ASTRO veröffentlicht erste klinische Leitlinie zur Strahlentherapie bei Magenkrebs

In diesem Artikel
Ein umfassender evidenzbasierter Wegweiser
Die Amerikanische Gesellschaft für Radioonkologie (ASTRO) hat ihre erste Leitlinie zur veränderten Rolle der Bestrahlung bei Magenkrebs veröffentlicht. Der Bericht umfasst alle Situationen von FLOT und Immuntherapie bis zu Palliation und Oligometastasierung.
Magenkrebs steht weltweit an fünfter Stelle der krebsbedingten Todesursachen und erfordert eine multidisziplinäre Behandlung. Der Aufstieg der perioperativen Chemotherapie mit FLOT und der Immuntherapie hat in den letzten Jahren Fragen zur Stellung der Strahlentherapie (RT) im Behandlungsablauf aufgeworfen.
Diese erste ASTRO-Leitliniewertet Literatur aus den Jahren 2001-2024 aus und beantwortet klar, bei wem, wann und wie bestrahlt werden sollte. Sie ist zugleich ein modernes Nachschlagewerk, das gesundheitliche Ungleichheiten und patientenzentrierte Versorgung berücksichtigt.
ALGORITHMUS 1: lokal begrenzte/lokal fortgeschrittene Erkrankung
1. Rolle der Strahlentherapie bei kurativer Behandlung
Perioperative Chemotherapie ist zwar der Goldstandard bei Magenkrebs, doch nicht jeder Patient verträgt diese intensive Behandlung. Auch die Operation erreicht nicht immer die gewünschten Ziele wie D2-Dissektion und tumorfreie Ränder. Diese Lücken kann die Bestrahlung schließen.
| Klinische Situation | ASTRO-Empfehlung | Empfehlungsstärke |
|---|---|---|
| Regulär resektable Erkrankung | Perioperative Chemotherapie mit FLOT bevorzugen. | STARK |
| Chemotherapie nicht verträglich | Wenn FLOT/ECF nicht möglich ist, wird eine präoperative Radiochemotherapie mit 5-FU oder Capecitabin empfohlen. | STARK |
| Grenzwertig resektabel | Bei hohem R1/R2-Risiko kann zusätzlich zur Chemotherapie eine präoperative RCT ergänzt werden, um tumorfreie Resektionsränder zu erreichen. | BEDINGT |
| Postoperativ bei unzureichender Operation | Bei fehlender D2-Lymphknotendissektion (< D2) oder positiven Rändern (R1/R2) wird postoperative RCT empfohlen. | BEDINGT |
Unter Verweis auf die kürzlich veröffentlichte MATTERHORN-Studie empfiehlt die Leitlinie bei resektablem Magenkrebs bedingt die Ergänzung der perioperativen Chemotherapie um Durvalumab, unabhängig von Mikrosatellitenstabilität (MSS) oder hoher Instabilität (MSI-H). Dies könnte ein neuer Behandlungsstandard werden.
2. Inoperable Erkrankung und palliative Behandlung
Bei nicht operablem oder metastasiertem Magenkrebs spielt Bestrahlung eine wichtige Rolle sowohl für die Tumor- als auch für die Symptomkontrolle.
🛑 Definitive Radiochemotherapie
Was tun, wenn ein Patient eine Operation nicht verträgt oder ablehnt, die Erkrankung aber noch lokal begrenzt und nicht metastasiert ist?
ASTRO empfiehlt STARK eine kurativ dosierte Radiochemotherapie mit 45-50.4 Gy statt alleiniger Chemotherapie oder unterstützender Behandlung. Dieser Ansatz kann langfristiges Überleben ermöglichen.
🌍 Oligometastasierte Erkrankung
Reicht eine alleinige systemische Therapie aus, wenn bei Diagnose nur wenige Metastasen vorliegen, meist 1-5?
ASTRO empfiehlt BEDINGT zusätzlich zur systemischen Therapie eine metastasengerichtete Behandlung mit SBRT oder Operation. Dies kann das Überleben verlängern.
🩸 Bestrahlung zur Symptomlinderung (Palliation)
- Blutstillung (starke Empfehlung): Bei Blutungen durch einen Magentumor stoppt Bestrahlung die Blutung in bis zu 80 % der Fälle.
- Schmerzkontrolle (starke Empfehlung): Bestrahlung bietet bei Tumorschmerzen eine wirksame, anhaltende Analgesie.
- Verengung/Obstruktion (bedingte Empfehlung): Bei Schluckstörungen oder Magenausgangsstenose allein oder zusammen mit einem Stent einsetzbar.
3. Technische Details: Dosis, Planung und Zielgebiete
Die Leitlinie definiert moderne, präzise Standards für Radioonkologen. Gezielte Behandlungen ersetzen frühere großflächige Bestrahlungen.
🎯 Kuratives Dosisschema
- Standard: 4500 cGy (45 Gy) / 25 Fraktionen mit täglich 1.8 Gy.
- Technik: IMRT oder VMAT empfohlen. 3D-CRT ist möglich, hat aber ein höheres Nebenwirkungsrisiko.
- Planung: Zur Minimierung der Magenfüllung sollten Patienten täglich nüchtern zur Behandlung kommen.
🕊️ Palliative Dosisschemata
Auswahl nach Lebenserwartung:
- 30 Gy / 10 Fraktionen: Dauerhaftere Wirkung bei gutem Allgemeinzustand.
- 20 Gy / 5 Fraktionen: Standardpalliation.
- 8 Gy / 1 Fraktion: Bei eingeschränktem Allgemeinzustand oder dringender Blutstillung.
📍 Zielvolumina: Was wird bestrahlt?
Präoperativ: Gesamter Magen + perigastrische Lymphknoten + zöliakale, splenische, hepatoduodenale und pankreatikoduodenale Lymphknoten.
Postoperativ: Tumorbett + Anastomosen + Resektionsränder + regionale Lymphknoten. Bei tumorfreien Rändern wird der Restmagen nicht bestrahlt.
👨⚕️ Einordnung von Drozdoğan und Zukunftsperspektive
Diese ASTRO-Leitlinie festigt die Stellung der Bestrahlung in der Onkologie. An die Stelle früherer pauschaler Extreme tritt der Grundsatz, den richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt zu behandeln.
- Botschaft 1: Bei fehlender FLOT-Eignung oder unzureichender Operation mit D1 kann Bestrahlung lebensrettend sein.
- Botschaft 2: Bei Blutungen und Schmerzen ist Bestrahlung ein besonders wirksames, häufig übersehenes palliatives Mittel.
- Botschaft 3: Die Kombination aus Immuntherapie und Bestrahlung ist ein Forschungsfeld der Zukunft.
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