Doppelt zielgerichtete CAR-T-Zelltherapie gegen EGFR und IL13Ra2 macht Hoffnung beim Glioblastom

In diesem Artikel
Erste vielversprechende Ergebnisse einer CAR-T-Zelltherapie beim Glioblastom
Für das Glioblastoma multiforme (GBM), den häufigsten primären Hirntumor bei Erwachsenen, wurde eine neuartige CAR-T-Zelltherapie mit zwei Zielstrukturen entwickelt. Sie führte bei 85% der therapieresistenten Patienten zu einer Tumorverkleinerung. Bei diesem aggressiven Hirntumor, für den lange Zeit nur vorübergehend wirksame Lösungen zur Verfügung standen, könnten die Ergebnisse einen Durchbruch immunbasierter Therapien markieren.
Dieser innovative Ansatz nutzt EGFR-Epitop 806 und IL13Ra2 als zwei unterschiedliche Oberflächenziele, die gleichzeitig von bivalenten CAR-T-Zellen erkannt werden. Die Behandlung wurde erstmals direkt in die Hirnventrikel der Patienten injiziert (ICV – intraventrikulär) und stellte auch in dieser Hinsicht eine Neuerung dar.

🧪 Die Studie im Überblick:
- Teilnehmer: 18 Patienten mit therapieresistentem Glioblastom
- Behandlung: Nach der Operation wurde eine einzelne Dosis CAR-T-Zellen über den ICV-Zugang direkt in die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit verabreicht
- Ergebnisse:
- Von 13 Patienten mit messbarer Erkrankung zeigten 11 (85%) eine Abnahme des Tumorvolumens
- Die größte Verkleinerung betrug 62%
- 1 Patient zeigte ein partielles Ansprechen (PR); bei 1 Patienten blieb die Erkrankung 17 Monate lang stabil.
- CAR-T-Zellen waren 12 Monate lang in der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit nachweisbar
- Bei allen Patienten traten vorübergehend Fieber und neurologische Nebenwirkungen auf; schwere Nebenwirkungen waren begrenzt (Grad 4 bei nur 1 Patienten)
🧭 Warum ist das wichtig?
Das Glioblastom ist der häufigste Hirntumor bei Erwachsenen und biologisch besonders aggressiv. Trotz Standardbehandlung erleiden die meisten Patienten innerhalb von 6–9 Monaten einen Rückfall, und das Gesamtüberleben überschreitet selten 1 Jahr. Der Bedarf an neuen Behandlungsstrategien ist deshalb größer denn je.
Dr. Stephen Bagley leitete diese Phase-1-Studie. Die darin erreichte Tumorverkleinerungsrate von 85% gilt als Erfolg beim Glioblastom. Bislang waren CAR-T-Zelltherapien auf hämatologische Krebserkrankungen beschränkt; diese Studie liefert eines der ersten deutlichen Signale dafür, dass CAR-T-Zellen auch gegen solide Tumoren wirksam sein können.
🌐 Was ist geplant?
- Eine Version der CAR-T-Zellen mit 3 Zielstrukturen ist in Entwicklung, um eine längere Persistenz im Gehirn zu erreichen
- Im kommenden Jahr soll die Behandlung auch bei neu diagnostizierten Patienten in besserem Allgemeinzustand erprobt werden
- Die Nachfrage von Patienten nach einer Teilnahme an der Studie übersteigt das verfügbare Angebot um mehr als das 10-Fache; sogar aus weit entfernten US-Bundesstaaten werden Patienten überwiesen
💬 Expertenkommentar:
„Zum ersten Mal seit Jahren sehen wir beim Glioblastom ein eindeutiges Tumoransprechen. Dies ist nicht nur eine Behandlung, sondern ein Wendepunkt, der zeigt, dass das Immunsystem nun auch Hirntumoren erreichen kann.“
— Dr. Stephen Bagley, University of Pennsylvania
📌 Fazit:
„Kalte Tumoren“ wie das Glioblastom geraten nun in das Blickfeld des Immunsystems. Diese neue doppelt zielgerichtete CAR-T-Zelltherapie gegen EGFR und IL13Ra2 könnte den lange ersehnten Hoffnungsschimmer für das Glioblastom entzündet haben.
Quellen
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