Ibn Sina 1025 – Autor des berühmtesten medizinischen Lehrbuchs aller Zeiten

Die islamischen Ärzte des Mittelalters halfen, die medizinischen Traditionen Griechenlands und Roms zu bewahren und weiterzuentwickeln. Der einflussreichste der großen islamischen Arztphilosophen war der im Westen als Avicenna bekannte Ibn Sina.
Sein berühmtestes Werk war die 1025 abgeschlossene fünfbändige Enzyklopädie, die über 700 Jahre eine Grundlage der medizinischen Lehre bildete und an europäischen Medizinschulen verwendet wurde: Al-Qanun fi al-Tibb (Kanon der Medizin). Das auf Arabisch geschriebene und später ins Lateinische übersetzte Werk war von Hippokrates, Galen und Aristoteles beeinflusst. Wie sein berühmter islamischer Vorgänger al-Razi betonte auch Ibn Sina die Bedeutung von Beobachtung, Experiment und evidenzbasierter Medizin für klinische Entscheidungen.
Im Kanon behandelt Ibn Sina die Krebschirurgie und hilft außerdem, die Natur ansteckender Krankheiten (einschließlich Tuberkulose) sowie den Nutzen der Quarantäne zu erklären. Bemerkenswerterweise konnte er Mediastinitis (Entzündung des Gewebes in der Brustmitte) und Pleuritis (Entzündung der Auskleidung des Pleuraraums um die Lungen) unterscheiden. Bei Arzneimitteltests, schrieb er, müsse das Medikament rein sein, an mehr als einer Krankheit geprüft und seine Wirkung zeitlich erfasst werden, um beabsichtigte und „zufällige“ Wirkungen zu verstehen. Außerdem empfahl er, zur Bewertung der medizinischen Wirksamkeit an mehreren Patienten klinische (menschliche) Versuche zu wiederholen; Arzneimitteltests an Tieren seien nicht ausreichend, um die Wirkungen beim Menschen festzustellen. Ibn Sina interessierte sich stark für psychiatrische Zustände, von Halluzinationen und Depressionen bis zum Verhalten von Schlaganfallbetroffenen. Natürlich hat der Kanon Schwächen. Beispielsweise schrieb Ibn Sina, das Herz habe drei statt zwei Ventrikel.
Der Historiker Lawrence Conrad schreibt, der Kanon „behandle die verschiedenen Bereiche der Medizin mit einer Präzision und Sorgfalt, die über Hunderte von Jahren einen maßgeblichen Einfluss auf das Fach ausübten, und sei eine der eindrucksvollsten und dauerhaftesten Leistungen der islamischen Wissenschaft". Der kanadische Arzt William Osler bezeichnete Ibn Sina als „Autor des berühmtesten medizinischen Lehrbuchs aller Zeiten“ und bemerkte, der Kanon habe sich als „medizinische Bibel“ länger als jedes andere Werk gehalten.
Beschreibung des Beitragsbildes: Innere Organe nach Ibn Sinas Kanon der Medizin, veröffentlicht in Ishfahan im Iran.
Im Beitrag erwähnte historische Personen: Hippocrates of Cos (460 v. Chr.–377 v. Chr.), Aristotle (384 v. Chr.–322 v. Chr.), Galen of Pergamon (129–199), Abu Bakr Muhammad ibn Zakariya al-Razi (865–925), Abu ‘Ali al-Husayn ibn ‘Abd-Allah Ibn Sina (Avicenna) (980–1037)
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