehandelt): 61.7% (n = 47)
  • ZNS-/intrakranielle Remissionen: Ansprechrate 66.7% bei Patienten mit Hirnmetastasen
  • Sicherheit: Insgesamt beherrschbar; die meisten Nebenwirkungen waren vorübergehend

Hinweis: Aus aktualisierten Zwischenanalysen zweier Phase-2-Studien.

🧱 Studiendesign und Population

  • Design: Phase 2, einarmig/multizentrisch (TRUST-I und TRUST-II)
  • Population: Fortgeschrittenes/metastasiertes ROS1-positives NSCLC; TKI-naive und TKI-vorbehandelte Kohorten
  • Vorbehandlung: Getrennte Analysen — kein vorheriger ROS1-TKI gegenüber ≥1 vorherigem ROS1-TKI
  • Endpunkte: cORR (primär), DOR, PFS, OS, Sicherheit; Subanalysen der intrakraniellen Aktivität

📈 TRUST-I / II auf einen Blick

Kohorte cORR PFS (Median) DOR (Median) Hinweise
TKI-naiv (n=54) 85.2% Nicht erreicht Nicht erreicht Längstes beobachtetes PFS 31.6 Monate (anhaltend)
TKI-vorbehandelt (n=47) 61.7% — — Relevante Aktivität trotz vorheriger ROS1-TKI
ZNS-Untergruppe — — — Intrakranielles Ansprechen: 66.7% (bei Hirnmetastasen)

🧠 ZNS-Aktivität: Klinische Bedeutung

Bei ROS1+ NSCLC sind Hirnmetastasen häufig und entscheidend für die Langzeitkontrolle. Die intrakranielle Ansprechrate unter Taletrectinib von 66.7% deutet auf ZNS-Penetration und ein Profil hin, das auch potenzielle systemische Krankheitskontrolle ermöglicht.

🧯 Sicherheit und Verträglichkeit

  • Das Gesamtprofil ist günstig und beherrschbar.
  • Arzneimittelbedingte Nebenwirkungen waren meist vorübergehend und durch Dosisanpassung/Unterbrechung beherrschbar.
  • Die Verträglichkeit scheint erhalten auch nach vorheriger TKI-Therapie.

🚀 Stellenwert und Patientenauswahl

  • Bei TKI-naiven ROS1+-Patienten in der Erstlinie spricht die hohe cORR für eine gute Eignung.
  • Bei TKI-vorbehandelten Patienten macht relevante Aktivität die Behandlung zu einer sinnvollen Option nach Resistenzentwicklung.
  • Bei ZNS-Risiko/-Befallist die intrakranielle Wirksamkeit klinisch interessant.
  • Direkte Vergleiche und Sequenzstrategien gegenüber anderen ROS1-TKI sind erforderlich.

🚧 Grenzen und offene Fragen

  • Einarmiges Phase-2- Design → begrenzte Aussagen zur vergleichenden Wirksamkeit.
  • Nachbeobachtung noch nicht ausgereift; medianes PFS/DOR nicht erreicht.
  • Weitere molekulare Untersuchungen zum Resistenzspektrum und zur Sequenzierung nach der Behandlung sind nötig.

Redaktioneller Hinweis: Klinische Entscheidungen sollten Zugang/Erstattung, Patientenpräferenzen, Zentrumserfahrung und die multidisziplinäre Tumorboarddiskussion berücksichtigen.


Studie 5 — Zidesamtinib (NVL-520): ARROS-1

Warum das wichtig ist: Bei ROS1-positivem NSCLCbehindern TKI-Resistenzen (besonders G2032R) und ZNS-Ausbreitung die dauerhafte Krankheitskontrolle. Zidesamtinib ist ein TKI der nächsten Generation, der ROS1-selektiv, TRK-schonendund ZNS-gängigist. Daten der Phase 1/2 ARROS-1 zeigen dauerhaftes Ansprechen und gute Verträglichkeit trotz mehrerer vorheriger ROS1-TKI.

📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)

  • ORR (nach 1–4 ROS1-TKI): 44%
  • ORR (nach nur 1 vorherigem ROS1-TKI; n=55): 51%
  • Rate anhaltender DOR (Monate 6/12/18): bis zu 93%
  • Medianes PFS: Ungefähr ~24 Monate (≈ 2 Jahre)
  • G2032R Resistenzmutation: anhaltende Aktivität
  • ZNS-Wirksamkeit: Intrakranielle Remissionen bei Patienten mit Hirnmetastasen beobachtet
  • Sicherheit: Insgesamt gut verträglich mit geringen Dosisreduktions- und Abbruch- raten

Hinweis: Zwischendaten aus Dosiseskalations-/Expansionskohorten; direkte studienübergreifende Vergleiche sind hypothesengenerierend und erlauben keine endgültigen Schlüsse.

🧱 Studiendesign und Population

  • Design: Phase 1/2 (ARROS-1); Dosiseskalation + Expansionskohorten
  • Population: Fortgeschrittenes/metastasiertes ROS1-positives NSCLC, auch nach mehreren vorherigen ROS1-TKI- Linien
  • Endpunkte: ORR (primär), DOR, PFS, OS, Sicherheit; G2032R und ZNS- Subgruppenanalysen

📈 ARROS-1 auf einen Blick

Untergruppe ORR PFS (Median) DOR Einordnung
1–4 vorherige ROS1-TKI 44% ≈ ~24 Monate — Relevante Aktivität nach mehreren Vorbehandlungen
Nur 1 vorheriger ROS1-TKI (n=55) 51% — Anhaltende DOR (6/12/18 Monate) 93% Frühes Signal für Dauerhaftigkeit
G2032R-Untergruppe Anhaltende Aktivität — — Klinischer Nutzen bei Solvent-Front-Resistenz

🧠 ZNS-Aktivität: Klinische Bedeutung

Die intrakraniellen Remissionen unter Zidesamtinib deuten auf eine mögliche Rolle als Überbrückung oder Alternative in der sequenziellen Behandlung von ROS1+ NSCLC mit Hirnmetastasenhin. Wirksame ZNS-Kontrolle kann PFS/OS stark beeinflussen.

🧯 Sicherheit und Management

  • Gesamtprofil: Gut verträglich mit geringen Dosisreduktions-/Abbruch- raten
  • TRK-Schonung: Könnte möglicherweise neurologische Off-Target-Nebenwirkungen vermindern
  • Engmaschige Überwachung: Kopfschmerzen, Schwindel, Magen-Darm-Symptome und Leberwerte (nach Einrichtungsprotokoll)

🚀 Stellenwert und Strategie

  • Gute Option nach Progression unter 1 vorherigem TKI; sinnvolle Wahl bei G2032Rpositiven Fällen.
  • Interessant bei ZNS-Risiko/-Befall wegen intrakranieller Aktivität.
  • Sequenzierung: Vor oder nach Repotrectinib/Taletrectinib; direkt vergleichende Daten stehen aus.

Redaktioneller Hinweis: Aussagen zur numerischen Überlegenheit müssen wegen studienübergreifender Unterschiedevorsichtig interpretiert werden; direkte Vergleiche und Versorgungsdaten werden weiterhelfen.

🚧 Grenzen und offene Fragen

  • Frühe Phase / einarmig: Begrenzte Aussagen zur vergleichenden Wirksamkeit
  • Nachbeobachtung: Manche Endpunkte noch nicht ausgereift (z. B. mediane DOR)
  • Resistenzbiologie: Mutationsmuster nach Zidesamtinib und optimale Sequenzierungs- strategie

Studie 6 — NADIM ADJUVANT: Nivolumab + Chemotherapie (adjuvant)

Warum das wichtig ist: Nach vollständiger (R0-)Resektion bleibt ein Rückfall eine zentrale Herausforderung bei NSCLC. Die Strategie aus adjuvantem Nivolumab + platinbasierter Chemotherapie soll über einen „pathologisch unauffälligen“ Status hinaus das biologische Rückfallrisiko senken. NADIM ADJUVANT liefert starke Signale für ein besseres krankheitsfreies Überleben (DFS).

📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)

  • DFS nach 24 Monaten: 77.7% (Nivo+Chemotherapie) gegenüber 67.9% (Chemotherapie)
  • DFS nach 36 Monaten: 73.3% (Nivo+Chemotherapie) gegenüber 59.9% (Chemotherapie)
  • Krebsspezifisches DFS (Sensitivität): Statistisch signifikant
  • Sicherheit: Beherrschbar; entsprechend früheren Erfahrungen mit IO/Chemotherapie

Hinweis: Population: vollständig reseziertes NSCLC im Stadium IB–IIIA .

🧱 Studiendesign und Behandlung

  • Phase: Phase 3 (NCT04564157)
  • Population: Vollständig resezierte Erkrankung im Stadium IB–IIIA (NSCLC)
  • Arme:
    • Experimentell: Adjuvant Nivolumab + platinbasierte Chemotherapie
    • Kontrolle: Adjuvante Chemotherapie allein
  • Endpunkte: DFS (primär), krebsspezifisches DFS, OS, Sicherheit

📈 NADIM ADJUVANT auf einen Blick

Kennzahl Nivolumab + Chemotherapie Chemotherapie Einordnung
DFS (24 Monate) 77.7% 67.9% Klinisch relevante Verringerung des Rückfallrisikos
DFS (36 Monate) 73.3% 59.9% Unterschied über die Zeit erhalten
Krebsspezifisches DFS Signifikant besser — Durch Sensitivitätsanalyse bestätigt
Sicherheit Beherrschbar — Profil entspricht früheren IO-/Chemotherapiesituationen

🧭 Was bedeuten diese Ergebnisse?

Bei vollständig reseziertem NSCLC im Stadium IB–IIIA zeigt adjuvantes Nivolumab + Chemotherapie das Potenzial, Rückfälle deutlich zu vermindern in den ersten 2–3 Jahren. Die anhaltende Trennung der DFS-Kurven könnte ein früher Hinweis auf einen späteren OS-Vorteil sein (endgültige OS-Reife noch ausstehend).

🧯 Sicherheit: Praktische Hinweise

  • Immunvermittelte Nebenwirkungen: Auf Schilddrüsenstörungen, Hepatitis und Pneumonitis prüfen; bei Symptomen früh eingreifen
  • Chemotherapietoxizität: Neutropenie, Anämie, Übelkeit — supportive Versorgung und Dosisverschiebungs- algorithmen
  • Nachsorge: Bildgebung alle 3–6 Monate; ctDNA (falls verfügbar) für MRD zur frühen Rückfallerkennung

🚀 Stellenwert und Patientenauswahl

  • Sinnvolle Option für Patienten mit R0-Resektion, ECOG 0–1und ohne Kontraindikationen gegen IO.
  • Besonders wertvoll bei höherem Risiko (Stadium II–IIIA, Lymphknotenbefall, größere Tumoren).
  • Multidisziplinäre Planung: Thoraxchirurgie, Onkologie und Radiologie für abgestimmte Nachsorge.

🚧 Grenzen und offene Fragen

  • OS-Reife: Längere Nachbeobachtung nötig, um den vollständigen Übergang des DFS-Vorteils in ein besseres Gesamtüberleben zu bestätigen.
  • Biomarker: Mehr Daten zu PD-L1-Spiegeln, ctDNAbasierter MRD und Subgruppennutzen erforderlich.
  • Umsetzbarkeit im Alltag: Verträglichkeit und Abschlussraten können bei älteren/vorerkrankten Menschen variieren.

Studie 7 — HARMONi: Ivonescimab (bispezifisch PD-1/VEGF) + Carboplatin/Pemetrexed

Warum das wichtig ist: Progression nach EGFR-TKI der dritten Generation (z. B. Osimertinib) ist eine wesentliche Versorgungslücke bei EGFR-mutiertem NSCLC. Ivonescimab ist ein bispezifischer Antikörper, der die PD-1 Blockade und Anti-VEGF- Aktivität in einem Molekül vereint. Phase 3 HARMONi Daten zeigen, dass zusätzliches Ivonescimab zur Chemotherapie relevante Vorteile besonders bei PFS und intrakranieller Kontrolle bietet.

📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)

  • PFS (Median): 6.8 Monate (Ivonescimab+Chemotherapie) gegenüber 4.4 Monaten (Placebo+Chemotherapie); HR 0.52, p<0.0001
  • OS (Median): 16.8 Monate gegenüber 14.0 Monaten; HR 0.79 — positiver Trend (nominal signifikant bei westlichen Patienten)
  • Intrakranielles PFS: HR 0.34 (Hirnmetastasen-Untergruppe)
  • ORR: 45% gegenüber 34%
  • Sicherheit: Beherrschbar; TRAE aller Grade: 95.0% gegenüber 93.1%

Hinweis: Alle Patienten hatten eine Progression nach einem TKI der 3. Generation; verglichen wurden Platin-/Pemetrexed-Grundschemata.

🧱 Studiendesign und Population

  • Phase: Phase 3 (NCT06396065)
  • Population: Nach EGFR-TKI der dritten Generation fortgeschrittenes/metastasiertes EGFRm-NSCLC mit Progression
  • Arme:
    • Experimentell: Ivonescimab + Carboplatin/Pemetrexed (Induktion → Pemetrexed ± Ivonescimab als Erhaltung)
    • Kontrolle: Placebo + Carboplatin/Pemetrexed (Induktion → Pemetrexed + Placebo als Erhaltung)
  • Endpunkte: PFS (primär), OS, ORR, intrakranielles PFS, Sicherheit

📈 HARMONi auf einen Blick

Kennzahl Ivonescimab + Chemotherapie Placebo + Chemotherapie Unterschied / Einordnung
Medianes PFS 6.8 Monate 4.4 Monate HR 0.52, p<0.0001
Medianes OS 16.8 Monate 14.0 Monate HR 0.79 — positiver Trend
ORR 45% 34% Höhere Ansprechrate
Intrakranielles PFS HR 0.34 Referenz Deutlicher Vorteil in der Hirnmetastasen-Untergruppe
Sicherheit (TRAE aller Grade) 95.0% 93.1% Insgesamt beherrschbares Profil

🧭 Was bedeuten diese Ergebnisse?

Nach TKI- Progression bietet die zusätzliche kombinierte Anti-PD-1- und Anti-VEGF- Wirkung zur Chemotherapie Vorteile bei früher Krankheitskontrolle (PFS) und ZNS-Behandlung. Der positive OS-Trendeinschließlich nominaler Signifikanz in westlichen Untergruppen stützt das Signal; die abschließende Einordnung erfordert ausgereifte OS-Daten.

👥 Patientenauswahl — Wann Ivonescimab + Chemotherapie?

  • Nach TKI der 3. Generation Progression (besonders frühe Progression als Risikoprofil)
  • Hirnmetastasen vorhanden oder hohes Risiko (intrakranieller Nutzen)
  • ECOG 0–1, ausreichende hämatologische Reserven, chemotherapiefähig
  • Keine Kontraindikation gegen Anti-VEGF (Blutungsrisiko, unkontrollierter Bluthochdruck usw.)

🧯 Sicherheit: Praktisches Management

  • Immunvermittelte Nebenwirkungen: Dermatitis, Thyreoiditis, Hepatitis, Pneumonitis — früh erkennen und nach Algorithmen behandeln
  • Anti-VEGF-bedingt: Bluthochdruck, Proteinurie, Blutungsrisiko — Blutdruck/Urinprotein engmaschig kontrollieren
  • Chemotherapietoxizität: Neutropenie, Anämie, Müdigkeit — G-CSF, Dosisverschiebungen, supportive Versorgung

🚧 Grenzen und offene Fragen

  • OS-Reife: Längere Nachbeobachtung erforderlich; Unterschiede zwischen Untergruppen müssen geklärt werden.
  • Biomarker: Zusammenhänge mit PD-L1-Spiegeln, angiogenen Signaturen und Resistenzbiologie müssen untersucht werden.
  • Sequenzierung: Keine direkten Vergleiche mit anderen IO-/Anti-VEGF-Kombinationen nach TKI.

Redaktioneller Hinweis: Ergebnisse zusammen mit Patientenpräferenzen, Begleiterkrankungen und Erstattungssituation anwenden.


Studie 8 — ACROSS 2: Aumolertinib + Carboplatin/Pemetrexed (1. Linie)

Warum das wichtig ist: Bei EGFR-mutiertem NSCLC können Komutationen in Tumorsuppressorgenen (TSG) (besonders TP53) unter TKI-Monotherapie mit früherer Resistenz und kürzerem PFS verbunden sein. ACROSS 2 prüft, ob zusätzliches Platin/Pemetrexed zu Aumolertinib die Ergebnisse bei dieser Hochrisikobiologie verbessert.

📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)

  • Medianes PFS: 19.8 Monate (Aumolertinib + Chemotherapie) gegenüber 16.5 Monaten (Aumolertinib)
  • ORR: 70.4% (Kombination) gegenüber 67.2% (Monotherapie)
  • Untergruppen: Deutlicher PFS-Vorteil bei TP53-Komutation und EGFR-Exon-19-Deletion
  • Sicherheit: TEAE häufiger unter Kombination, insgesamt jedoch beherrschbar

Hinweis: 1. Linie bei fortgeschrittenem/metastasiertem EGFRm-NSCLC; Populationen mit TSG-Komutationen gelten als Hochrisikogruppen.

🧱 Studiendesign und Behandlung

  • Phase: Phase 3 (NCT04500717)
  • Population: Fortgeschrittenes/metastasiertes EGFRm-NSCLC (einschließlich definierter TSG-Komutations-Untergruppen)
  • Arme:
    • Kombination: Aumolertinib + Carboplatin/Pemetrexed (Induktion → Aumolertinib ± Pemetrexed als Erhaltung)
    • Kontrolle: Aumolertinib-Monotherapie
  • Endpunkte: PFS (primär), ORR, DOR, OS, Sicherheit; TSG-Komutations- Subgruppenanalysen

📈 ACROSS 2 auf einen Blick

Kennzahl Aumolertinib + Chemotherapie Aumolertinib Unterschied / Einordnung
Medianes PFS 19.8 Monate 16.5 Monate Klinisch relevante Verlängerung
ORR 70.4% 67.2% Ähnliche ORR; Unterschied bei der Dauerhaftigkeit (PFS/DOR) zu erwarten
Untergruppen Deutlicher PFS-Vorteil bei TP53-Komutation & Exon-19-Deletion — Begründung für initiale Kombination bei Hochrisikobiologie

🧭 Was bedeuten diese Ergebnisse?

Bei TSG-komutierten EGFRm-Fällen versagt eine TKI-Monotherapie tendenziell früher. Die Wahl von TKI + Chemotherapie von Beginn an ist sinnvoll, um die Tumorbiologie zu verlangsamen und längeres PFS zu erreichen. Gleichzeitige Chemotherapie könnte mikroskopische resistente Klone unterdrücken und frühes Entkommen vermindern.

🧯 Sicherheit: Praktische Hinweise

  • Hämatologische Nebenwirkungen: Neutropenie/Anämie; Dosisverschiebungen, G-CSF, supportive Versorgung
  • Voraussetzungen für Pemetrexed: Folat/B12 und Nierenfunktion kontrollieren
  • Aumolertinib-Klasseneffekte: Ausschlag, Durchfall; früh symptomorientiert eingreifen

👥 Patientenauswahl — Wann kombinieren?

  • TP53-Komutation oder andere TSG- Veränderungen (STK11/KEAP1, nach Einrichtungspraxis)
  • Hohe Tumorlast oder erwartetes frühes Progressionsrisiko
  • ECOG 0–1 mit ausreichenden hämatologischen Reserven

Alternative: Bei Begleiterkrankungen/Gebrechlichkeit kann Monotherapie mit engmaschiger PFS-Überwachung gewählt werden.

🚧 Grenzen und offene Fragen

  • Nebenwirkungsbelastung: Kombinationstoxizität kann im Alltag die Abschlussraten beeinflussen.
  • Sequenzierung: Die optimale Reihenfolge von 2L-Optionen nach Progression (z. B. andere TKI, IO + Chemotherapie) bleibt unklar.
  • Biomarker: Die Nutzenhöhe sollte nach TSG-Untertyp analysiert werden (z. B. TP53-Variantenklasse).

Studie 9 — IDeate-Lung01: Ifinatamab-Deruxtecan (I-DXd)

Warum das wichtig ist: Bei rezidiviertem kleinzelligem Lungenkrebs im ausgedehnten Stadium (SCLC)sind wirksame Zweitlinienoptionen begrenzt. I-DXd ist ein gegen B7-H3 gerichtetes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC) , das durch potenziell rasches Ansprechen und eine hohe Krankheitskontrollrate auffällt.

📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)

  • ORR (bestätigt): 48.2% (n = 137; 12 mg/kg)
  • DCR: 87.6%
  • TTR (Median): 1.4 Monate — rasches Ansprechen
  • DOR (Median): 5.3 Monate
  • PFS (Median): 4.9 Monate
  • OS (Median): 10.3 Monate

Hinweis: Klinischer Nutzen wurde unabhängig von Platinempfindlichkeit und Therapieliniebeobachtet; intrakranielle Aktivität wurde als Signal berichtet.

🧱 Studiendesign und Population

  • Phase: Phase 2, einarmig (NCT05280470)
  • Population: Vorbehandeltes SCLC im ausgedehnten Stadium
  • Behandlung: I-DXd 12 mg/kg (alle 3 Wochen)
  • Endpunkte: ORR (primär), DOR, PFS, OS, Sicherheit; intrakranielle Subgruppenanalysen

📈 I-DXd in Zahlen

Kennzahl Ergebnis Einordnung
ORR 48.2% Bestätigt; entsprechend rascher TTR
DCR 87.6% Ansprechen + stabile Erkrankung
DOR (Median) 5.3 Monate Dauer des Ansprechens
PFS (Median) 4.9 Monate Dauer des klinischen Nutzens
OS (Median) 10.3 Monate Nutzensignal unabhängig von der Therapielinie

🧭 Was bedeuten diese Ergebnisse?

48% ORR mit einer Zeit bis zum Ansprechen von 1.4 Monaten kann frühe Symptomlinderung bei hoher Tumorlast ermöglichen. PFS 4.9 Monate und OS 10.3 Monate ergeben ein konkurrenzfähiges Profil gegenüber aktuellen 2L-Optionen, besonders weil Nutzen unabhängig von Platinempfindlichkeit beobachtet wurde.

🧯 Sicherheit und Management

  • TRAE (alle Grade): 89.8%; Grad ≥3: 36.5% — beherrschbar
  • Warnhinweise für die ADC-Klasse: Früh aufklären und niedrigschwellig auf interstitielle Lungenerkrankung/Pneumonitis untersuchen
  • Supportive Versorgung: Dosisverschiebungen/-reduktionen bei hämatologischer Toxizität, G-CSF; antiemetische Prophylaxe

🚀 Stellenwert und Patientenauswahl

  • Bei 2L+ SCLC im ausgedehnten Stadium mit Bedarf an rascher Symptomkontrolleeine gute Option
  • Bei Patienten mit ZNS- Befall wegen des berichteten Signals intrakranieller Aktivität erwägen
  • Engmaschige Überwachung und Aufklärung über Hochrisiko-Nebenwirkungen (besonders Pneumonitis) sind unerlässlich

🚧 Grenzen und offene Fragen

  • Einarmig/frühe Phase: Randomisierte Daten für vergleichende Überlegenheit nötig
  • OS-Reife: Detailliertere Subgruppenanalysen (platinsensitiv/-resistent, ZNS-Befall) erforderlich
  • Sequenzierung: Optimale Strategien nach ADC (Topo1-ADC → Chemotherapie-/IO-Kombinationen usw.) müssen geklärt werden

Studie 10 — ALCHEMIST: Adjuvantes Crizotinib (ALK+; reseziertes NSCLC)

Warum das wichtig ist: Ob adjuvante zielgerichtete Therapie bei frühem, vollständig reseziertem ALK-positivem NSCLC Rückfälle senken kann, war lange offen. Die Phase 3 ALCHEMIST Studie zeigte, dass Crizotinib gegenüber Beobachtung keine Verbesserung von DFS oder OS brachte. Dies liefert wichtige negative Evidenz gegen diese adjuvante Strategie.

📊 Kurzüberblick (wichtige Zahlen)

  • Nachbeobachtung (Median): 58.3 Monate
  • DFS: kein Nutzen — HR 1.06, P=0.86
  • OS: nicht statistisch signifikant — HR 0.49, P=0.26
  • Untergruppen: Kein signifikanter Nutzen nach Geschlecht, Stadium oder postoperativer RT
  • Toxizität: Ähnlich dem Profil bei fortgeschrittener Erkrankung; >25% mussten die Behandlung abbrechen

🧱 Studiendesign und Population

  • Phase: Phase 3 (NCT02194738)
  • Population: Reseziertes ALK-positives NSCLC (frühes/intermediäres Stadium; adjuvantes Setting)
  • Arme: Adjuvantes Crizotinib gegenüber Beobachtung
  • Endpunkte: Krankheitsfreies Überleben (DFS), OSund Sicherheit

📈 ALCHEMIST in Zahlen

Kennzahl Crizotinib Beobachtung Einordnung
DFS (HR) 1.06 Referenz P=0.86 — kein Unterschied
OS (HR) 0.49 Referenz P=0.26 — nicht signifikant
Therapieabbruch >25% — Begrenzte Verträglichkeit; ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis im adjuvanten Setting

🧭 Was bedeuten diese Ergebnisse?

Bei frühem ALK+ NSCLC vermindert adjuvantes Crizotinib Rückfälle nicht und verlängert nicht das Überleben. Die hohe Abbruchrate stellt die adjuvante Verträglichkeit zusätzlich infrage. Daher ist Crizotinib kein Standard der adjuvanten Behandlung. Bei zielgerichteten adjuvanten Strategien sollten randomisierte Daten mit anderen Wirkstoffen und Langzeitergebnisse aufmerksam verfolgt werden.

🧯 Sicherheit: Praktische Hinweise

  • Klasseneffekte: Magen-Darm-Symptome, erhöhte Leberenzyme, Sehstörungen, QT-Verlängerung — im adjuvanten Setting werden Beschwerden weniger toleriert.
  • Überwachung: Leberwerte, EKG (QTc), engmaschige symptomorientierte Kontrollen; frühe Dosisanpassungen

🚧 Grenzen und offene Fragen

  • Wirkstoffspezifisches Ergebnis: Der negative Befund lässt sich möglicherweise nicht auf die gesamte ALK-TKI-Klasse übertragen; die Wirkstoffe unterscheiden sich pharmakologisch.
  • Subgruppenunterschiede: Detaillierte Analysen nach Stadium, Lymphknotenstatus und Wechselwirkungen mit adjuvanter Chemotherapie/RT sind relevant.
  • Zukünftige Richtung: Randomisierte Daten zu wirksameren/modernen ALK-TKI und MRD-/ctDNA-gesteuerten adjuvanten Ansätzen abwarten.

Auswirkungen auf die Praxis — Kurze Entscheidungshilfe

Fortgeschrittenes EGFRm

  • 1. Linie: Bei geeigneten Patienten Osimertinib + Chemotherapie (OS-Vorteil; FLAURA2).
  • Hochrisikobiologie (TSG-Komutation): Trend zu TKI + Chemotherapie (ACROSS 2).
  • Zukunft: TKI-ADC- Kombinationen anhand von Phase-3-Ergebnissen beurteilen.

EGFRm nach TKI der 3. Generation

  • Ivonescimab + Chemotherapie erzielt PFS-Gewinne; ausgeprägt in der ZNS-Untergruppe (HARMONi).
  • Patientenauswahl: ECOG 0–1, gute hämatologische Reserven, keine Anti-VEGF-Kontraindikation.

ROS1-positives NSCLC

  • Taletrectinib (naiv: cORR ~85%; ZNS-Ansprechen) ist ein aussichtsreicher 1L-Kandidat.
  • Zidesamtinib ist eine Option nach mehreren TKI und bei G2032R; ZNS-Aktivität bietet zusätzlichen Nutzen.
  • Direktvergleichende Studien und Versorgungsdaten abwarten, um die Sequenzierung zu steuern.

Frühstadium (resektabel)

  • Perioperative IO (neoadjuvante IO+Chemotherapie → Operation → adjuvante IO) bietet einen EFS-/pCR- Vorteil bei HRQOL- Erhalt (CheckMate 77T).
  • Adjuvante IO + Chemotherapie verbessert DFS bei R0 IB–IIIA (NADIM ADJUVANT).
  • Adjuvantes Crizotinib: nicht empfohlen (ALCHEMIST negativ).

SCLC im ausgedehnten Stadium (2L+)

  • I-DXd: Bei Bedarf an raschem Ansprechen erwägen (ORR ~48%; TTR ~1.4 Monate).
  • ADC-Klassennebenwirkungen: Über Pneumonitis aufklären und früh eingreifen; hämatologische Unterstützung.

🔬 Zukunftsgerichtete Hinweise für die Praxis

  • MRD-/ctDNA-basierte Risikoeinteilung wird adjuvante und perioperative Entscheidungen personalisieren.
  • ZNS-orientierte Sequenzierung: TKI nach intrakranieller Wirksamkeit und Resistenzmutationen wählen.
  • Wirtschaftlichkeit von Kombinationen: OS-/PFS-Gewinne gegen Toxizität, Kosten und Zugang abwägen.
  • Umfang der Biomarkeranalyse: TSG-Komutationen, PD-L1 und transkriptomische Signaturen könnten die Therapieintensität steuern.

Die Lungenkrebsbehandlung 2025 wird geprägt durch Kombinationen, ZNS-Kontrolleund dynamische Biomarker. Werden diese Erkenntnisse mit Zentrumserfahrung, Patientenpräferenz und Erstattungssituation verbunden, lässt sich die Versorgung an aktuellen Standards ausrichten und der Patientennutzen maximieren.


📚 Literatur

  1. Iza-Bren + Osimertinib (Phase 2)
    Zhou F, Wang Q, Wang H, et al. Phase II study... IASLC WCLC 2025; Abstract 2114.
  2. Osimertinib + Chemotherapie (FLAURA2)
    Planchard D, Jänne PA, Kobayashi K, et al. Final OS... IASLC WCLC 2025; Abstract 1956.
    N Engl J Med. 2023;389(21):1935-1948. doi:10.1056/NEJMoa2306434.
    FDA-Zulassung
  3. Perioperatives Nivolumab (CheckMate 77T)
    Spicer JD, Pulla MP, Cascone T, et al. PROs with perioperative nivolumab... IASLC WCLC 2025; Abstract 3005.
    Cascone T, Awad MM, Spicer JD, et al. N Engl J Med. 2024;390(19):1756-1769. doi:10.1056/NEJM0a2311926.
    FDA-Zulassung
  4. Taletrectinib (TRUST-I/II)
    NCT04919811, NCT04395677.
  5. Zidesamtinib (ARROS-1)
    Drilon AE, Cho BC, Lin JJ, et al. ARROS-1 pivotal data... IASLC WCLC 2025; Abstract 4540.
    NCT05118789
  6. Adjuvantes Nivolumab + Chemotherapie (NADIM ADJUVANT)
    Provencio M, Bernabé R, Nadal E, et al. Phase III... IASLC WCLC 2025; Abstract PL03.07.
  7. Ivonescimab + Chemotherapie (HARMONi)
    Goldman JW, Passaro A, Laskin J, et al. Phase 3 HARMONi... IASLC WCLC 2025; Abstract 4808.
    NCT06396065
  8. Aumolertinib + Chemotherapie (ACROSS 2)
    Wang J. ACROSS 2 phase III... IASLC WCLC 2025; Abstract 2205.
    NCT04500717
  9. Ifinatamab-Deruxtecan (I-DXd; IDeate-Lung01)
    Ahn M-J, Johnson ML, Paz-Ares L, et al. Phase 2 IDeate-Lung01... IASLC WCLC 2025; Abstract OA06.03.
    NCT06203210
  10. Adjuvantes Crizotinib ohne Nutzen bei ALK+ NSCLC
    Gerber DE, Wang Y, Lange CJ, et al. Phase 3 trial of crizotinib vs observation... IASLC WCLC 2025; Abstract 2559.
    NCT02194738
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Drozdogan-Assistent

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