Eine neue Ära der Bildgebung mit ImmunoPET – Präzise Diagnostik am Beispiel von Nierenkrebs

In diesem Artikel
Nierenkrebs: Diagnostische Schwierigkeiten und bisherige Ansätze
Die häufigste Nierenkrebsart, das klarzellige Nierenzellkarzinom (RCC), ist für 90% aller nierenkrebsbedingten Todesfälle verantwortlich und kann dennoch schwer zu diagnostizieren sein. Mit Standardverfahren wie Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) und Ultraschall lässt es sich nicht ohne Weiteres von anderen Nierenraumforderungen unterscheiden. Auch Bluttests wie die Liquid Biopsy reichen nicht aus, um die Erkrankung auszuschließen. Deshalb werden die meisten Patienten mit RCC-Verdacht ohne vorherige diagnostische Biopsie direkt einer Operation zugeführt.
Aufgrund diagnostischer Unsicherheit werden viele Patienten mit kleinen, aber gutartigen oder langsam wachsenden Tumoren unnötig operiert. Dies ist besonders für ältere Menschen und Patienten mit Begleiterkrankungen riskant. Lange Erholungszeiten und Komplikationen nach der Operation sind für diese Gruppe erhebliche Probleme. Genauere Diagnoseverfahren könnten helfen, unnötige Eingriffe zu vermeiden.
ImmunoPET: Ein neuer diagnostischer Ansatz
Die in der Nuklearmedizin eingesetzte ImmunoPET-Bildgebung hat in den letzten Jahren insbesondere die Versorgung bei Prostata- und neuroendokrinen Tumoren revolutioniert. Ihre Anwendung zur Nierenkrebsdiagnostik wird ebenfalls untersucht. Ihr wichtigster Vorteil ist, dass sie an spezifische Biomarker auf der Zelloberfläche bindet und Krebszellen dadurch mit hoher Sensitivität und Spezifität nachweisen kann.
Zu den neuesten Entwicklungen zählt die Verwendung eines radioaktiven Antikörpers gegen den Zelloberflächenmarker Carboanhydrase 9 (CAIX), nämlich [89Zr]Zr-Girentuximab .
Das Zelloberflächenmolekül CAIX ist beim klarzelligen RCC überexprimiert. Klinische Studien zeigten, dass sich Nierenkrebs mit diesem Verfahren erfolgreich von anderen Nierenraumforderungen unterscheiden lässt.
Ergebnisse der Studie mit [89Zr]Zr-Girentuximab
Ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Brian Shuch führte eine prospektive, offene, multizentrische Phase-3-Studie mit 300 Patienten durch, deren Nierenraumforderungen kleiner als 7 cm waren. Die Ergebnisse lassen sich so zusammenfassen:
- Sensitivität: 85,5% (95% KI: 81,5%–89,6%)
- Spezifität: 87,0% (95% KI: 81,0%–93,1%)
- Positiver Vorhersagewert: 93%
- Alle falsch positiven Tumoren waren andere maligne Erkrankungen, beispielsweise papilläre Karzinome.
Unnötige Operationen könnten vermieden werden
Die Befunde zeigen, dass ImmunoPET nicht nur die RCC-Diagnose ermöglichen, sondern auch die Zahl unnötiger Biopsien und Operationen erheblich verringern könnte. Durch die Untersuchung der CAIX-Expression im ganzen Körper könnte das Verfahren zudem zur Stadieneinteilung und zum Nachweis einer metastatischen Ausbreitung dienen.
Praktischer Nutzen für die Patientenversorgung
ImmunoPET kann insbesondere bei jungen Patienten mit kleinen Läsionen falsche Behandlungsentscheidungen verhindern. Bei einer jungen Frau erkannte die Untersuchung beispielsweise ein fettarmes Angiomyolipom als gutartigen Tumor korrekt. Sie vermied dadurch unnötige Operationen und konnte mit dem Wissen weiterleben, dass erst bei erheblicher Tumorgröße eine Behandlung nötig wäre.
Die folgenden Abbildungen zeigen vier Patientenbeispiele zur Wirksamkeit der [89Zr]Zr-Girentuximab-PET-CT bei der Diagnose von Nierenläsionen. Für jeden Patienten sind diagnostische CT links, PET in der Mitte und fusionierte PET-CT rechts dargestellt. Pfeile markieren die Lage der Läsionen.


Erläuterung:
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Fall (A):
- Patient: 40-jähriger Mann.
- Läsion: Läsion von 12 mm Durchmesser im oberen Bereich der rechten Niere.
- PET-Ergebnis: Positive [89Zr]Zr-Girentuximab-PET.
- Histopathologie: Als klarzelliges Nierenzellkarzinom (RCC) bestätigt.
-
Fall (B):
- Patientin: 53-jährige Frau.
- Läsion: Läsion von 62 mm Durchmesser im mittleren Bereich der linken Niere.
- PET-Ergebnis: Negative [89Zr]Zr-Girentuximab-PET.
- Histopathologie: Als gutartige Läsion bestätigt.
-
Fall (C):
- Patientin: 63-jährige Frau.
- Läsion: Läsion von 62 mm Durchmesser im mittleren Bereich der rechten Niere.
- PET-Ergebnis: Negative [89Zr]Zr-Girentuximab-PET.
- Histopathologie: Als papilläres Nierenzellkarzinom, also bösartig, bestätigt.
-
Fall (D):
- Patientin: 59-jährige Frau.
- Läsion: Läsion von 57,5 mm Durchmesser in der linken Niere.
- PET-Ergebnis: Negative [89Zr]Zr-Girentuximab-PET.
- Histopathologie: Als klarzelliges Nierenzellkarzinom bestätigt.
Die Aufnahmen verdeutlichen sowohl die Möglichkeiten der [89Zr]Zr-Girentuximab-PET zur Charakterisierung von Nierentumoren als auch ihre diagnostischen Grenzen. Insbesondere waren manche malignen Läsionen, etwa in den Fällen C und D, PET-negativ. Dies zeigt die Einschränkungen des CAIX-Markers. Ein positives PET-Ergebnis wie in Fall A ermöglichte dagegen mit hoher Genauigkeit die RCC-Diagnose.
Ausblick und theranostische Ansätze
Radioaktive Antikörper wie [89Zr]Zr-Girentuximab eröffnen theranostische Anwendungen, die neben diagnostischen auch therapeutische Zwecke verfolgen könnten. CAIX-gerichtete Strahlentherapien könnten durch eine hohe Strahlenwirkung in den exprimierenden Zellen Krebszellen zerstören. Dies könnte neue Möglichkeiten zur Behandlung des metastasierten RCC eröffnen.
ImmunoPET und die Zukunft der Standardversorgung
Bei einer FDA-Zulassung dieser Technologie könnte ImmunoPET zum neuen Standard der Nierenkrebsdiagnostik werden. Angesichts der Grenzen bisheriger radiologischer Verfahren und Biopsien wird [89Zr]Zr-Girentuximab die Effizienz der Versorgung und die Patientenergebnisse durch eine frühe, präzise RCC-Diagnose verbessern.
Quellen
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