Aspirin bei älteren Patienten: Risiko statt Nutzen?

In diesem Artikel
Die in der Onkologie seit Jahrzehnten bestehende Hypothese, dass „niedrig dosiertes Aspirin vor Krebs schützt“, wird insbesondere für die geriatrische Bevölkerung grundlegend überarbeitet. Die am 29. Januar 2026 in JAMA Oncology veröffentlichten ASPREE-XT-Ergebnisse mit Langzeitdaten aus 8.6 Jahren Nachbeobachtung der ASPREE-Studie haben eines der etablierten Paradigmen der modernen Medizin erschüttert. Die Untersuchung zeigt, dass die bekannten entzündungshemmenden und antitumoralen Wirkungen von Aspirin bei Menschen ab 70 Jahren nicht nur wirkungslos bleiben, sondern auch mit einem unerwarteten Anstieg der Krebssterblichkeit verbunden sein könnten. Indem dieser entscheidende Befund beweist, dass die Anwendung von Aspirin bei einem alternden Immunsystem und einer sich verändernden Tumormikroumgebung genau entgegengesetzt zu den bei jüngeren Menschen beobachteten Schutzmechanismen verläuft, verkündet er das Ende des Ansatzes „eine Behandlung für jedes Alter“ in Onkologie und Geriatrie.
Studiendetails und methodische Stärke
ASPREE (Aspirin in Reducing Events in the Elderly) gehört zu den weltweit umfassendsten randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten klinischen Studien über die Wirkungen von Aspirin bei gesunden älteren Menschen. Diese aktuelle Analyse aus dem Jahr 2026 umfasst folgende Einzelheiten:
Große Teilnehmerkohorte
Aus Australien und den USA wurden 19114 gesunde Personen (Alter 70+, für afroamerikanische und hispanische Teilnehmer 65+) in die Studie aufgenommen. Diese Zahl liefert Daten mit der höchsten statistischen Aussagekraft für die ältere Bevölkerung.
ASPREE-XT-Nachbeobachtung
Nach der ursprünglichen klinischen Studie wurde mit ASPREE-XT eine Beobachtungsphase durchgeführt, sodass die mediane Gesamtnachbeobachtung 8.6 Jahre erreichte. Dieser lange Zeitraum ist entscheidend, um die Krebsentstehung und späte Auswirkungen zu beobachten.
Dosis und Protokoll
Die Teilnehmer wurden für die tägliche Einnahme von 100 mg Aspirin mit magensaftresistenter Beschichtung oder Placebo randomisiert. Die Analysen zu Krebsinzidenz, Stadium und Sterblichkeit wurden sorgfältig durchgeführt.
ASPREE 2026: zentrale klinische Schlussfolgerungen
- 1. Fehlende Schutzwirkung: Trotz langfristiger Nachbeobachtung ging die Krebsinzidenz in der Aspiringruppe nicht zurück.
- 2. Anstieg der krebsspezifischen Sterblichkeit: In der statistischen Auswertung gab es im Aspirinarm mehr krebsbedingte Todesfälle als in der Placebogruppe.
- 3. Alter und Biologie: Die Studie zeigte, dass die antitumoralen Mechanismen von Aspirin, etwa die Immunüberwachung, im höheren Alter anders funktionieren als in jüngeren Altersgruppen.
Strategisches Vorgehen nach Altersgruppen
Alter 50-69 Jahre
Situation: Die niedrig dosierte Anwendung zur Steuerung des kardiovaskulären Risikos und zur Darmkrebsprophylaxe bleibt eine Option, die weiterhin individuell diskutiert werden kann.
Ab 70 Jahren
Klare Evidenz: Bei gesunden älteren Menschen wird davon abgeraten, Aspirin allein zur Krebsprävention neu zu beginnen; eine bestehende Einnahme wird ebenfalls hinterfragt, wenn keine kardiovaskuläre Notwendigkeit besteht.
Datenanalyse: Aspirin im Vergleich zu Placebo
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