Die Verfolgung jüdischer Ärzte 1161

Die Verfolgung jüdischer Ärzte und ihrer Kollegen ist ein häufiges Thema der Medizingeschichte. So wurden 1161 wegen einer angeblichen Verschwörung jüdischer Ärzte zur Vergiftung der Einwohner Böhmens in Mitteleuropa 86 Juden zur Strafe lebendig verbrannt. Um 1348 wurden viele Juden ermordet, denen man vorwarf, den Schwarzen Tod (die Pest) in Europa verursacht zu haben, obwohl viele Juden selbst an der Pest starben. Nach Auffassung der medizinischen Fakultät der Universität Wien zwang das jüdische Gesetz 1610 jüdische Ärzte dazu, Christen durch Vergiftung zu töten. Der deutsche Theologe und Vater des Protestantismus Martin Luther schrieb: „Wenn sie (die Juden) uns alle töten könnten, würden sie es gern tun. Sie tun es häufig, besonders diejenigen, die sich als Ärzte ausgeben." Luther rief die Menschen außerdem dazu auf, „ihre Synagogen zu verbrennen“.
Mehrere Päpste im mittelalterlichen Europa verboten Christen, Hilfe bei jüdischen Ärzten zu suchen. Später, im 17. Jahrhundert, erklärten Geistliche in Württemberg, „es sei besser, mit Jesus Christus zu sterben, als von einem jüdischen Arzt behandelt zu werden, der Hilfe vom Teufel erhalten habe". 1938 entzog Deutschland jüdischen Ärzten ihre Zulassungen. Der folgende Ärztemangel zwang Deutschland dazu, das Medizinstudium um zwei Jahre zu verkürzen.
In den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg begrenzten die USA die Zahl jüdischer Medizinstudenten und Ärzte an ihren medizinischen Hochschulen. Um festzustellen, ob Bewerber jüdisch waren, prüften Verantwortliche die Namen der Studierenden und fragten in den Bewerbungen nach ihrer Religion. 1940 begrenzte der Dekan der medizinischen Fakultät der Cornell University die Zahl der Juden, die pro Jahrgang aufgenommen werden durften; an der Yale School of Medicine wurden Bewerbungen jüdischer Kandidaten mit dem Buchstaben H für Hebräisch (Hebrew) gekennzeichnet. Dem Direktor des Neurologischen Instituts der Columbia University wurde 1945 gesagt, er müsse alle Juden seiner Abteilung entlassen oder zurücktreten. Er trat zurück.
Auch heute sind jüdische Gesundheitsfachkräfte bisweilen abwegigen Vorwürfen ausgesetzt. 1988 beschuldigte ein stellvertretender Bürgermeister von Chicago Juden, Afroamerikanern das AIDS-Virus zu injizieren, und 1997 behauptete ein führender palästinensischer Vertreter, Israelis würden palästinensischen Kindern HIV (das humane Immundefizienzvirus) injizieren.
Beschreibung des Beitragsbildes: Darstellung der lebendigen Verbrennung von Juden während des Schwarzen Todes durch den deutschen Arzt, Historiker und Kartografen Hartmann Schedel (1440–1514).
Im Beitrag erwähnte historische Personen: Martin Luther (1483–1546)
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