Bewegung und Rehabilitation während der Brustkrebsbehandlung

In diesem Artikel
Brustkrebs gehört weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Die Behandlung kann Operationen, Chemotherapie, Bestrahlung und Hormontherapie umfassen und körperliche, psychische sowie soziale Gesundheit erheblich beeinflussen. Häufige Folgen sind Erschöpfung, Lymphödem, Kraftverlust, eingeschränkte Beweglichkeit und verminderte Lebensqualität. Rehabilitation und Bewegung sind daher feste Bestandteile der Versorgung. Sie sollen die Lebensqualität erhöhen, Behandlungsfolgen minimieren und die Rückkehr zu Alltagsaktivitäten beschleunigen.
Behandlungsbedingte Probleme bei Brustkrebs
Die Therapie richtet sich nach Stadium, Ausbreitung und Tumorbiologie. Häufig eingesetzt werden Operation, Chemotherapie, Bestrahlung, Hormontherapie und zielgerichtete Behandlungen. Sie können jedoch körperliche, psychische und neurologische Probleme verursachen, deren Ausmaß unter anderem von allgemeinem Gesundheitszustand, Alter und Therapieansprechen abhängt. Die wichtigsten Probleme werden nachfolgend beschrieben.
Operationsbedingte Probleme:
- Lymphödem
- Kapselfibrose
- Wundheilungsstörungen nach der Operation
- Axillary-Web-Syndrom (AWS)
Chemotherapiebedingte Probleme
- Erschöpfung
- Neuropathie
- Übelkeit und Erbrechen
Hormontherapiebedingte Probleme
- Wechseljahresähnliche Beschwerden
- Osteoporose
- Herz-Kreislauf-Probleme
Rehabilitation bei Lymphödem
Ein Lymphödem entsteht durch gestörten Lymphabfluss nach Entfernung von Lymphknoten bei der Operation oder nach Bestrahlung. Es kann Armschwellung, Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit verursachen. Folgende Methoden dienen der Behandlung und Rehabilitation:
Komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE)
Die komplexe physikalische Entstauungstherapie (CDT) gilt als Goldstandard der Lymphödembehandlung und umfasst vier Hauptbestandteile:

Bewegungsprogramme
Leichtes Ausdauertraining sowie Dehn- und Kräftigungsübungen sind bei Vorbeugung und Behandlung von Lymphödemen wirksam. Krafttraining sollte vorsichtig erfolgen, um Flüssigkeitsansammlungen im Arm zu vermeiden. Schonende Bewegungsformen wie Pilates und Yoga können den Lymphfluss fördern.
Lasertherapie
Eine niedrig dosierte Lasertherapie kann die Heilung betroffenen Gewebes beschleunigen und Schwellungen vermindern. Sie erhöht auf zellulärer Ebene die Durchblutung und den Lymphabfluss.
Rehabilitation beim Axillary-Web-Syndrom (AWS)
Physiotherapie und Rehabilitation sind bei AWS besonders wichtig. Sie können die Beweglichkeit verbessern, Schmerzen lindern und verhärtete fibröse Stränge lockern. Zu den empfohlenen Ansätzen gehören:
Manuelle Therapie
Manuelle Therapie ist bei AWS wirksam. Sie wird physiotherapeutisch durchgeführt und hilft, fibröse Stränge sowie verhärtetes Gewebe zu lösen.
- Weichteilmobilisation: Sanfte Massagetechniken lockern die bei AWS entstehenden Stränge und vermindern die Gewebespannung.
- Faszienmobilisation: Spezielle Techniken verbessern die Elastizität der Faszien, also des Bindegewebes, und helfen, Stränge zu lockern.
- Lymphdrainage: Da AWS mit einem Lymphödem einhergehen kann, kann Lymphdrainage zur Abschwellung beitragen.
Übungen zur Verbesserung des Bewegungsumfangs
Dehn- und Mobilisationsübungen vermindern AWS-bedingte Einschränkungen und erweitern den Bewegungsumfang der Schulter. Sie erhöhen die Elastizität der Stränge und vermindern das Spannungsgefühl. Beispiele:
- An der Wand hochwandern: Der Arm liegt an der Wand an und wird langsam nach oben bewegt. Dies erweitert die Beweglichkeit in Schulter und Achsel.
- Kobra-Bewegung: Die Arme werden zur Dehnung über den Kopf gehoben. Die Dehnung der Brustmuskeln hilft, fibröse Stränge zu lockern.
- Achseldehnung: Mit einem Übungsband oder Handtuch wird der Arm langsam nach oben gezogen, um das von AWS betroffene Gewebe zu dehnen.
Beweglichkeits- und Dehnübungen
Dehnübungen machen fibröse Stränge elastischer und weicher. Besonders auf Achsel und Schulter ausgerichtete Übungen entlasten den Arm.
- Brustdehnung: Die Hände werden hinter den Kopf gelegt und die Brust nach vorn geschoben, um die Brustmuskeln zu dehnen.
- Katze-Kamel-Position (Yoga): Yogaübungen fördern die Beweglichkeit der Wirbelsäule und entspannen die Schultern. Diese Bewegung kann besonders nach AWS zur Gewebeentspannung beitragen.
Kraftübungen
Mit der Zeit sollten Kraftübungen für Schulter und Arm ergänzt werden. Widerstandsbänder und leichte Gewichte erhöhen die Muskelkraft und unterstützen die Schulterbeweglichkeit.
- Schulterübungen mit Widerstandsbändern: Das Training in verschiedenen Winkeln kräftigt die Schultermuskeln und erhöht die Stabilität.
- Übungen mit Gewichten: Leichte Gewichte beim Schulter- und Armtraining helfen, Muskelkraft zurückzugewinnen.
Wärme- und Ultraschalltherapie
Wärme fördert die örtliche Durchblutung, entspannt Muskeln und lockert verhärtetes Gewebe. Ultraschall erwärmt tiefere Gewebeschichten, lockert fibröses Gewebe und unterstützt einen größeren Bewegungsumfang.
- Warme Kompressen: Vor Übungen angewendet erleichtern sie die Dehnung des Gewebes.
- Ultraschalltherapie: Ultraschallwellen erwärmen Gewebe unter der Haut und erhöhen seine Elastizität.
Schulung und Aufklärung
Betroffene sollten Übungen kennenlernen, die sie selbst zur Vorbeugung und Bewältigung von AWS-Symptomen durchführen können. Neben dem Bewegungsprogramm ist wichtig, die Arme nicht zu überlasten und regelmäßig zu dehnen.
Rehabilitation bei chemotherapiebedingter Erschöpfung
Krebsbedingte Erschöpfung ist während und nach Chemotherapie häufig. Sie tritt meist zusammen mit anderen körperlichen Beschwerden auf und kann den Alltag erheblich beeinträchtigen. Rehabilitative Strategien sind:
Bewegungstherapie
Viele Untersuchungen zeigen, dass Bewegung zu den wirksamsten Methoden gegen krebsbedingte Erschöpfung gehört. Regelmäßige Programme umfassen:
- Ausdauertraining: Leichtes Gehen, Radfahren oder Schwimmen kann die Energie steigern und Erschöpfung vermindern.
- Kraftübungen: Übungen mit leichten Gewichten oder Widerstandsbändern kräftigen die Muskeln, erhalten Muskelmasse und wirken Erschöpfung entgegen.
- Dehnen und Yoga: Yoga und Dehnübungen vermindern körperliche Erschöpfung und ermöglichen geistige Entspannung.
Techniken zum Energiemanagement
Betroffene lernen, Alltagsaktivitäten zu planen und Ruhepausen einzubauen, um ihre Energie effizient einzusetzen. Kurze Pausen helfen, Schwankungen der Erschöpfung im Tagesverlauf zu bewältigen.
Rehabilitation bei chemotherapiebedingter Neuropathie
Chemotherapiebedingte Neuropathie äußert sich meist durch Taubheit, Kribbeln oder Brennen an Händen und Füßen. Zu den wichtigsten rehabilitativen Verfahren gehören:
Physiotherapie
Sie erhält die Muskelkraft in Händen und Füßen und verbessert die Beweglichkeit. Besonders Übungen gegen Fußmuskelschwäche können Neuropathiebeschwerden lindern. Gleichgewichtstraining und Balancebretter senken auch das Sturzrisiko.
Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
TENS-Geräte sollen Schmerzsignale in Nerven blockieren und neuropathische Beschwerden vermindern. Über Elektroden auf der Haut geben sie schwache elektrische Impulse ab und lindern die Schmerzwahrnehmung.
Akupunktur
Akupunktur ist ein Verfahren der traditionellen chinesischen Medizin zur Wiederherstellung des energetischen Gleichgewichts. Bei Neuropathie kann sie ergänzend zur Linderung von Nervenschmerzen und Taubheit eingesetzt werden.
Verfahren zur Schmerzbewältigung
Neben Medikamenten können bei neuropathischen Schmerzen Geist-Körper-Verfahren wie Meditation, tiefe Atmung und Achtsamkeit eingesetzt werden. Sie beeinflussen die Schmerzwahrnehmung und unterstützen den Umgang mit Stress.
Vorbeugung und Behandlung von Osteoporose
Unter Hormontherapie bei Brustkrebs erhöht ein sinkender Östrogenspiegel das Risiko abnehmender Knochendichte und einer Osteoporose.

Umgang mit Herz-Kreislauf-Problemen
Zielgerichtete Therapien wie Trastuzumab können herzschädigende Wirkungen bis hin zur Herzinsuffizienz haben. Ihre kardiovaskuläre Rehabilitation verlangt spezielle Ansätze.
Kardiologische Rehabilitation
Bei Herzinsuffizienz oder anderen Herz-Kreislauf-Problemen werden Rehabilitationsprogramme eingesetzt. Dazu gehören leichte Ausdauerübungen zur Verbesserung der kardiovaskulären Leistungsfähigkeit. Gehen, Schwimmen oder leichtes Radfahren können empfohlen werden.
Änderungen des Lebensstils
Ernährung und Lebensstil sollten die Herzgesundheit unterstützen. Das Meiden gesättigter Fette und von Cholesterin, regelmäßige Bewegung und Rauchverzicht sind entsprechende Maßnahmen.
Regelmäßige Herzkontrollen
Unter zielgerichteter Therapie sind regelmäßige Untersuchungen wie Echokardiografie oder EKG zur Überwachung der Herz-Kreislauf-Gesundheit nötig. Frühe Erkennung und Behandlung können ein Fortschreiten von Herzproblemen verhindern.
Vorteile von Bewegung bei Brustkrebs
Weniger Erschöpfung
Erschöpfung ist während der Brustkrebsbehandlung häufig, weil Chemo-, Strahlen- und Hormontherapie die Energie vermindern. Das erschwert Alltagsaktivitäten.
Leichtes bis mäßiges Ausdauertraining wie Gehen, Schwimmen oder leichtes Laufen steigert die Energie, vermindert Erschöpfung und verbessert die körperliche Frische.
Mehr Muskelkraft und Ausdauer
Chemotherapie und andere Behandlungen können Muskelmasse und Kraft vermindern. Besonders bei älteren Menschen bedroht dies die Selbstständigkeit und erhöht das Sturzrisiko.
Regelmäßiges Krafttraining mit leichten Gewichten oder Widerstandsbändern stärkt Muskeln und erhält oder vermehrt Muskelmasse. Alltagsaufgaben fallen dadurch leichter, und die allgemeine Ausdauer steigt.
Herz-Kreislauf-Gesundheit erhalten
Einige Brustkrebsmedikamente, insbesondere zielgerichtete Therapien, können den Herzmuskel schwächen und das Herzinsuffizienzrisiko erhöhen. Auch verminderte Aktivität während der Behandlung wirkt sich ungünstig aus.
Regelmäßiges Ausdauertraining wie Gehen, Schwimmen oder Radfahren stärkt Herz und Gefäße, verbessert Durchblutung, Cholesterin und Blutdruck und senkt damit das Risiko kardiovaskulärer Komplikationen.
Lymphödemrisiko vermindern und Lymphödeme behandeln
Die Entfernung von Lymphknoten bei der Operation kann Lymphflüssigkeit im Arm aufstauen und ein Lymphödem mit Schwellung, eingeschränkter Beweglichkeit und Schmerzen verursachen.
Regelmäßige leichte Kraft- und Dehnübungen stärken die Armmuskeln, beschleunigen den Lymphfluss und vermindern Schwellungen. Besonders mit Kompressionskleidung unterstützen sie den Abfluss und senken Lymphödemrisiko sowie Beschwerden.
Knochen schützen und Osteoporose vorbeugen
Hormontherapien bei östrogenrezeptorpositivem Brustkrebs können durch Senkung des Östrogenspiegels die Knochendichte vermindern und das Osteoporoserisiko erhöhen.
Krafttraining und gewichttragende Aktivitäten wie Gehen, Laufen oder leichtes Gewichtheben erhalten und stärken die Knochendichte und senken das Frakturrisiko. Gleichgewichtsübungen beugen zusätzlich durch weniger Stürze Knochenbrüchen vor.
Psychisches Wohlbefinden fördern
Während der Behandlung können Angst, Depression und Stress auftreten. Bewegung steigert die Ausschüttung von Endorphinen und Serotonin und verbessert so die Stimmung. Ausdaueraktivitäten und Yoga lindern Angst- und Depressionssymptome, stärken Selbstvertrauen sowie Kontrollgefühl und erhöhen dadurch die Lebensqualität.
Die Immunabwehr stärken
Chemo- und Strahlentherapie schwächen das Immunsystem, erhöhen Infektionsrisiken und verzögern die Heilung. Regelmäßige mäßige Bewegung fördert die Durchblutung, steigert die Aktivität von Immunzellen und senkt das Infektionsrisiko. Zudem unterstützt sie die Immunfunktion durch weniger Stresshormone.
Lebensqualität erhöhen
Regelmäßige Bewegung verbessert den allgemeinen Gesundheitszustand, vermindert Erschöpfung, unterstützt die Psyche und erleichtert selbstständiges Leben. Studien zeigen bei aktiven Menschen mit Brustkrebs während und nach der Therapie eine höhere Lebensqualität. Selbstständig ausführbare Alltagsaktivitäten verbessern die körperliche Funktionsfähigkeit.
Neuropathiebeschwerden lindern
Chemotherapiebedingte periphere Neuropathie verursacht Taubheit, Kribbeln oder Brennen an Händen und Füßen und erschwert den Alltag. Regelmäßiges Gehen sowie leichte Kraft- und Dehnübungen unterstützen das Nervensystem und lindern neuropathische Schmerzen und Beschwerden. Kraftübungen stärken zudem geschwächte Muskeln, verbessern das Gleichgewicht und senken das Sturzrisiko.
Schlafqualität verbessern
Stress, hormonelle Veränderungen und körperliche Beschwerden können während der Behandlung den Schlaf stören. Regelmäßige Bewegung erleichtert das Einschlafen und verlängert den Tiefschlaf. Ausdaueraktivitäten und entspannende Verfahren wie Yoga fördern erholsameren, ununterbrochenen Schlaf. Das unterstützt Gesundheit und Wohlbefinden und vermindert Erschöpfung.
Stoffwechselgesundheit verbessern
Chemo- und Hormontherapie können den Stoffwechsel beeinflussen und Gewichtszunahme sowie Bauchfett begünstigen. Bewegung vermindert Insulinresistenz, stabilisiert den Blutzucker und hilft, Fettgewebe zu kontrollieren. Ausdauer- und Krafttraining wirken Stoffwechselstörungen entgegen, unterstützen das Gewichtsmanagement und fördern die Gesundheit nach der Behandlung.
Kognitive Funktionen erhalten
Nach Chemotherapie erleben manche Menschen einen „Gehirnnebel“ mit eingeschränktem Gedächtnis, Konzentration und geistiger Klarheit. Bewegung verbessert die Hirndurchblutung und unterstützt Nervenzellen, wodurch Gedächtnis, Aufmerksamkeit und kognitive Leistung zunehmen. Geist-Körper-Verfahren wie Yoga und Meditation helfen durch Stressreduktion, Hirnfunktionen zu erhalten.
Stressbewältigung und psychische Gesundheit
Die Brustkrebsbehandlung kann starken Stress und Angst verursachen und damit das Depressionsrisiko erhöhen. Bewegung steigert Endorphine, senkt Stress, verbessert die Stimmung und beruhigt. Yoga, Meditation und tiefe Atemübungen unterstützen zusätzlich. Aktive Betroffene zeigen daher weniger Angst- und Depressionssymptome.
Bewegungsformen für Menschen mit Brustkrebs
Empfehlenswerte Übungen während und nach der Behandlung richten sich nach Leistungsfähigkeit, Therapiephase und persönlichen Bedürfnissen. Die weltweit empfohlenen Bewegungsformen sollen sowohl die körperliche Gesundheit erhalten als auch Nebenwirkungen lindern.

Rehabilitation nach einer Brustkrebsoperation
Operationen gehören zu den häufigsten Brustkrebsbehandlungen. Bewegungseinschränkungen, Schmerzen, Schwellungen und Gewebeverhärtungen danach lassen sich rehabilitativ behandeln. Ziel sind die Wiederherstellung körperlicher Funktionen, bessere Lebensqualität und die Rückkehr zu Alltagsaktivitäten.
Zu den wichtigsten Ansätzen nach einer Brustkrebsoperation gehören:
Frühe Rehabilitation: die ersten Tage nach der Operation
Frühzeitige Rehabilitation unterstützt die Wundheilung, erhält Beweglichkeit und verhindert Komplikationen. Sie beginnt meist im Krankenhaus und umfasst:
- Tiefe Atmung und Brustkorbübung
Besonders nach Vollnarkose vergrößern tiefe Atemübungen die Lungenkapazität und senken das postoperative Lungenentzündungsrisiko. Sanfte Brustkorbbewegungen können die Beweglichkeit erhalten.
- Schulter- und Armbeweglichkeit erhalten
Nach Brustoperation und Lymphknotenentfernung können Schulter und Arm eingeschränkt sein. Frühe sanfte Bewegung beugt Versteifung vor. Empfohlen werden passive und aktive Mobilisationsübungen:
-Anheben des Arms an der Schulter (Pendelübungen): Der Arm hängt locker neben dem Körper und führt kleine Kreisbewegungen aus. Dies vermindert Gelenksteifigkeit und fördert den Lymphfluss.
- Lagerung
Eine geeignete Lagerung von Operationsbereich und Arm beugt Schwellungen vor. Hochlagerung und Kompressionskleidung können das Lymphödemrisiko senken.
- Beweglichkeits- und Dehnübungen: die ersten 2-6 Wochen
In den Wochen nach der Operation stehen die Wiederherstellung der Schulterbeweglichkeit und mehr Flexibilität im Vordergrund. Im Operationsbereich können Steifigkeit und Muskelschwäche entstehen. Empfohlene Übungen sind:
- An der Wand hochwandern: Die Hände werden an die Wand gelegt und langsam nach oben geschoben. Dies vergrößert den Bewegungsumfang der Schulter und hilft, ihre Beweglichkeit zurückzugewinnen.
- Kobra-Bewegung (sanfte Dehnung): In Rückenlage werden die Arme über den Kopf gehoben und die Schultern gedehnt. Das verbessert die Flexibilität der Brustmuskeln und vermindert Gewebesteifigkeit.
- Ellenbogen beugen und strecken: Der Arm wird ab Schulterhöhe nach oben gehoben und wieder gesenkt. Das stärkt das Schultergelenk und hilft besonders bei postoperativen Schmerzen oder Spannungsgefühl.
- Lymphödeme vorbeugen und behandeln
Lymphknotenentfernung erhöht nach der Operation das Risiko eines Lymphödems mit Schwellung, Schweregefühl und eingeschränkter Armbeweglichkeit. Zur Vorbeugung und Behandlung gehören:
- Übungen zur Lymphdrainage: Sanfte Dehnungen fördern den Lymphfluss und beugen Schwellungen vor. Langsames Anheben des Arms unterstützt den Abfluss. Auch Übungen im Wasser können ihn verbessern.
- Kompressionskleidung: Spezielle Kompressionskleidung senkt das Lymphödemrisiko. Sie verhindert Flüssigkeitsansammlungen im Arm und verbessert die Zirkulation.
- Manuelle Lymphdrainage
Bei entstandenem Lymphödem werden besondere Massagetechniken eingesetzt. Sie leiten Lymphflüssigkeit in die Lymphgefäße und vermindern Schwellungen. Die Behandlung sollte physiotherapeutisch erfolgen; nach korrekter Anleitung ist auch eine Selbstanwendung möglich.
- Haltung und Muskelkraft zurückgewinnen
Besonders nach Mastektomie oder Brustrekonstruktion können Haltungsstörungen und muskuläre Ungleichgewichte entstehen. Schwache Brustmuskeln oder Gewebeverlust verändern möglicherweise Schulter- und Rückenhaltung. Empfohlen werden:
- Haltungsübungen: Das Zurückziehen der Schultern und Aufrichten des Oberkörpers stärkt Schulter- und Rückenmuskeln. Bei einer Neigung zur vorgebeugten Haltung unterstützen diese Übungen die Wirbelsäulengesundheit.
- Krafttraining: Übungen mit leichten Gewichten oder Widerstandsbändern stärken Brust und oberen Rücken. Besonders bei behandlungsbedingter Muskelschwäche sind sie wichtig. Sie helfen, Kraft zurückzugewinnen, und schützen zugleich Wirbelsäule und Gelenke.
- Ausdauertraining
Bei Erschöpfung und Konditionsverlust nach der Operation ist Ausdauertraining wichtig. Die bereits genannten Aktivitäten wie Gehen, Radfahren und Wassergymnastik erhöhen die Herz-Kreislauf-Ausdauer und unterstützen die allgemeine Gesundheit.
- Psychische Rehabilitation
Brustverlust und ein verändertes Körperbild können nach der Operation psychische Probleme auslösen. Psychologische Unterstützung und Bewegung helfen, die seelische Gesundheit zu verbessern und Selbstvertrauen zurückzugewinnen.
Geist-Körper-Übungen
Yoga und Meditation unterstützen die Stressbewältigung und fördern emotionales Wohlbefinden. Sie können helfen, postoperative psychische Belastungen zu bewältigen.
Bewegung in Gruppen und soziale Unterstützung
Gruppenangebote stärken soziale Unterstützung und emotionales Wohlbefinden. Gemeinsames Training mit anderen Betroffenen kann die Motivation nach der Behandlung erhöhen.
Verlaufskontrolle des Bewegungsprogramms bei Brustkrebs
Besonders in der Rehabilitation nach der Behandlung sind Verlaufskontrolle und langfristige Umsetzbarkeit wichtig. Bewegung verbessert nicht nur die Kraft, sondern auch psychisches Wohlbefinden und Lebensqualität und vermindert Komplikationen. Zu beachten sind:
Trainingspläne und Bewegungstagebücher
Ein wirksames Programm sollte überwacht und regelmäßig dokumentiert werden. Tagebücher machen Fortschritte und mögliche Rückschritte sichtbar. Sie können Folgendes enthalten:
- Bewegungsart, etwa Gehen, Yoga oder Krafttraining
- Dauer und Intensität
- Subjektiv empfundene Erschöpfung
- Schmerzen oder andere Beschwerden
Ein solches System fördert die regelmäßige Fortsetzung und stärkt die Motivation.
- Tipps zum Erhalt der Motivation
Ein Bewegungsprogramm dauerhaft fortzuführen kann schwierig sein. Hilfreiche Strategien sind:
- Realistische Ziele: Kurz-, mittel- und langfristige Ziele sowie kleine Schritte stärken das Erfolgserleben.
- Abwechslung: Verschiedene Bewegungsformen verhindern Monotonie. Wechsel zwischen Ausdauertraining, Dehnen, Kraft- und Geist-Körper-Übungen können motivieren.
- Unterstützung: Training in einer Gruppe oder mit einer anderen Person kann motivieren. Auch regelmäßiger physiotherapeutischer Kontakt und die Beobachtung von Fortschritten wirken ermutigend.
- Professionelle Unterstützung und Anleitung
Vor Beginn sollte fachlicher Rat eingeholt werden. Physiotherapie oder Sportmedizin können sichere, wirksame Programme für Menschen mit Brustkrebs erstellen. Fachliche Anleitung hilft, Verletzungen zu vermeiden und Übungen korrekt auszuführen.
- Sicherheit beim Training nach Brustkrebs
Sicherheit ist ebenso wichtig wie Regelmäßigkeit. Sicheres Training kann Komplikationen nach der Behandlung vorbeugen und die Erholung unterstützen. Entscheidend sind:
Schrittweise Steigerung
Vermeiden Sie zu Beginn überfordernde Aktivitäten. Dauer und Intensität sollten langsam steigen. Der Plan muss körperliche Verfassung, Behandlungsfolgen und vorhandene Leistungsfähigkeit berücksichtigen.
Aufwärmen und Abkühlen
Vor jeder Einheit bereitet Aufwärmen Muskeln und Gelenke vor. Empfohlen werden 10-15 Minuten leichtes Ausdauertraining wie Gehen sowie Dehnen. Anschließend sollten Abkühl- und Dehnübungen folgen.
Körpersignale beachten
Achten Sie auf Ihren Körper. Starke Erschöpfung, Schmerzen, Schwindel oder Atemnot können es erforderlich machen, das Training zu beenden und zu ruhen. Trainieren Sie im Rahmen Ihrer Fähigkeiten ohne Überforderung.
Geeignete Ausrüstung
Passende Ausrüstung erhöht die Sicherheit. Beim Krafttraining eignen sich leichte Gewichte und Widerstandsbänder. Geeignete Schuhe und Kleidung schützen die Gelenke und vermindern Verletzungsrisiken.
Flüssigkeit und Ernährung
Genügend Wasser während und nach dem Training erhält den Flüssigkeitshaushalt. Eine ausgewogene Ernährung unterstützt Muskeln und Körperfunktionen. Ausreichend Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe beschleunigen die Erholung danach.
- Ärztliche Zustimmung
Besonders nach einer Brustkrebsbehandlung ist vor Trainingsbeginn ärztliche Rücksprache wichtig. Komplikationen und Behandlungsfolgen können die geeignete Bewegungsform beeinflussen. Deshalb sollte ein Programm unbedingt ärztlich oder physiotherapeutisch freigegeben werden.
Quellen
2. National Cancer Institute. (2021). Breast Cancer Treatment (PDQ®)–Health Professional Version. Abruf: https://www.cancer.gov/types/breast/hp/breast-treatment-pdq
3. Schmitz, K. H., et al. (2019). Exercise is medicine in oncology: engaging clinicians to help patients move through cancer. CA: A Cancer Journal for Clinicians, 69(6), 468–484.
4. Hayes, S. C., et al. (2020). Rehabilitation after breast cancer treatment: current evidence and practice guidelines. Journal of Physiotherapy, 66(2), 103–112.
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