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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Ein neues Programm gegen Schlaflosigkeit als verborgene Nebenwirkung von Brustkrebs

Ein neues Programm gegen Schlaflosigkeit als verborgene Nebenwirkung von Brustkrebs
In diesem Artikel

Schlaflosigkeit: eine verborgene Nebenwirkung der Brustkrebsbehandlung

  • Dank moderner Brustkrebsbehandlungen überleben heute mehr als 90% der Patientinnen die Krebserkrankung. Dieser Prozess bringt jedoch auch die Auseinandersetzung mit langfristigen körperlichen und psychischen Nebenwirkungen mit sich. Eine der häufigsten ist die nach einer Brustkrebsbehandlung oft auftretende chronische Schlaflosigkeit (Insomnie).
  • Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass etwa 30% bis 50% der Frauen, die Brustkrebs überstanden haben, nach der Behandlung erhebliche Schwierigkeiten beim Einschlafen und Durchschlafen sowie mit der allgemeinen Schlafqualität haben.
  • Schlaflosigkeit beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität im Alltag, sondern kann auch zu kardiometabolischen Gesundheitsproblemen, einer Schwächung des Immunsystems, Depressionen und einer verkürzten Lebensdauer führen.
  • Deshalb ist es sehr wichtig, wirksame Lösungen zur Behandlung von Schlaflosigkeit bei Frauen zu entwickeln, die Brustkrebs überstanden haben.

In diesem Beitrag betrachten wir eingehend die Ergebnisse einer in JAMA Network Open am 24. September 2024 veröffentlichten Studie. Sie zeigt, wie ein zu Hause anwendbares, sprachgesteuertes Programm zur kognitiven Verhaltenstherapie bei Insomnie (KVT-I) die Symptome der Schlaflosigkeit bei Frauen verbessert, die Brustkrebs überstanden haben. Insbesondere wird untersucht, ob dieser leicht zugängliche und einfach zu bedienende technologiegestützte Ansatz einen bahnbrechenden Schritt in der Behandlung von Schlaflosigkeit darstellen könnte.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

In dieser randomisierten klinischen Studie wurden 70 Frauen, die Brustkrebs überstanden hatten und unter Schlaflosigkeit litten, in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe erhielt 6 Wochen lang ein sprachgesteuertes KVT-I-Programm, während die Kontrollgruppe Informationsmaterial erhielt. Zu Beginn und am Ende der Untersuchung wurden Schlafqualität und Symptome der Schlaflosigkeit anhand verschiedener Kriterien beurteilt. Die wichtigsten Ergebnisse waren:

  • Werte im Insomnia Severity Index (ISI): In der Interventionsgruppe wurde eine durchschnittliche Abnahme des ISI-Werts um -8,4 Punkte festgestellt, gegenüber -2,6 Punkten in der Kontrollgruppe. Dieser Unterschied war statistisch signifikant (P < 0,001). Die Verbesserung in der Interventionsgruppe war auch klinisch bedeutsam (Cohen d, 1,41; 95% CI, 0,87-1,94).

  • Schlafqualität: Die Teilnehmerinnen der Interventionsgruppe berichteten in ihren täglichen Schlaftagebüchern über eine deutliche Verbesserung der Schlafqualität (mittlerer Unterschied zwischen den Gruppen 0,56; 95% CI, 0,39-0,74).

  • Durchschlafdauer und Schlafeffizienz: Die Zeit bis zum erneuten Einschlafen nach dem Aufwachen verkürzte sich um 9,54 Minuten (95% CI, 1,93-17,10), die Einschlafzeit um 8,32 Minuten (95% CI, 1,91-14,70), und auch die Schlafeffizienz nahm deutlich zu (95% CI, -0,07% bis -0,01%).

Diese Ergebnisse zeigen, dass ein zu Hause anwendbares KVT-I-Programm die Schlafqualität und die allgemeine Lebensqualität von Frauen verbessern kann, die Brustkrebs überstanden haben und unter Schlaflosigkeit leiden. Insbesondere ein sprachgesteuertes Programm könnte dazu beitragen, Schwierigkeiten beim Zugang zu herkömmlichen persönlichen Therapien zu überwinden.

Warum kognitive Verhaltenstherapie (KVT)?

Die kognitive Verhaltenstherapie gilt bei der Behandlung von Schlaflosigkeit als Goldstandard. Diese Therapie ist ein strukturierter Ansatz zur Veränderung von Schlafgewohnheiten und verbessert sowohl die Schlafdauer als auch die Schlafqualität. Die geringe Zahl spezialisierter Therapeutinnen und Therapeuten sowie die meist 4 bis 8 Wochen dauernde Behandlung erschweren jedoch den Zugang. Über das Internet angebotene digitale KVT-I-Interventionen helfen, diese Hürden zu überwinden; sprachgesteuerte Programme können als weiterer Schritt betrachtet werden. Diese Therapien lassen sich täglich zu Hause durchführen und ermöglichen durch individuelle Rückmeldungen zum Schlafrhythmus und zur Schlafhygiene wirksamere Ergebnisse.

Wirkmechanismus der KVT-I

  1. Kognitive Umstrukturierung: Der erste Schritt der KVT-I besteht darin, negative Denkmuster in Bezug auf den Schlaf zu verändern. Menschen mit Schlaflosigkeit entwickeln häufig übermäßige Sorgen und negative Überzeugungen über ihren Schlaf. Gedanken wie „Ich werde nie gut schlafen können“ oder „Wenn ich heute Nacht nicht schlafe, kann ich morgen meine Arbeit nicht erledigen“ erschweren das Einschlafen zusätzlich. Solche negativen Überzeugungen werden im Rahmen der KVT-I untersucht und durch realistischere, positive Gedanken ersetzt.

  2. Stimuluskontrolle: Schlafprobleme entstehen häufig dadurch, dass Bett und Schlafzimmer mit Wachsein verknüpft werden. Die KVT-I ermutigt dazu, das Bett ausschließlich zum Schlafen zu nutzen. Ziel dieses Schritts ist, die im Bett verbrachte Wachzeit zu minimieren und die Verbindung zwischen Bett und Schlaf zu stärken. Kann jemand im Bett beispielsweise nicht schlafen, steht die Person auf und legt sich erst wieder hin, wenn sie schläfrig ist. Diese Methode soll die mit Schlaflosigkeit verbundene Konditionierung mit der Zeit verringern.

  3. Schlafrestriktion: Eine wichtige Komponente der KVT-I ist die Schlafrestriktion. Diese Strategie soll den Schlafdruck erhöhen, indem sie die im Bett verbrachte Zeit begrenzt. Die Person verbringt also weniger Zeit im Bett, als sie normalerweise schläft, was schließlich ein schnelleres Einschlafen ermöglicht. Im Laufe der Zeit wird die Schlafdauer schrittweise erhöht und die Schlafeffizienz verbessert.

  4. Entspannungstechniken: Menschen mit Schlaflosigkeit erleben häufig ein hohes Maß an Wachheit und Stress. Die KVT-I soll diese Schwierigkeiten beim Übergang in den Schlaf durch Entspannungstechniken und Atemübungen verringern. Verfahren wie Muskelentspannung, Meditation und tiefes Atmen helfen, den Stress vor dem Einschlafen zu reduzieren.

  5. Schulung zur Schlafhygiene: Schlafhygiene umfasst das Erlernen und Beibehalten gesunder Schlafgewohnheiten. Die KVT-I vermittelt Gewohnheiten wie den Verzicht auf übermäßigen Koffeinkonsum vor dem Zubettgehen, regelmäßige Schlafzeiten sowie geeignete Licht- und Geräuschbedingungen im Schlafzimmer.

Durchführung der KVT-I: Die KVT-I wird meist als 6-8 Wochen dauerndes Behandlungsprogramm durchgeführt. Traditionell findet sie im persönlichen Gespräch statt; neue Technologien wie digitale Plattformen und Sprachsteuerung ermöglichen inzwischen auch die Anwendung zu Hause. Die in dieser Studie eingesetzte sprachgesteuerte Therapie, beispielsweise über Alexa oder ein ähnliches Gerät, erfasst die täglichen Schlafgewohnheiten, gibt individuelle Empfehlungen und unterstützt die kontinuierliche Durchführung der Therapie.

Potenzial der technologischen Intervention

Diese Studie zeigt nicht nur den Erfolg eines sprachgesteuerten Programms bei der Behandlung von Schlaflosigkeit, sondern wirft auch die Frage auf, wie solche Programme künftig ausgeweitet und mehr Menschen zugänglich gemacht werden können. Die Forschenden betonen, dass das Programm eine breitere Bevölkerung erreichen und durch die Einbindung künstlicher Intelligenz weiterentwickelt werden sollte. Zudem wird empfohlen, die Wirksamkeit solcher Technologien im Vergleich mit anderen wirksamen KVT-I-Programmen zu prüfen.

Fazit und Zukunftsperspektiven

Diese Studie hat gezeigt, dass ein zu Hause anwendbares, sprachgesteuertes KVT-I-Programm bei Frauen, die Brustkrebs überstanden haben, wirksam gegen Schlaflosigkeit sein kann. Schlafrhythmus und Lebensqualität verbesserten sich deutlich; solche Programme könnten künftig breiter eingesetzt werden. Es wird vorgeschlagen, dass Krebszentren die Einbindung solcher Programme erwägen sollten, um mehr Krebspatientinnen und Krebspatienten mit Schlaflosigkeit zu erreichen. Künftige Untersuchungen sollten die Anwendbarkeit in größeren Gruppen und Möglichkeiten eines breiteren Einsatzes durch die Integration künstlicher Intelligenz erforschen.

Quellen

Starling CM, Greenberg D, Lewin D, et al. Voice-Activated Cognitive Behavioral Therapy for Insomnia: A Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2024;7(9):e2435011. doi:10.1001/jamanetworkopen.2024.35011
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