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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Darmkrebsscreening ab 40: Das Sterberisiko sinkt um 40 Prozent

Darmkrebsscreening ab 40: Das Sterberisiko sinkt um 40 Prozent
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Mehr Darmkrebs in jungen Jahren: eine neue Notwendigkeit

Kolorektaler Krebs (CRC) ist weltweit die dritthäufigste Krebsart und die zweithäufigste Ursache krebsbedingter Todesfälle. Hinter diesen Zahlen zeichnet sich jedoch eine weitere Entwicklung ab, die Medizin und Gesundheitsbehörden alarmiert: Darmkrebs ist nicht mehr nur eine Erkrankung des höheren Alters. Auch bei Menschen Anfang 40 wird er zunehmend diagnostiziert. Eine berichtete Zunahme um 500 % bei Kindern zwischen 10 und 14 Jahren innerhalb der letzten 20 Jahre verdeutlicht die Bedeutung dieser stillen Epidemie früh auftretender Erkrankungen.

Klassische Leitlinien empfahlen das Darmkrebsscreening meist ab 50, zuletzt ab 45 Jahren. Der im vergangenen Jahrzehnt beobachtete jährliche Inzidenzanstieg um etwa 3 % bei 40–49-Jährigen deutet jedoch darauf hin, dass diese Altersgrenze keinen ausreichenden Schutz mehr bietet. Bei jüngeren Menschen wird die Erkrankung zudem oft später diagnostiziert, verläuft aggressiver und hat geringere Behandlungschancen. Dies hat nicht nur individuelle, sondern auch gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen, da diese Altersgruppe besonders aktiv zum Arbeitsleben und zur Gesellschaft beiträgt.

Vor diesem Hintergrund hat eine aussagekräftige taiwanische Kohortenstudie, am 12. Juni 2025 in JAMA Oncology veröffentlicht, im Juni 2025 eine neue Debatte ausgelöst: Sollte Darmkrebsscreening schon mit 40 beginnen? Die Antwort lautet nicht nur Ja; es handelt sich demnach um eine dringend umzusetzende Maßnahme der öffentlichen Gesundheit.

Darmkrebs: Screeningbeginn mit 40 – lebensrettende Zahlen 2025, Mustafa Özdoğan

🔹 Wichtigste Studienergebnisse

  • Studienumfang: In Taiwan wurden 263.125 Menschen untersucht.

  • In der Gruppe mit frühem Screening zwischen 40–49 Jahren:

    • Jährlich wurde bei etwa 26 von 100.000 Menschen (26.1) im Alter von 40–49 Jahren Darmkrebs diagnostiziert.
    • 3.2 von 100.000 Menschen starbenin dieser Altersgruppe an Darmkrebs.

    • Diese Zahlen zeigen, dass frühes Screening mit einem FIT die Diagnose wirksam unterstützt und zugleich das Sterberisiko senken kann .

FIT ist ein fäkaler immunchemischer Test, der, verborgenes Blut im Stuhl nachweist. Dieser nicht invasive Screeningtest misst Hämoglobin in einer kleinen, zu Hause entnommenen Stuhlprobe mit hoher Empfindlichkeit, um Darmkrebs oder Polypen früh zu entdecken.

  • In der Gruppe mit Screening erst ab 50 Jahren:

    • Jährlich wurde bei etwa 43 von 100.000 Menschen (42.6) in der ausschließlich mindestens 50-jährigen Gruppe Darmkrebs diagnostiziert.

    • Etwa 7.4 von 100.000 Menschen starben jährlichin dieser Altersgruppe an Darmkrebs.

    • Ein Screeningbeginn erst nach 50 war demnach sowohl mit mehr Erkrankungen als auch mit einer höheren Sterberate verbunden.

Der Unterschied deutet auf einen relevanten Schutz hin, wenn FIT-Screening bereits relativ früh, etwa mit 40, beginnt.


🔹 Die Wirksamkeit des Screenings in Zahlen

Propensity Score Matching (PSM) ergab bei der Auswertung folgende Effekte:

  • Propensity Score Matching (PSM) ermöglicht einen faireren Gruppenvergleich. Nach dieser Analyse hatten Menschen mit FIT-Screeningbeginn zwischen 40–49 Jahren ein um 21 % geringeres Darmkrebsrisiko und ein um 39 % geringeres krebsbedingtes Sterberisiko.

  • Diese Effekte wurden nach dem Ausgleich von Gruppenunterschieden ermittelt, die in nicht randomisierten Studien vorkommen können. Das spricht für eine tatsächliche Schutzwirkung des frühen Screenings.

  • Zusätzliche Analysen zur Korrektur von Verzerrungen wie dem „Nonadherence Bias“ durch unterschiedliche Teilnahmebereitschaft zeigten eine Senkung des Darmkrebsrisikos um 25 % und des Sterberisikos um 34 %. Die Befunde erschienen also nicht bloß zufällig, sondern bestätigten sich in unterschiedlichen statistischen Modellen.


📈 Krebs in jungen Jahren: eine reale Bedrohung

In den letzten 20 Jahren wurde bei 10–14-Jährigen eine Zunahme der Darmkrebsfälle um 500 % beschrieben. Bei 40–49-Jährigen steigt die Inzidenz jährlich um etwa 3 %.

Diese Zunahmen werden mit Faktoren in Verbindung gebracht wie:

  • Veränderungen des Lebensstils
    • Adipositas
    • Bewegungsmangel
    • Konsum von verarbeitetem Fleisch
    • Raffinierten Lebensmitteln und Fertigprodukten sowie
    • Antibiotikagebrauch 

.


📊 Was sagen internationale Leitlinien?

  • USPSTF und ACS: Senkung des Screeningalters auf 45 Jahre im Jahr 2021.

  • Österreich: FIT-Screening beginnt mit 40 Jahren.

  • Türkei: Das nationale Programm empfiehlt für die Allgemeinbevölkerung weiterhin Screening zwischen 50–70 Jahren.

Die Studiendaten liefern eine wissenschaftliche Grundlage für ein breiteres FIT-Screening besonders zwischen 40–49 Jahren.


💼 Klinische und gesellschaftliche Bedeutung

  • Durch FIT-Screening zwischen 40–49 Jahren lässt sich mit jeweils 1548 Untersuchungen 1 Darmkrebsfall verhindern .

  • Bei Screening ab 50 Jahren wird derselbe Nutzen erst nach 2079 Untersuchungen erreicht.

  • Arbeitsproduktivität, Vorteile einer frühen Diagnose und das wirtschaftliche, nicht invasive Verfahren sprechen dafür, FIT stärker in Strategien der öffentlichen Gesundheit einzubeziehen.


✅ Fazit: Ist es Zeit, das Screeningalter zu senken?

Ja. Die mehr als 17 Jahre umfassenden Nachbeobachtungsdaten sprechen dafür, dass ein FIT-Screeningbeginn mit 40 wirksamer ist als ein späterer Beginn. Natürlich müssen die Epidemiologie, Gesundheitsinfrastruktur und wirtschaftlichen Möglichkeiten jedes Landes berücksichtigt werden. Besonders in Risikogruppen und bei wachsendem öffentlichen Bewusstsein könnte Screening mit 40 jedoch zum neuen Standard werden.

Quellen

Chiu H, Chen SL, Su C, et al. Long-Term Effectiveness Associated With Fecal Immunochemical Testing for Early-Age Screening. JAMA Oncol. Published online June 12, 2025. doi:10.1001/jamaoncol.2025.1433
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Drozdogan-Assistent

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