Wer hat bei TNBC mit Resttumor wirklich ein hohes Risiko? Antworten durch Ki67 und TILs

In diesem Artikel
Prognostischer Wert von Ki67 und TILs im TNBC-Resttumor: gepoolte GBG/AGO-B-Analyse beim SABCS 2025
Bei triple-negativem Brustkrebs (TNBC) ist das Rückfallrisiko nach neoadjuvanter Chemotherapie hoch, wenn keine pathologische Komplettremission (pCR) erreicht wird: Es beträgt 50–70 %. Was verrät uns aber die verbliebene Resterkrankung, die sogenannte Residual Disease (RD)? Mehr als 2.000 Patienten umfasst diese große Analyse. Sie zeigt, dass die Kombination aus der Vermehrungsrate des Tumors (Ki67) und der Immunantwort (TILs) die Frage, wer stärker gefährdet ist, besonders klar beantwortet.
1) Problem und Ziel: Resterkrankung besser verstehen
Wird nach neoadjuvanter Behandlung keine pathologische Komplettremission (pCR) erreicht, gilt dies bei TNBC als ungünstiges prognostisches Zeichen. Doch nicht jeder Resttumor ist gleich. Die GBG/AGO-B-Analyse untersuchte die Biologie des verbliebenen Tumors, also die durch Ki67 erfasste Proliferation, und die Reaktion des Körpers darauf, also die durch TILs erfasste Immunzellinfiltration. Ziel war eine präzisere Risikoeinteilung.
2) Aufbau der Analyse
Die deutschen Studiengruppen GBG/AGO-B führten Daten aus 9 großen Studien wie GeparSixto zusammen. Eingeschlossen waren Patienten mit operablem TNBC und Resterkrankung (RD) nach standardmäßiger neoadjuvanter Behandlung (N=2.146). Als Grenzwerte galten Ki67 >20 % für eine hohe Proliferation und TILs <10 % für eine niedrige Immuninfiltration.
3) Primäres Ergebnis: Vergleich des iDFS nach 5 Jahren
Krankheitsfreies Überleben (%)Die Stärke der Kombination: HR 2.4
Die gemeinsame Betrachtung von Ki67 und TILs verbessert die prognostische Aussagekraft gegenüber der isolierten Bewertung eines Markers. Bei Patienten mit rasch proliferierendem Tumor, also hohem Ki67, und schwacher Immunantwort, also niedrigen TILs, liegt das Rückfallrisiko gegenüber der Vergleichsgruppe um den Faktor 2.4 höher (p<0.001).
4) Weitere wichtige Ergebnisse
| Endpunkt | Risikoanstieg (HR) | Einordnung |
|---|---|---|
| Gesamtüberleben (OS) | 2.1 | In der Hochrisikogruppe verdoppelt sich das Sterberisiko. |
| Fernmetastasen (MFS) | 2.3 | Das Risiko eines Rückfalls in entfernten Organen steigt deutlich. |
| Wirkung hoher TILs | - | Bei TILs >30 % verbessert sich das iDFS absolut um 15 %. |
| PD-L1-positive Untergruppe | HR 1.6 für TILs | Bei PD-L1-Positivität ist der schützende prognostische Wert der TILs stärker ausgeprägt. |
5) Warum ist das wichtig?
Die Analyse zeigt, dass Patienten ohne pCR nicht alle dasselbe ungünstige Schicksal teilen. Eine einfache Stratifizierung anhand von Ki67 und TILs kann die tatsächlich besonders gefährdete Gruppe abgrenzen. Dies deutet darauf hin, dass diese Patienten in der adjuvanten Phase intensivere Behandlungen benötigen könnten, etwa Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) oder PARP-Inhibitoren.
Umsetzbarkeit und Sicherheit
Da es sich um eine Biomarkeranalyse handelt, entsteht für die Patienten keine zusätzliche Toxizität. Ki67 wird immunhistochemisch (IHC), TILs anhand einer H&E-Färbung beurteilt. Beides lässt sich kostengünstig an vorhandenen Pathologieblöcken in üblichen Laboren durchführen.
Patientenperspektive (PRO):
Befragungen zeigten, dass weniger Ungewissheit und eine klarere Risikoeinschätzung die Angst der Patienten um 10 % verringerten.
5 häufige Fragen
Fachliche Einordnung
Die GBG/AGO-B-Analyse leitet bei TNBC die Ära einer biologischen Risikoeinstufung ein. Bei Resterkrankung neben der Tumorgröße auch die Tumorbiologie anhand von Ki67 und die Immunmikroumgebung anhand der TILs zu bewerten, gehört zu den aussagekräftigsten, kostengünstigsten und zugänglichsten Möglichkeiten für eine personalisierte adjuvante Behandlung.
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