Coronavirus-Krankheit Covid-19 und Telemedizin – nahezu makellos

In diesem Artikel
Wissenschaftler, die erkennen, wie wichtig Patienten eine geeignete und kostenfreie Behandlung ist, haben in der führenden medizinischen Fachzeitschrift NEJM einen Artikel veröffentlicht und die Diskussion darüber eröffnet, ob persönliche Untersuchungen die zweite, dritte oder sogar letzte Möglichkeit zur Erfüllung der Patientenbedürfnisse sein könnten. Bereits zuvor war speziell bei Katastrophen und Notfällen der öffentlichen Gesundheit das Potenzial der Telemedizin (Fernversorgung) erörtert worden. Gesundheitssysteme, die diese Innovation bereits erfolgreich umgesetzt haben, werden zum Zweck der Nutzung der Telemedizintechnologie gegen Covid-19 entsprechend weiterentwickelt.
Telemedizin in der Notfallmedizin und anderen Bereichen
Um die erwartete übermäßige Nachfrage nach Gesundheitsleistungen zu bewältigen, ist Triage, also die Priorisierung von Patienten für geeignete Behandlungen, lebenswichtig. Dienste der Telemedizin / Telehealth können bei der Triage erhebliche Vorteile bieten. Direkt mit Patienten durchgeführte Telehealth-Dienste sind zugleich mit persönlicher Quarantäne vereinbar und können deshalb zur Beurteilung von Patienten mit der neuen Coronavirus-Krankheit Covid-19 und Atemwegssymptomen eingesetzt werden. Der Zugang zu Reise- und elektronischen Gesundheitsakten der Patienten auf Servern sowie regionale Epidemiedaten helfen bei geeigneten Entscheidungen. Programme der gemeindenahen Notfallmedizin oder mobilgestützten Gesundheitsversorgung ermöglichen Patienten zudem eine Behandlung zu Hause mit hochwertiger virtueller medizinischer Unterstützung. Für schwer kranke Patienten zu Hause erleichtern solche Programme die Beurteilung vor der Krankenhausaufnahme und ermöglichen gegebenenfalls unter Umgehung der Notaufnahme die direkte Aufnahme in ein Krankenhausbett und verringern dadurch die Krankheitsexposition von Gesundheitsbeschäftigten und anderen Patienten.
Derzeit ist die Koordination der Tests das größte Hindernis für ein groß angelegtes telemedizinisches Screening auf das neue Coronavirus (SARS-CoV-2), das Covid-19 verursacht. Mit zunehmender Zahl an Testzentren müssen örtliche Systeme entwickelt und in telemedizinische Arbeitsabläufe integriert werden, die geeignete Patienten testen und zugleich die Exposition minimieren.
Patienten, die direkt zur Behandlung kommen und ein positives Ergebnis haben, müssen unverzüglich unter Quarantäne gestellt werden, damit sie keinen Kontakt zu anderen Patienten und Gesundheitsbeschäftigten haben.
Schon vor dem Covid-19-Ausbruch entwickelten viele Notfallabteilungen ein Modell der „Triage durch einen Behandler“, das die Aufnahme durch einen entfernten Leistungserbringer ermöglicht (rasche Erstbeurteilung und Tests). Aurora Health arbeitet beispielsweise mit einem kommerziellen Telemedizinanbieter zusammen, während andere dafür eigene Software entwickelten. Im Notfall kann relativ schnell eine sichere Verbindung oder Webkonferenzsoftware zwischen Triageraum und Ärzten eingesetzt werden. Die Betreuung vieler Standorte durch einen einzigen entfernten Arzt kann zwar Personalprobleme verursachen; eine Warteschlangenfunktion (queuing) in der Software kann diese teilweise überwinden.
Tabletcomputer, die Patienten und Gesundheitsbeschäftigte untereinander verwenden, müssen nach klar definierten Infektionskontrollverfahren gereinigt werden. In Notaufnahmen können Patienten mit positivem Screening ein Tablet erhalten und im Untersuchungsraum isoliert werden. Über eine eigene Verbindung mit kommerziellen Systemen oder mit intelligenten Tablets zur Kommunikation mit Ärzten können ohne Exposition der Gesundheitsbeschäftigten Televisiten durchgeführt werden. Wir hoffen, dass Covid-19-Tests bald noch leichter zugänglich werden. Vorerst schicken wir jedoch Patienten, die gesund genug dafür sind, in häusliche Quarantäne und koordinieren dabei auch Tests zu Hause. Dieses System funktioniert bei Patienten in gutem Zustand, beseitigt aber nicht vollständig die Exposition der Beschäftigten gegenüber Patienten, die Eingriffe benötigen. Ähnliche Televisiten-Systeme werden auch für stationäre Patienten eingesetzt, um das Erkrankungsrisiko für Besucher und Personal zu senken.

Die etwa vom Mercy Virtual Care Center, von Sutter Health und Sentara Healthcare angebotenen, Pflegekräften und Ärzten die Fernüberwachung von 60-100 Patienten auf Intensivstationen mehrerer Krankenhäuser ermöglichenden Überwachungsprogramme für elektronische Intensivstationen (e-ICU) sind ideal für die Überwachung schwer kranker Patienten. Auch wenn technische und personelle Probleme den kurzfristigen Aufbau eines solchen Programms unmöglich machen, kann die rasche Einführung eines Zwei-Tablet-Ansatzes den Kontakt des Personals mit infizierten Patienten auf der Intensivstation verringern.
Klinische Entscheidungsunterstützung
Medizinische Entscheidungen sind eine kognitive Angelegenheit, und Telemedizin ermöglicht schnellen Zugang zu Subspezialisten, die gerade nicht vor Ort sind. Dieser Ansatz wurde am meisten bei Patienten mit Schlaganfall untersucht und wird in vielen Zentren als virtuelle neurologische Notfallversorgung angeboten. Hindernisse bei der Umsetzung solcher Programme sind vor allem Vergütung, Akkreditierung und die Beschäftigung von Fachkräften.
Berichte, wonach bis zu 100 Gesundheitsbeschäftigte einer einzigen Einrichtung wegen einer Exposition gegenüber Covid-19 zu Hause unter Quarantäne gestellt wurden, haben Sorgen um die Personalkapazität ausgelöst. Praxisbasierte Verfahren können es auch Ärzten in Quarantäne ermöglichen, Patienten aus der Ferne zu versorgen. Andere Gesundheitsbeschäftigte (Pflegekräfte, medizinische Assistenten, Assistenzärzte) tragen jedoch ebenfalls unmittelbar zur Behandlung bei, und Telemedizin kann nicht alle ersetzen.
Zur Vorbereitung auf Szenarien wie einen örtlichen Ausbruch, der Beschäftigte in Quarantäne, Erkrankung oder Abwesenheit zwingt, führt Jefferson Health ein Telemedizinsystem ein. So können Ärzte geplante Besuche in Televisiten umwandeln und nicht exponierte Patienten weiter versorgen. Diese Besuche sind möglich, während sowohl Patient als auch Arzt zu Hause sind. Reisen und Krankheitsexposition werden erheblich begrenzt und die Behandlung nicht exponierter Patienten kann ohne Unterbrechung weitergehen. Für Ärzte und Patienten, die beim ersten Kontakt Schulung oder Unterstützung benötigen, stehen Onlineschulungsmodule und Fernschulungen zur Verfügung.
Welche Hindernisse gibt es für die Telemedizin?
Wesentliche Hindernisse für die reguläre Behandlung per Telemedizin sind die Festlegung von Vergütungssystemen und die Vorbereitung notwendiger rechtlicher Änderungen bei Krankenversicherungen und Vorschriften.
Katastrophen und Epidemien verursachen einzigartige Schwierigkeiten in der Gesundheitsversorgung. Telehealth löst selbstverständlich nicht alle, eignet sich aber besonders für Situationen, in denen die Infrastruktur intakt ist und Ärzte ihre Patienten sehen können. Vergütungs- und Regulierungsstrukturen, Zulassung, Akkreditierung zwischen Krankenhäusern und die Programmumsetzung benötigen jeweils Zeit. Gesundheitssysteme, die bereits in Telemedizin investiert haben, werden jedoch sicherstellen, dass Patienten mit Covid-19 die erforderliche Behandlung erhalten. In diesem Beispiel kann Telemedizin eine virtuell makellose Lösung sein.
Quellen
Virtually Perfect? Telemedicine for Covid-19
NEJM, 11. März 2020.
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