Erhöhen hochverarbeitete Lebensmittel das Lungenkrebsrisiko?

In diesem Artikel
Überraschender Zusammenhang zwischen Lungenkrebs und Ernährung
Fest zu unserem Alltag gehören inzwischen verpackte Snacks, Fertiggerichte, zuckerhaltige Getränke und verarbeitete Fleischprodukte...
Wie harmlos sind diese praktisch und lecker wirkenden Produkte tatsächlich?
Eine am 29. Juli 2025 in Thorax veröffentlichte neue umfassende wissenschaftliche Studiezeigte, dass solche Lebensmittel das Lungenkrebsrisiko deutlich erhöhen könnten .
Die große Langzeitstudie beobachtete bei 101.732 Erwachsenen Ernährungsgewohnheiten und Lungenkrebsentstehung durchschnittlich über 12 Jahre .
Die Ergebnisse waren auffällig: Bei höchstem Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel war das Lungenkrebsrisiko um 41 % höher.
📈 Studienumfang: Wer aß wie viel wovon?
- 👥 Teilnehmerzahl: 101.732
- ⏳ Nachbeobachtung: Durchschnittlich 12.2 Jahre
- 🫁 Lungenkrebsfälle insgesamt: 1.706
- 🔹 NSCLC (nichtkleinzelliger Lungenkrebs): 1.473 (86.3 %)
- 🔹 SCLC (kleinzelliger Lungenkrebs): 233 (13.7 %)
- 🥣 Durchschnittlicher täglicher Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel: 2.8 Portionen (breite Spanne von 0.5–6)
Zu den häufigsten Produkten gehörten Salami, kalorienreduzierte Softdrinks und Weißbrot .
🧪 Was sind hochverarbeitete Lebensmittel?
Nach der NOVA-Klassifikation sind dies industriell verarbeitete Produkte, deren ursprüngliche Lebensmittelstruktur weitgehend verändert ist.
Sie sind mit Zusatzstoffen, Süßstoffen, Konservierungsstoffen und synthetischen Bestandteilen angereichert, lange haltbar und meist intensiv beworben.
- 🍦 Eis, Frischkäse, Margarine
- 🍪 Verpackte Kuchen, Kekse, Chips, Frühstückscerealien
- 🍜 Instantnudeln, Fertigsuppen und -soßen
- 🍔 Fast Food: Hamburger, Pizza, Hotdogs
- 🥤 Zuckerhaltige oder künstlich gesüßte Getränke
🚬 Auch bei Nichtrauchern erhöhtes Risiko
Rauchen ist die wichtigste Lungenkrebsursache, doch die Studie zeigt, dass hochverarbeitete Lebensmittel ein unabhängiger Risikofaktor sein könnten .
Besonders bei Nichtrauchernist der Zusammenhang dieser Ernährung mit Lungenkrebs deutlicher.
Dies betont die Bedeutung von Lebensstilfaktoren – besonders der Ernährung – für Krebs ohne Tabakbezug.
📊 Risikoanstieg in Zahlen
Die Teilnehmenden wurden nach energieadjustiertem täglichem Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel (UPF) in vier Gruppen eingeteilt.
Gegenüber der niedrigsten Konsumgruppe zeigte die höchste:
- 📈 41 % höheres Lungenkrebsrisiko (HR=1.41; 95 % KI: 1.22–1.60)
- 📌 37 % höheres NSCLC-Risiko (HR=1.37; 95 % KI: 1.20–1.58)
- 📌 44 % höheres SCLC-Risiko (HR=1.44; 95 % KI: 1.03–2.10)
Die Berechnungen berücksichtigten Alter, Geschlecht, ethnische Zuordnung, Diabetes, Bluthochdruck, Alkohol, Körpermassenindex, körperliche Aktivität und Ernährungsqualität (HEI-2015) sowie weitere Einflussgrößen.
🧬 Mögliche Mechanismen: Woher kommt der Schaden?
Ein mögliches erhöhtes Lungenkrebsrisiko lässt sich durch folgende Mechanismen erklären:
- 🧂 Ungünstiges Nährstoffprofil: Wenig Ballaststoffe/Mikronährstoffe, viele Kalorien und zugesetzter Zucker
- 🔥 Entzündung und Blutzuckerschwankungen: Können über erhöhte Insulinresistenz chronische Entzündung verursachen
- ⚗️ Zusatzstoffe: Glutamat oder Carrageen könnten Immunsystem und Zellstoffwechsel ungünstig beeinflussen
- 🧪 Kontaminanten: Toxine wie Acrolein können mitochondriale DNA-Schäden und zelluläre Stressreaktionen auslösen
- 📦 Verpackungseinfluss: Chemikalien wie PCB könnten über Östrogenrezeptoren Tumorwachstum anregen
🔬 Wissenschaftliche Stärken und Grenzen
Stärken:
- ✅ Große Stichprobe (mehr als 100.000 Teilnehmende)
- 📆 Mehr als 12 JahreNachbeobachtung
- 🧾 Pathologisch bestätigte eindeutige Krebsdiagnosen
- 🥗 Ausführliche Ernährungsanamnese
- 📊 Umfangreiche statistische Adjustierung
Grenzen:
- ❗ Kausalität nicht beweisbar (Beobachtungsstudie)
- 🕒 Ernährungsfragebogen beruht auf einem einzigen Zeitpunkt der Erhebung
- 🚬 Für manche Variablen wie Rauchintensität ist unzureichende Adjustierung möglich
🎯 Was tun? Botschaft für die öffentliche Gesundheit
Die Studie zeigt, dass Ernährungsgewohnheiten neben Adipositas und Herzerkrankungen auch tödliche Erkrankungen wie Lungenkrebs beeinflussen könnten.
Obwohl eine Bestätigung in anderen Bevölkerungen nötig ist, sind die Befunde ein wichtiger gesundheitspolitischer Warnhinweis :
Weniger hochverarbeitete Lebensmittel könnten nicht nur gesundes Gewicht erhalten, sondern auch das Krebsrisiko senken.
Quellen
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