FOLFOX und Altuzan (Bevacizumab): Behandlungsschema bei Darmkrebs

In diesem Artikel
FOLFOX + Bevacizumabist bei metastasiertem kolorektalem Karzinom (mCRC) eine Standardkombination aus Chemotherapie (5-FU/Leucovorin/Oxaliplatin) und antiangiogener Therapie (Bevacizumab), deren Wirksamkeit in multizentrischen Studien gezeigt wurde. Ziel ist die gleichzeitige Hemmung von Tumorzellvermehrung und Tumorgefäßbildung.
- 5-FU: Hemmung der Thymidylatsynthase und Störung der RNA-/DNA-Synthese → Zellvermehrung stoppt, Apoptose nimmt zu.
- Leucovorin: Stabilisiert die Bindung von 5-FU an die Thymidylatsynthase → verstärkte 5-FU-Wirkung.
- Oxaliplatin: DNA-Quervernetzungen und -Addukte → Zellzyklusarrest und Zelltod.
- Bevacizumab: Bindung/Inaktivierung von VEGF-A → geringere Gefäßdurchlässigkeit, Hemmung der Gefäßneubildung und „vaskuläre Normalisierung“, die das Eindringen der Chemotherapie in den Tumor fördern kann.
Hinweis: Das Zeitfenster vaskulärer Normalisierung kann bei manchen Patienten Chemotherapiewirkung und Toxizitätsprofil beeinflussen.
- Tumorlast verringern und Lebenszeit verlängern (angestrebter Gewinn bei OS und PFS).
- Symptome kontrollieren (Schmerzen, Verschluss, Blutung, Verbesserung des Allgemeinzustands).
- Bei ausgewählten Fällen die Chance auf Konversion (mögliche Resektion) erhöhen (besonders bei begrenzten Lebermetastasen).
- Bei stabilem Ansprechen durch Übergang zu Erhaltungsstrategien (z. B. 5-FU±Bevacizumab) die Toxizität steuern.
- Metastasiertes kolorektales Karzinom (mCRC), 1. Linie: Empfehlung unabhängig vom RAS-/BRAF-Status. Linksseitiger Darmkrebs, RAS-Wildtyp : Auswahl im Vergleich zu Anti-EGFR; bei rechtsseitigem Darmkrebs/RAS-Mutation gilt eine Kombination mit Anti-VEGF anstelle von Anti-EGFR klinisch als sinnvoller.
- Spätere Therapielinien: Je nach Vorbehandlung und klinischer Situation sind Wiederverwendung/Sequenzierung von FOLFOX-Bev möglich.
- Leitlinien: NCCN (v.2025) und ESMO (2022) empfehlen FOLFOX + Bevacizumab auf starker Evidenzbasis.
Türkei: Bei kolorektalem Krebs durch die SGK erstattungsfähig; lokale Indikations-/Antragsbedingungen in der jeweiligen Einrichtung prüfen.
- Bevacizumab 5 mg/kg i. v. (üblicherweise vor der Chemotherapie; erste Infusion 90 Minuten, danach 30–60 Minuten)
- Oxaliplatin 85 mg/m² i. v. über 2 Stunden (Tag 1)
- Leucovorin 400 mg/m² i. v. über 2 Stunden (Tag 1; mit Oxaliplatin über ein Y-System)
- 5-FU-Bolus 400 mg/m² i. v. (Tag 1) → anschließend 5-FU-Infusion 2400 mg/m² über 46 Stunden (Entlassung mit tragbarer Portpumpe)

- Labor: Blutbild, Kreatinin/eGFR, AST/ALT/ALP/Bilirubin, Elektrolyte; Ausgangswert Urinprotein (Teststreifen) ± 24-Stunden-Protein.
- Vitalparameter: Blutdruck (vor Bevacizumab kontrollieren), Gewicht/Allgemeinzustand.
- DPD-Beurteilung: Pharmakogenetischer/Aktivitätstest bei früherer schwerer 5-FU-Toxizität oder in Hochrisikogruppen.
- Bildgebung: Ausgangs-CT/MRT; Beurteilung des Ansprechens alle 8–12 Wochen.
- Kontrollhäufigkeit: Vor jedem Zyklus Labor + Blutdruck; bei Proteinurie alle 1–2 Zyklen erneut prüfen.
- Infusionsreaktionen: Besonders bei der ersten Bevacizumab- und Oxaliplatin-Infusion engmaschig überwachen.
- Kälteempfindlichkeit: Akute Oxaliplatin-Neuropathie → während/nach der Infusion kalte Getränke und Kältekontakt meiden.
- Pumpenmanagement: 46-Stunden-5-FU-Pumpe; Schulung zu Leitungspflege, Flusskontrolle, Leckagen und Hautreizungen.
- Bluthochdruck: Blutdruckziel vor Bevacizumab meist <140/90 mmHg; bei unkontrolliertem Blutdruck verschieben/anpassen.
- Proteinurie: Ab +1 Proteinmessung über 24 Stunden; bei ≥2 g/24 h Absetzen/Pause erwägen.
- 5-FU – Warfarin: INR-Anstieg → häufigere INR-Kontrollen, Dosisanpassung.
- 5-FU – Brivudin/Sorivudin: Lebensbedrohliche Toxizität durch DPD-Hemmung (kontraindiziert; sicheren zeitlichen Abstand einhalten).
- Oxaliplatin – Aminoglykoside/Schleifendiuretika: Erhöhtes Risiko für Nieren-/Ohrtoxizität möglich.
- Bevacizumab – Antikoagulanzien/Thrombozytenhemmer: Blutungsrisiko ↑ → Nutzen-Risiko-Abwägung, engmaschige Kontrolle.
- Blutdruckmedikamente: Bevacizumab-bedingter Bluthochdruck lässt sich mit ACE-Hemmern/ARB/CCB behandeln (Hinweis zur Kombination, keine Wechselwirkung).
- Geplante Operation: Nach der letzten Bevacizumab-Dosis ≥6 Wochen Pause (Wundheilungs-/Blutungsrisiko).
- CED oder aktive Divertikulitis: Wegen des Risikos einer Magen-Darm-Perforation Bevacizumab besonders sorgfältig auswählen.
- Frühere Thromboembolie: Antikoagulation nach Schweregrad und Risikoprofil steuern; gegen Blutungsrisiko abwägen.
- Höheres Alter/Gebrechlichkeit: Zu Beginn 5-FU-Dosis reduzieren oder Bolus weglassen; Neuropathie engmaschig überwachen.
- Niereninsuffizienz: Oxaliplatin-Dosisintervall entsprechend der kumulativen Gesamtdosis planen; Vorsicht bei schwerer Insuffizienz.
- Herzerkrankung: Ischämische Ereignisse unter 5-FU; gemeinsame Betreuung mit der Kardiologie.
- Schwangerschaft: Bevacizumab ist teratogen/embryotoxisch; in der Schwangerschaft kontraindiziert.
| Situation | Empfehlung | Hinweis |
|---|---|---|
| Kumulative Oxaliplatin-Neuropathie (≥G2) | Dosis reduzieren / pausieren; „Stop-and-go“ (FOLFOX → 5-FU±Bev als Erhaltung) | Bis zur Rückbildung der Symptome; Risiko bleibender Neuropathie beachten |
| Schwere 5-FU-bedingte Mukositis/Diarrhö | Pausieren + supportive Therapie; im nächsten Zyklus um 20-25 % reduzieren | Dehydratation/Elektrolytstörungen behandeln |
| Bevacizumab-bedingter Bluthochdruck ≥G3 | Bis zur Kontrolle verschieben; Blutdrucktherapie anpassen | Bei refraktärem Verlauf Absetzen erwägen |
| Proteinurie ≥2 g/24 h | Bevacizumab pausieren; nach Besserung neu beurteilen | Nephrologische Mitbeurteilung gegebenenfalls erforderlich |
| Magen-Darm-Perforation / schwere Blutung | Bevacizumab dauerhaft absetzen | Notfallversorgung, Chirurgie und supportive Maßnahmen |
Konkrete Dosisanpassungen richten sich nach dem Einrichtungsprotokoll und individuellen Patienteneigenschaften.
5-Fluorouracil
| Häufigkeit | Nebenwirkung | Hinweis |
|---|---|---|
| >20% | Mukositis, Hand-Fuß-Syndrom, Durchfall | Mundhygiene, Harnstoff-/Salicylcremes; früh Loperamid; Flüssigkeitszufuhr |
| 10–20 % | Myelosuppression, Übelkeit/Erbrechen | Antiemetische Prophylaxe; bei Infektionszeichen früh ärztlich vorstellen |
| 1–10 % | Hautausschlag, Transaminasen ↑ | Symptomatisch behandeln; bei anhaltenden Beschwerden Dosis überprüfen |
| <1 % | Kardiotoxizität (Ischämie, Spasmus) | Bei Brustschmerzen sofort absetzen; kardiologische Notfallabklärung |
Oxaliplatin
| Häufigkeit | Nebenwirkung | Hinweis |
|---|---|---|
| >20% | Akute kältebedingte Parästhesien, Krämpfe | Kalte Getränke/Speisen/Kontakt meiden; Infusionsdauer verlängern |
| 10–20 % | Chronische sensomotorische Neuropathie | Stop-and-go; bei Symptomen ≥G2 Dosis reduzieren/pausieren |
| 1–10 % | Allergische Reaktionen | Prämedikation; bei Reaktion Infusion verlangsamen oder stoppen |
| <1 % | Anaphylaxie, Lungentoxizität | Notfallprotokoll; dauerhaft absetzen |
Bevacizumab
| Häufigkeit | Nebenwirkung | Hinweis |
|---|---|---|
| >20% | Bluthochdruck, Nasenbluten (leicht) | Blutdruck kontrollieren; Blutdrucksenker ergänzen; lokale Maßnahmen bei Nasenbluten |
| 10–20 % | Proteinurie, verzögerte Wundheilung | Teststreifen/24h; bei Operation ≥6 Wochen Pause |
| 1–10 % | VTE/ATE (seltener) | Prophylaxe/Antikoagulation nach Risikofaktoren |
| <1 % | Magen-Darm-Perforation, schwere Blutung, PRES | Sofort abklären; Bevacizumab dauerhaft absetzen |
Häufigkeiten können je nach Studie und Kombination variieren; zusammen mit individuellen Risiken und Leitlinien beurteilen.
FOLFOX + Bevacizumab ist eine Option der 1. Linie mit hoher Evidenz bei kolorektalem Krebs. Sorgfältige Patientenauswahl (Tumorseite, molekularer Status), Toxizitätsmanagement und rechtzeitige Erhaltungs-/Sequenzstrategien erhöhen die Chance langfristiger Kontrolle. Vorausschauende Überwachung, besonders von Neuropathie und Gefäßrisiken, ist entscheidend für den Erfolg.
1) Hurwitz H, et al. Bevacizumab with chemotherapy in mCRC. N Engl J Med 2004.
2) NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology: Colon/Rectal Cancer, v.2025.
3) Van Cutsem E, Cervantes A, et al. ESMO Guidelines: Metastatic CRC. Ann Oncol 2022.
4) André T, et al. Oxaliplatin-based regimens and neuropathy management. J Clin Oncol 2020.
5) Grothey A, et al. Maintenance strategies with fluoropyrimidine ± Bevacizumab in mCRC. J Clin Oncol 2012 & subsequent updates.
6) T.C. Sağlık Bakanlığı – SGK Geri Ödeme Listeleri (2025).
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.





Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.