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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA): Neue Technologie kann Krebs 3 Jahre früher erkennen

Zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA): Neue Technologie kann Krebs 3 Jahre früher erkennen
In diesem Artikel
Ziel: Krebs vor den ersten Symptomen erkennen
Je früher Krebs erkannt wird, desto größer sind die Behandlungschancen. Viele Erkrankungen werden jedoch erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Hier kommt ctDNA ins Spiel: Sie besitzt revolutionäres Potenzial für die Früherkennung!

🔬 Neue Hoffnung für die Früherkennung: ctDNA

Zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) ist genetisches Material, das Krebszellen ins Blut abgeben. Forschende der Johns Hopkins University veröffentlichten am 4. Juli 2025 in Cancer Discovery eine Studie, die zeigt: ctDNA kann bereits Jahre vor dem Auftreten klinischer Krebssymptome nachweisbar sein.

🕒 Wissenschaftlicher Verlauf: Fortschritt Schritt für Schritt

1987–1989: Beginn der ARIC-Studie. In einer Kohorte mit 16.000 Personen startete die Datenerhebung.
1990–1992: Beim zweiten Untersuchungstermin wurden „sehr frühe Plasmaproben“ entnommen. Diese Proben stammten aus der Zeit 3 Jahre vor der Diagnose.
1993–1995: Beim dritten Untersuchungstermin wurden „frühe Plasmaproben“ entnommen. Es wurden 26 Fälle und 26 Kontrollpersonen bestimmt.
Bis 2012: Alle Krebsdiagnosen wurden mithilfe bundesstaatlicher Systeme sorgfältig bestätigt.
2016: Genehmigung der Pilotstudie durch Johns Hopkins.

🧪 Phase I: Analyse früher Plasmaproben

Die „frühen Plasmaproben“ von 26 Fällen und 26 Kontrollen wurden mit einem gezielten Treibergen-Panel untersucht. Bei 7 Fällen fanden sich 1-3 Mutationen. Alle Betroffenen erhielten innerhalb von 0,4 - 3,7 Monaten eine Krebsdiagnose.

Ergebnisse: ctDNA-Mutationen wurden vor der Diagnose mit hoher Spezifität erkannt. In der Kontrollgruppe gab es keine positiven Befunde.

🧪 Phase II: Analyse sehr früher Plasmaproben

Bei 6 der 7 positiven Fälle wurden auch Proben aus der Zeit 3,1 – 3,5 Jahre vor der Diagnose untersucht. In 2 Proben wurden Mutationen gefunden, jedoch war die MAF um das 8,6- bis 79-Fache niedriger.

🧬 Vertiefte Untersuchung mittels WGS

Die cfDNA von 45 Teilnehmenden wurde mit geringer Sequenziertiefe mittels WGS untersucht. INDIA 2207 zeigte eine Aneuploidie; nur 2,8 Monate später wurde bei dieser Person Krebs diagnostiziert.

🔍 Höhere Empfindlichkeit durch personalisierte Panels

  • INDIA 2225 und 2228: Mutationen wurden erneut nachgewiesen. Die MAF war jeweils 50x beziehungsweise 79x niedriger.
  • INDIA 2233: Anfangs negativ, doch mit einem individuellen Panel wurde eine Mutation gefunden. MAF: 9x niedriger.
  • INDIA 2207: 63 % der Mutationen wurden erfolgreich erkannt. MAF: 40x niedriger.
FAZIT: ctDNA könnte zur Erkennung bestehender Krebserkrankungen und auch von bereits Jahre zuvor beginnenden Tumorentwicklungen eingesetzt werden. Diese Erkenntnisse bilden eine entscheidende Grundlage für Früherkennungsstrategien und die Zukunft von MCED-Tests als neue Ansätze.

🧬 Zentrale Ergebnisse und mögliche grundlegende Auswirkungen auf die Krebsfrüherkennung

Diese Studie liefert wichtige Daten, um das Potenzial ctDNA-basierter Krebsfrüherkennungstests zu verstehen:

Machbarkeit der Früherkennung: ctDNA kann 3 Jahre vor der Krebsdiagnose oder noch früher nachgewiesen werden. Dies zeigt, dass Krebs bereits vor dem Auftreten von Symptomen erkannt werden könnte.
Vielversprechender Biomarker: ctDNA ist ein besonders aussichtsreicher Kandidat für die Früherkennung. Dieser Ansatz könnte die rechtzeitige Anwendung kurativer Behandlungen ermöglichen.

🧪 Sorgfältige Methodik und Studiengestaltung

Diese nicht interventionelle Studie nutzte prospektiv gesammelte Plasmaproben der ARIC-Kohorte. Positive Ergebnisse veränderten den natürlichen klinischen Verlauf nicht. Dadurch ließ sich der tatsächliche Zeitpunkt der Nachweisbarkeit besser beurteilen.

🔍 Zweifacher Analyseansatz: Mehr Mutationen, höhere Empfindlichkeit

  • Verwendet wurden gezielte Treibergen-Panels und personalisierte Panels auf Basis der Ganzgenomsequenzierung (WGS).
  • Mit WGS stieg die Zahl von median 2 auf median 39 Mutationen im untersuchten Panel.

🧬 Aneuploidieanalyse: Ein weiterer leistungsfähiger Biomarker

Zusätzlich zur Mutationsanalyse wurde erfolgreich eine Aneuploidieanalyse zum Nachweis abweichender Chromosomenzahlen eingesetzt. Dieser kombinierte Ansatz erhöhte die Testempfindlichkeit.

📈 Empfindlichkeit und Nachweisgrenzen

Bis zu 6 Monate vor der Diagnose: 31 % Sensitivität
Sehr frühe Phase: MAF im Durchschnitt 45-fach niedriger
Einordnung: Für eine Diagnose 3 Jahre früher könnte ein etwa 50-fach empfindlicheres Nachweisverfahren nötig sein

⚠️ Einschränkungen und nächste Schritte

📌 Größe der Pilotstudie

„Sehr frühe Plasmaproben“ wurden nur von 7 Teilnehmenden untersucht. Für eine Verallgemeinerung sind größere Kohorten erforderlich.

📌 Möglichkeiten zur Erhöhung der Sensitivität

  • Größeres Plasmavolumen: Höhere Volumina wie 10 mL könnten die Nachweisrate erhöhen.
  • Kombination mehrerer Analyte: Vorgeschlagen wird eine Kombination aus Mutationen, Aneuploidie, Methylierung, Proteomik, RNA und Fragmentomik.

📌 Aussagekraft unter Alltagsbedingungen

Zur Validierung sind größere bevölkerungsbasierte Studien und Nachbeobachtungsstrategien zur Erhöhung der Spezifität erforderlich.

FAZIT: ctDNA ermöglicht es, Krebs Jahre vor der klinischen Diagnose nachzuweisen. Diese Studie verdeutlicht die Anforderungen an die Sensitivität von MCED-Tests und schafft eine vielversprechende Grundlage auf dem Weg zu einer neuen Ära der Früherkennung.

Quellen

Wang Y, Joshu CE, Curtis SD, Douville C, Burk VA, Ru M, Popoli M, Ptak J, Dobbyn L, Silliman N, Coresh J, Boerwinkle E, Prizment A, Bettegowda C, Kinzler KW, Papadopoulos N, Platz EA, Vogelstein B. Detection of cancers three years prior to diagnosis using plasma cell-free DNA. Cancer Discov. 2025 May 22. doi: 10.1158/2159-8290.CD-25-0375. Epub ahead of print. PMID: 40402478.
DROZDOGAN KI

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Drozdogan-Assistent

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