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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Zu viel Bildgebung nach Krebs: Herr Doktor, sollen wir eine PET machen?

Zu viel Bildgebung nach Krebs: Herr Doktor, sollen wir eine PET machen?
In diesem Artikel

In der Onkologie bedeutet Heilung nicht nur, den Tumor aus dem Körper zu entfernen, sondern auch die ungesunde Beziehung der Psyche zur Rückfallangst zu verändern. Heute tauschen viele Patienten die kurze Erleichterung nach jedem unauffälligen Befund gegen die Suche nach dem nächsten Test ein; in der Literatur wird dies als zwanghaftes übermäßiges Rückversicherungsverhalten bezeichnet. Moderne medizinische Daten zeigen jedoch: Jede unkontrolliert durchgeführte zusätzliche Bildgebung erhöht nicht die Chance, einen Rückfall zu entdecken, sondern löst eine Kette unnötiger medizinischer Eingriffe aus, die sogenannte diagnostische Kaskade. Damit gefährdet sie die psychische und körperliche Unversehrtheit des Patienten.

1. Was sagt die Literatur? Daten zur Überversorgung

Routinemäßige Bildgebung außerhalb der Leitlinien bei asymptomatischen Patienten (ohne Beschwerden) verbessert das Überleben nicht und vervielfacht das Komplikationsrisiko.

KOHORTENANALYSE: JAMA ONCOLOGY 2024

Studie: Eine Längsschnittanalyse von mehr als 15000 Menschen nach überstandenem Brust- oder Lungenkrebs.

Ergebnis: CT- und PET-Untersuchungen zur Rückversicherung außerhalb der regulären Nachsorge führten zu keinem signifikanten Unterschied bei der Geschwindigkeit der Rückfallerkennung, lösten jedoch bei 24% der Patienten eine „diagnostische Kaskade“ (Diagnostic Cascade) aus. Diese Kaskade hatte unnötige Biopsien, Krankenhausaufenthalte und bei 12% schwere Komplikationen zur Folge, etwa einen Pneumothorax nach einer Biopsie.

Darüber hinaus stuften die Aktualisierungen der Initiative Choosing Wisely (ASCO) aus dem Jahr 2025 die routinemäßige Bestimmung von Biomarkern (CEA, CA 15-3) und den Einsatz erweiterter Bildgebung bei asymptomatischen Patienten nach frühem Brustkrebs als besonders prominente Beispiele für „Versorgung mit geringem Nutzen“ (Low-Value Care) ein.

2. Die Neurobiologie zwanghafter Rückversicherung

Hier handelt es sich nicht bloß um übermäßige Besorgnis, sondern um eine Störung des Gleichgewichts zwischen präfrontalem Kortex und Amygdala.

Prozess Denkfehler Biologisches Korrelat Angst vor Ungewissheit „In meinem Körper passiert etwas, und ich weiß nichts davon.“ Anhaltende Cortisolausschüttung und Überaktivität der HPA-Achse. Wunsch nach einer Untersuchung „Wenn ich nur eine PET machen lasse, werde ich mich besser fühlen.“ Kurzzeitige dopaminerge Erleichterung (Belohnungsmechanismus). Die Zeit nach dem Test „Der Befund ist unauffällig, aber was, wenn etwas übersehen wurde?“ Eine weitere Abnahme der Ungewissheitstoleranz (uncertainty tolerance).
Wichtige Analyse: das Risiko von Inzidentalomen

Bei einer Ganzkörperuntersuchung werden selbst bei 40-60% gesunder Menschen klinisch unbedeutende Knötchen oder Zysten entdeckt. Bei Menschen mit einer Krebsvorgeschichte werden solche Zufallsbefunde tendenziell als Rückfall interpretiert und setzen einen unnötigen, monatelangen Kreislauf belastender Erfahrungen in Gang.

3. Wissenschaftlich begründete Nachsorge: weniger, aber gezielt

Die moderne onkologische Versorgung zielt nicht auf ständige Alarmbereitschaft, sondern auf strategische Nachsorge.

AUSBLICK 2026: FLÜSSIGBIOPSIE UND KI

In den nächsten 5 Jahren könnte die Lösung für die Abhängigkeit von Untersuchungen wiederum aus der Technologie kommen. Die Überwachung von ctDNA (Tumor-DNA im Blut) könnte strahlenintensive Bildgebung ersetzen und Patienten ein kontinuierliches, passives Sicherheitsnetz bieten. So entstünde ein digitales Modell der Rückversicherung, das die aktive Suche nach Tests verhindert.

Analyse der DrOZDOGAN-Akademie

Die schwierigste Behandlung in der Onkologie ist die Behandlung einer Nebenwirkung, die durch einen unnötigen Test verursacht wurde.

Wir verstehen das menschliche Bedürfnis unserer Patienten nach einem unauffälligen Befund. Wissenschaftliche Ehrlichkeit verlangt jedoch festzuhalten: Jede Untersuchung außerhalb der Leitlinien erhöht nicht die Wahrscheinlichkeit, einen Rückfall zu entdecken, sondern die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen. Wirkliche Heilung bedeutet nicht, von der Bestätigung durch ein externes Gerät (PET/CT) abhängig zu bleiben. Sie bedeutet, die Signale des Körpers (Symptome) richtig deuten zu lernen und sich an ein auf Vertrauen zum Arzt beruhendes Nachsorgeprotokoll zu halten.

Literatur und weiterführende Lektüre

  • Journal of Clinical Oncology (2025): „Economic and psychological impact of non-concordant surveillance imaging.“
  • The Lancet Oncology (2024): „Diagnostic cascades: The unintended consequences of screening survivors.“
  • Health Psychology Review (2026): „Targeting intolerance of uncertainty in cancer survivors to reduce medical overuse.“
  • ASCO / ESMO Guidelines (2025 Update): „Recommendations for survivors of solid tumors.“
DROZDOGAN KI

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DROZDOGAN KI

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