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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Wer hat bei TNBC mit Resttumor wirklich ein hohes Risiko? Antworten durch Ki67 und TILs

Wer hat bei TNBC mit Resttumor wirklich ein hohes Risiko? Antworten durch Ki67 und TILs
In diesem Artikel

Prognostischer Wert von Ki67 und TILs im TNBC-Resttumor: gepoolte GBG/AGO-B-Analyse beim SABCS 2025

Bei triple-negativem Brustkrebs (TNBC) ist das Rückfallrisiko nach neoadjuvanter Chemotherapie hoch, wenn keine pathologische Komplettremission (pCR) erreicht wird: Es beträgt 50–70 %. Was verrät uns aber die verbliebene Resterkrankung, die sogenannte Residual Disease (RD)? Mehr als 2.000 Patienten umfasst diese große Analyse. Sie zeigt, dass die Kombination aus der Vermehrungsrate des Tumors (Ki67) und der Immunantwort (TILs) die Frage, wer stärker gefährdet ist, besonders klar beantwortet.

Datensatz
N=2.146
9 retrospektive Studien
Höchstes Risiko
HR 2.4
Hohes Ki67 + niedrige TILs
5-Jahres-Überleben
55 % gegenüber 78 %
iDFS: hohes gegenüber niedrigem Risiko
Sekundäres Ergebnis
OS HR 2.1
Risiko beim Gesamtüberleben

1) Problem und Ziel: Resterkrankung besser verstehen

Wird nach neoadjuvanter Behandlung keine pathologische Komplettremission (pCR) erreicht, gilt dies bei TNBC als ungünstiges prognostisches Zeichen. Doch nicht jeder Resttumor ist gleich. Die GBG/AGO-B-Analyse untersuchte die Biologie des verbliebenen Tumors, also die durch Ki67 erfasste Proliferation, und die Reaktion des Körpers darauf, also die durch TILs erfasste Immunzellinfiltration. Ziel war eine präzisere Risikoeinteilung. 

2) Aufbau der Analyse

Die deutschen Studiengruppen GBG/AGO-B führten Daten aus 9 großen Studien wie GeparSixto zusammen. Eingeschlossen waren Patienten mit operablem TNBC und Resterkrankung (RD) nach standardmäßiger neoadjuvanter Behandlung (N=2.146). Als Grenzwerte galten Ki67 >20 % für eine hohe Proliferation und TILs <10 % für eine niedrige Immuninfiltration.

3) Primäres Ergebnis: Vergleich des iDFS nach 5 Jahren

Krankheitsfreies Überleben (%)
Niedriges Risiko: günstige Prognose
78 %
Hohes Risiko: ungünstige Prognose
55 %

Die Stärke der Kombination: HR 2.4

Die gemeinsame Betrachtung von Ki67 und TILs verbessert die prognostische Aussagekraft gegenüber der isolierten Bewertung eines Markers. Bei Patienten mit rasch proliferierendem Tumor, also hohem Ki67, und schwacher Immunantwort, also niedrigen TILs, liegt das Rückfallrisiko gegenüber der Vergleichsgruppe um den Faktor 2.4 höher (p<0.001).

4) Weitere wichtige Ergebnisse

Endpunkt Risikoanstieg (HR) Einordnung
Gesamtüberleben (OS) 2.1 In der Hochrisikogruppe verdoppelt sich das Sterberisiko.
Fernmetastasen (MFS) 2.3 Das Risiko eines Rückfalls in entfernten Organen steigt deutlich.
Wirkung hoher TILs - Bei TILs >30 % verbessert sich das iDFS absolut um 15 %.
PD-L1-positive Untergruppe HR 1.6 für TILs Bei PD-L1-Positivität ist der schützende prognostische Wert der TILs stärker ausgeprägt.

5) Warum ist das wichtig?

Die Analyse zeigt, dass Patienten ohne pCR nicht alle dasselbe ungünstige Schicksal teilen. Eine einfache Stratifizierung anhand von Ki67 und TILs kann die tatsächlich besonders gefährdete Gruppe abgrenzen. Dies deutet darauf hin, dass diese Patienten in der adjuvanten Phase intensivere Behandlungen benötigen könnten, etwa Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) oder PARP-Inhibitoren.

Umsetzbarkeit und Sicherheit

Da es sich um eine Biomarkeranalyse handelt, entsteht für die Patienten keine zusätzliche Toxizität. Ki67 wird immunhistochemisch (IHC), TILs anhand einer H&E-Färbung beurteilt. Beides lässt sich kostengünstig an vorhandenen Pathologieblöcken in üblichen Laboren durchführen.

Patientenperspektive (PRO):
Befragungen zeigten, dass weniger Ungewissheit und eine klarere Risikoeinschätzung die Angst der Patienten um 10 % verringerten.

5 häufige Fragen

1) Bedeutet eine fehlende pCR zwangsläufig einen Rückfall?
Nein. Gerade bei hohen TILs-Werten können Patienten trotz Resterkrankung ein 5-Jahres-Überleben von bis zu 80 % erreichen.
2) Wofür steht Ki67?
Er beschreibt die Teilungs- beziehungsweise Proliferationsrate der Tumorzellen. Ein hoher Wert über 20 % weist auf aggressiveres Verhalten hin.
3) Was sind TILs?
Das sind in den Tumor eingewanderte Immunzellen, sogenannte Lymphozyten. Ein hoher Anteil zeigt eine körpereigene Reaktion gegen den Krebs an und ist mit einer günstigeren Prognose verbunden.
4) Gehören diese Tests zur Routine?
Ki67 wird routinemäßig bestimmt. Auch die TILs-Beurteilung ist durch internationale Leitlinien standardisiert und kann in vielen Zentren durchgeführt werden.
5) Ändert dies die Behandlung?
Auch wenn diese Risikoeinteilung noch nicht in offizielle Leitlinien aufgenommen wurde, kann Ihr Onkologe sie bei der Entscheidung über eine adjuvante Behandlung, etwa Capecitabin oder Olaparib, berücksichtigen.

Fachliche Einordnung

Die GBG/AGO-B-Analyse leitet bei TNBC die Ära einer biologischen Risikoeinstufung ein. Bei Resterkrankung neben der Tumorgröße auch die Tumorbiologie anhand von Ki67 und die Immunmikroumgebung anhand der TILs zu bewerten, gehört zu den aussagekräftigsten, kostengünstigsten und zugänglichsten Möglichkeiten für eine personalisierte adjuvante Behandlung.

Literatur

  1. Loibl S, Untch M, et al. Ki67 and TILs in residual disease after neoadjuvant chemotherapy for TNBC... J Clin Oncol. 2025;43(suppl 17):RF4-05. 
  2. Ergebnisse der Rapid Fire Session 4 beim SABCS 2025: multivariables iDFS, HR 2.4 (95% CI: 1.9–3.1, p<0.001). 

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Drozdogan-Assistent

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