Einsamkeit erhöht bei Männern mittleren Alters das Krebsrisiko

Eine 20-jährige Studie in Finnland ergab, dass Einsamkeit bei Männern mittleren Alters das Krebsrisiko erhöht und ein lediger Familienstand zum Zeitpunkt der Diagnose zu schlechteren Ergebnissen und einer ungünstigeren Prognose, also einem schlechteren Krankheitsverlauf, führt.
Außerdem zeigte sich, dass Einsamkeit zwar mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden war, soziale Isolation jedoch nicht.
Die an der Studie beteiligte Doktorandin Siiri-Liisi Kraav von der Universität Ostfinnland sagte, es sei unklar, warum Einsamkeit stärker als soziale Isolation mit Krebs zusammenhängt. Einsamkeit als länger andauernder Prozess könnte jedoch mit Krebs verbunden sein. „Für viele Menschen ist ihr Maß an sozialen Beziehungen, also sozialer Isolation, zufriedenstellend und verursacht nicht unbedingt Leid. Einsamkeit wird dagegen durch Unzufriedenheit mit der Situation definiert.“
Krav sagte, es sei unklar, warum Einsamkeit eher zu einem höheren Krebsrisiko führen könnte; eine mögliche Erklärung sei jedoch Inflammation beziehungsweise Entzündung.
Kraav sagte: „Einsamkeit hat viele negative Auswirkungen auf die Gesundheit; die erhöhte Krebsrate ist nur eine davon. Deshalb könnte es wichtig sein, wirksame Maßnahmen gegen Einsamkeit zu entwickeln, diese negativen Auswirkungen zu verhindern und routinemäßig auf Einsamkeit zu untersuchen.“
Die im Mai 2021 in Psychiatry Research veröffentlichte Studie wurde mit 2570 Männern im Alter von 42-61 Jahren durchgeführt. Nach durchschnittlich 20,4 Jahren wurde berichtet, dass 649 Männer der Studie (25,3%) an Krebs erkrankt und 283 daran gestorben waren. Bei der Diagnose waren die Männer im Durchschnitt etwa 70 Jahre alt. Am häufigsten traten Prostata- (9,2%), Lungen- (3,4%) und kolorektaler Krebs (3,1%) auf. Außerdem wurde berichtet, dass die an Krebs erkrankten Patienten im Vergleich zu den anderen gesunden Teilnehmern älter waren und mehr Alkohol und Tabak konsumierten.
Die ebenfalls an der Forschung beteiligte Professorin Julianne Holt-Lunstand von der Brigham Young University in Utah sagte: „Es gibt viele Studien, die sowohl soziale Isolation als auch Einsamkeit mit der Gesamtsterblichkeit und kardiovaskulären Ergebnissen in Verbindung bringen; krebsspezifische Studien sind jedoch seltener.“ Holt-Lunstand erklärte außerdem, die gesundheitlichen Auswirkungen der Einsamkeit und sozialen Isolation, die durch die von der durch das neue Coronavirus (SARS-CoV-2) ausgelösten Erkrankung Covid-19 verursachte Pandemie hervorgerufen wurden, würden noch „viele kommende Jahre lang“ nicht vollständig verstanden werden.
Während wir hoffen, dass die große Mehrheit der Menschen Immunität gegen das Coronavirus entwickelt oder sich erholt, befürchten wir, dass zumindest ein Teil der Bevölkerung den chronischen biopsychosozialen Folgen der Pandemie ausgesetzt sein wird. Deshalb sollten wir dieses Thema weiter erforschen und der öffentlichen Gesundheit Priorität einräumen.
Zusammenfassend sehen wir, dass die zuletzt auch durch die Covid-19-Pandemie veränderten Lebensweisen psychische Belastungen mit sich bringen. Diese vor 20 Jahren begonnene Studie könnte es ermöglichen, die langfristigen Probleme abzuschätzen, die insbesondere in dieser Zeit durch fehlenden Kontakt bei alleinlebenden Menschen entstehen. Wir sollten nicht außer Acht lassen, dass die Studie gerade jetzt viele Fragen beleuchtet und Bewusstsein geschaffen hat. Auf ihrer Grundlage sollten künftig außerdem wesentlich umfangreichere Untersuchungen durchgeführt werden.
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