Revolution in der Krebsrehabilitation – innovative Behandlungsmethoden mit virtueller Realität

In diesem Artikel
Krebs und seine Behandlung können Schmerzen, Angst, Übelkeit oder Neuropathien verursachen. Diese Nebenwirkungen erschweren Alltagsaktivitäten und geplante Übungen, beeinträchtigen die Lebensqualität und können zu Bewegungsmangel und Muskelverlust führen.
Krebsrehabilitation, auch onkologische Rehabilitation genannt, soll das körperliche, psychische und soziale Wohlbefinden während einer Krebsbehandlung verbessern. Sie ist wichtig, um die Lebensqualität zu erhöhen, Nebenwirkungen zu verringern und Alltagsaktivitäten während und nach der Behandlung zu erleichtern.
Technische Fortschritte bieten inzwischen bessere Möglichkeiten, Nebenwirkungen während der Krebsrehabilitation zu vermindern. Eine dieser Entwicklungen ist die virtuelle Realität (VR).
In den letzten Jahren erregte VR als innovativer medizinischer Ansatz Aufmerksamkeit. In der Krebsrehabilitation bietet sie großes Potenzial, körperliche, psychische und soziale Erholungsprozesse zu unterstützen.
Virtuelle Umgebungen können Patienten unterstützen bei:
- Bewegungsübungen,
- Stressbewältigung und
- Schmerzkontrolle.
Die Technologie ist ein neues, wirksames Instrument zur Verbesserung der Lebensqualität während einer Krebsbehandlung und kann helfen, behandlungsbedingte Schwierigkeiten zu überwinden. Virtuelle Umgebungen können beispielsweise Grenzen herkömmlicher Rehabilitation überwinden und die Übungen motivierender gestalten. Interaktive, individuell angepasste Erfahrungen können die Therapietreue verbessern und zur aktiven Beteiligung an der Erholung anregen. VR dürfte deshalb künftig in der Krebsrehabilitation wichtiger werden und hat das Potenzial, die Gesundheitsversorgung grundlegend zu verändern.
FDA-Zulassung eines VR-Programms zur Behandlung chronischer Schmerzen

Die FDA-Zulassung von EaseVRx zur Behandlung chronischer Schmerzen im November 2021 erregte große Aufmerksamkeit und belegte die Wirksamkeit der VR-Technologie. EaseVRx nutzt kognitive Verhaltenstherapie und weitere verhaltensorientierte Methoden, um chronische Kreuzschmerzen zu verringern. Klinische Studien zeigten erfolgreiche Ergebnisse bei der Schmerzkontrolle. Die Zulassung verdeutlicht das Potenzial VR-basierter Behandlungen und führte zur Einführung eines neuen wirksamen Ansatzes bei chronischen Schmerzen.
EaseVRx ist auch ein Beispiel für Gamification. Interaktive und unterhaltsame Inhalte sollen die Aufmerksamkeit umlenken und die Therapietreue erhöhen. Dadurch werden Schmerzbehandlung und Rehabilitation erträglicher und motivierender.
Wie funktionieren VR-Brillen grundsätzlich?
VR nutzt Computersimulationen, um Erfahrungen und Aktivitäten in einer virtuellen, künstlichen Umgebung zu ermöglichen. Eine dreidimensionale virtuelle Welt vermittelt Sinnesreize wie Geräusche, Bilder und Berührungen. Dadurch entsteht das Gefühl körperlicher Anwesenheit, und Nutzer können mit ihrer Umgebung interagieren.
Im Gesundheitswesen ist VR eine nicht invasive Möglichkeit, Symptome und Beschwerden im Zusammenhang mit einer Krebsbehandlung zu beeinflussen. Systeme umfassen am Kopf getragene Geräte (HMD) mit stereografischen Möglichkeiten und Headsets, 3D-Brillen, Sensoren zur Körpererfassung sowie weitere somatosensorische Geräte wie Handschuhe und Joysticks. Sie verbinden reale und virtuelle Welt und ermöglichen interaktive Rückmeldungen zwischen Nutzer und virtueller Umgebung.
VR entwickelte sich zu einem vielversprechenden Hilfsmittel, um Patienten während einer Krebsbehandlung zu unterstützen und Schmerzen zu verringern. Entspannende Szenen, virtuelle Interaktionen und Rückmeldungen, aufgabenbezogene Aktivitäten oder Kombinationen mit Musiktherapie lenken ab und können Schmerzen, Müdigkeit, Angst, Depressionen und kognitive Störungen lindern. VR-gestützte Sitzungen können auch der Entspannung oder Meditation dienen. In der körperlichen Rehabilitation kann VR die Funktionsfähigkeit und Alltagsaktivitäten fördern.

Funktionsstörungen durch Krebsbehandlungen und die Bedeutung bewegungsorientierter Rehabilitation
Studien zeigen unterschiedlich ausgeprägte Funktionsstörungen durch Krebsbehandlungen. Fast 20% der Kinder und über 50% der Erwachsenen sind betroffen. Häufig sind:
- Chemotherapiebedingte Neuropathie,
- sexuelle Funktionsstörungen,
- krebsbedingte Fatigue,
- krebsbedingte Schlafstörungen,
- kognitive Störungen,
- postoperative Syndrome bei Brustkrebs,
- Herz-Lungen-Funktionsstörungen.
Diese Einschränkungen beeinträchtigen die Lebensqualität deutlich und erhöhen die wirtschaftliche Belastung des Gesundheitssystems. Bewegungsrehabilitation mit Ausdauer-, Kraft-, Beweglichkeits- und neuromuskulärem Training wird als Behandlung breit diskutiert.
VR-gestützte Bewegungsrehabilitation (VR-ER)
VR-gestützte Bewegungsrehabilitation (VR-ER) kombiniert virtuelle Realität und Bewegungstherapie. Körpererfassung in einer dreidimensionalen Umgebung ermöglicht sichere, realistische Szenarien. Studien deuten darauf hin, dass VR-ER Funktionsstörungen verschiedener Erkrankungen wirksam verbessert. Bei Gleichgewichts- und Koordinationsproblemen bieten multisensorische Programme virtuelle Szenarien für Gang- und Gleichgewichtsübungen und ergänzen damit die Physiotherapie. VR-Übungen sind vielversprechend, wenn herkömmliche Verfahren an Grenzen stoßen.
VR-Anwendungen in der Onkologie

Verschiedene Studien und Beiträge behandeln VR-Brillen in der Krebsrehabilitation. Die Technologie kann die Rehabilitationserfahrung auf mehrere Arten verbessern:
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Körperliche Rehabilitation: VR-Übungsprogramme sollen Rehabilitation ansprechender und wirksamer machen, etwa durch virtuelles Rafting, Geländeläufe oder andere interaktive Spiele (Gamification). Meist überwachen Physiotherapeuten die Übungen, um Sicherheit und Wirksamkeit zu gewährleisten. So können Muskelkraft, Gleichgewicht und Ausdauer steigen. Studien bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) zeigten ähnliche Vorteile für die Lungenkrebsrehabilitation. Bewegungsprogramme wie Beckenbodentraining können die Sexualfunktion verbessern. Ein 8-wöchiges Programm mit Ausdauer-, Kraft- und Gleichgewichtstraining zeigte zudem deutliche Verbesserungen bei chemotherapiebedingter Neuropathie.
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Psychische Vorteile: VR kann Ängste verringern und das psychische Wohlbefinden verbessern. Erfahrungen, die von Schmerzen und Stress ablenken, helfen beim Umgang mit der seelischen Belastung der Erkrankung. Eine Untersuchung von Cancer Research UK prüfte, ob VR-Erfahrungen Stress und Angst während einer Krebsbehandlung verringern können. Die Ergebnisse zeigten positive Auswirkungen auf Stress, Angst, Müdigkeit und die allgemeine Lebensqualität.
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Aufklärung und Beteiligung der Patienten: VR kann auch über Erkrankung und Behandlung informieren. Patienten können beispielsweise ihre Lunge sehen und verstehen, wie eine Bestrahlung den Tumor beeinflusst. Dies fördert informierte Beteiligung, Therapietreue und Behandlungsergebnisse. Ein Blogbeitrag der Association of Community Cancer Centers (ACCC) beschrieb VR als innovatives Aufklärungsinstrument, das Diagnosen verständlicher macht und gemeinsame Entscheidungen mit Gesundheitsfachpersonen unterstützt. Eine in Practical Radiation Oncology veröffentlichte Studie entwickelte und bewertete eine kostengünstige smartphonebasierte VR-Plattform zur Patientenaufklärung. Videos zeigten übliche Strahlentherapietermine aus der Ich-Perspektive. Sie verringerten Ängste und machten Patienten mit dem Behandlungsablauf vertrauter.
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Schmerzbehandlung: VR spielt eine wichtige Rolle bei der Schmerzkontrolle. Sie kann die Schmerzwahrnehmung und damit Beschwerden bei belastenden Behandlungen wie Chemo- und Strahlentherapie vermindern. Auch bei schmerzhaften Eingriffen und zur Symptomlinderung in der palliativen Versorgung am Lebensende wird VR eingesetzt. Eine im Journal of Clinical Medicine veröffentlichte Studie untersuchte VR gegen Angst und Schmerzen bei Koloskopien. Sie fand eine mit üblicher Sedierung vergleichbare Wirksamkeit sowie eine deutliche Schmerzreduktion ohne Sedierung. VR-gestützte Aufklärung verringerte außerdem Ängste vor der Koloskopie und verbesserte die Darmvorbereitung.
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Allgemeine Lebensqualität: Die vielfältigen Aktivitäten und entspannenden Umgebungen können die Lebensqualität verbessern. Patienten können Stress abbauen, Spaß in virtuellen Welten haben und während der Behandlung Zuversicht und Motivation erhalten.
VR-Brillen bieten somit vielfältige Vorteile in der Krebsrehabilitation. Ihre körperlichen, psychischen und aufklärenden Beiträge machen sie zu einem festen Bestandteil der Krebsbehandlung. Darüber hinaus kann VR bei der Strahlentherapie die korrekte Lagerung und Festlegung der Zielgebiete unterstützen, insbesondere bei Erkrankungen wie Prostata- und Brustkrebs, die eine Bestrahlung erfordern.
VR bei krebsbedingten Schlafproblemen
Schlafprobleme sind bei Krebs häufig. Chemo- und Strahlentherapie sowie andere Behandlungen können Übelkeit, Müdigkeit und hormonelle Störungen hervorrufen und den Schlaf beeinträchtigen. Stress, Angst, Schmerzen und Unwohlsein tragen ebenfalls dazu bei.
Einige Studien untersuchten VR bei Schlafproblemen von Krebspatienten. In einer Pilotstudie mit Frauen mit metastasiertem Brustkrebs verbesserte VR den Schlaf, indem Angst- und Depressionssymptome zurückgingen. Die Teilnehmerinnen nutzten regelmäßig VR zu Hause; die Ergebnisse zeigten eine wirksame Symptomkontrolle.
Eine weitere Studie deutete darauf hin, dass VR bei unheilbar an Krebs Erkrankten körperliche und seelische Symptome wie Schmerzen und Stress lindern und damit angenehmeren Schlaf ermöglichen könnte.
Diese Untersuchungen sprechen für ein mögliches Potenzial bei krebsbedingten Schlafproblemen. Für Informationen zur geeigneten Anwendung und einen individuell passenden Behandlungsplan wird jedoch eine Beratung durch Gesundheitsfachpersonen empfohlen.
VR bei Brustkrebs
Am häufigsten wurde VR in der Krebsbehandlung bei Brustkrebs untersucht. Gründe sind dessen Häufigkeit und die lange Behandlung, die erhebliche körperliche und psychische Unterstützung erfordert.
Die Rehabilitation bei Brustkrebs soll vor allem die Beweglichkeit der Arme verbessern. Dafür stehen klassische Physiotherapie, Bewegungstherapie und Massagen zur Verfügung. Aufgabenorientierte Programme erleichtern die Anpassung an Alltagsaktivitäten stärker als wiederholte Standardbewegungen. Technische Fortschritte verändern die Rehabilitation und ermöglichen nicht invasive Verfahren gegen krebsbedingte Beschwerden. VR kann die psychischen und körperlichen Folgen der Brustkrebsbehandlung wirksam verringern. Für Armfunktion und Alltagsaktivitäten ist sie ebenso wirksam wie herkömmliche Physiotherapie.
VR-Interventionen eröffnen eine neue Perspektive in der Brustkrebsrehabilitation. Sie erwiesen sich als hervorragender nicht invasiver Ansatz gegen Schmerzen, Müdigkeit, Angst, Depressionen, kognitive Störungen und eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit nach der Behandlung, die den Alltag erschweren. Zahlreiche Geräte und Hilfsmittel stehen zur Verfügung, darunter Computer, Fernseher und Mobiltelefone. Eine breite Verfügbarkeit und Nutzung wird jedoch durch Cybersickness, unbequeme Headsets, Unbehagen und Zurückhaltung der Nutzer sowie hohe Gerätekosten begrenzt.
Worauf bei VR zu achten ist – mögliche Nebenwirkungen
VR ist ein innovativer und wirksamer Ansatz zur Unterstützung der körperlichen, emotionalen und psychischen Erholung in der Krebsrehabilitation. Bei der Anwendung sind jedoch einige wichtige Punkte zu beachten.
- Mögliche Nebenwirkungen: In der Fachliteratur werden mögliche VR-Nebenwirkungen einschließlich Cybersickness mit dem Virtual Reality Symptom Questionnaire erfasst. Dazu können Schwindel, Übelkeit und Gleichgewichtsstörungen gehören.
- Patientensicherheit: VR-Anwendungen müssen für Patienten sicher sein. Das ist insbesondere bei Erfahrungen wichtig, die Schwindel, Übelkeit oder Gleichgewichtsprobleme auslösen können. Zudem sind Sauberkeit und Hygiene von Brillen beziehungsweise Headsets zu gewährleisten.
- Individuelle Anpassung: Der Rehabilitationsbedarf ist individuell. Programme sollten an die konkreten Bedürfnisse und den Gesundheitszustand angepasst werden. Regelmäßige Rückmeldungen helfen, Wirksamkeit und Eignung fortlaufend zu beurteilen.
- Fachliche Begleitung: VR-Therapien sollten stets von spezialisierten Gesundheitsfachpersonen angeleitet werden. Physiotherapeuten, Psychologen oder onkologische Fachpersonen sorgen für einen richtigen und wirksamen Einsatz. Der Zustand der Patienten muss während der gesamten Rehabilitation eng überwacht werden, damit bei Bedarf eingegriffen werden kann.
Werden diese Punkte berücksichtigt, kann VR in der Krebsrehabilitation möglichst wirksam und sicher eingesetzt werden.
Quellen
2. FDA Authorizes Marketing of Virtual Reality System for Chronic Pain Reduction. FDA: https://www.fda.gov/news-events/press-announcements/fda-authorizes-marketing-virtual-reality-system-chronic-pain-reduction (16.11.2021)
3. Gökhan VATANSEVER, Tarık KEÇELİ, Önder KIRCA, Ali Cem BAŞARIR, Mustafa ÖZDOĞAN. Gamification as a Solution for Cancer-Induced Cognitive Impairment. J Oncol Sci. 2021 Doi: 10.37047/jos.2020-78809
4. National Center for Biotechnology Information (NCBI). https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC10928524/
5. BMC Cancer. https://doi.org/10.1186/s12885-021-09081-z
6. BMJ Open. https://bmjopen.bmj.com/content/13/2/e068532
7. Dove Medical Press. https://www.dovepress.com/virtual-reality-rehabilitation-in-patients-with-chronic-obstructive-pu-peer-reviewed-fulltext-article-COPD
8. Dove Medical Press. https://www.dovepress.com/virtual-reality-rehabilitation-in-patients-with-chronic-obstructive-pu-peer-reviewed-fulltext-article-COPD
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