FOLFIRI und Altuzan (Bevacizumab) bei Darmkrebs

In diesem Artikel
FOLFIRI + Bevacizumabverbindet bei metastasiertem kolorektalem Karzinom (mCRC) Irinotecan/5-FU/Folinsäure mit dem Anti-VEGF-Antikörper Bevacizumab . Multizentrische Studien zeigten Vorteile beim progressionsfreien Überleben (PFS) und Gesamtüberleben (OS) als Strategie in der 1. oder späteren Linie. Ziel ist die gleichzeitige Hemmung von Tumorvermehrung und Angiogenese.
- Irinotecan: Wird in der Leber durch CYP3A4 zum aktiven Metaboliten SN-38 umgewandelt. Hemmt Topoisomerase I, erzeugt DNA-Einzelstrangbrüche und stoppt den Zellzyklus.
- 5-Fluorouracil: Hemmt die Thymidylatsynthase und damit DNA-Synthese; stört RNA-Synthese.
- Folinsäure: Stabilisiert die Bindung von 5-FU an Thymidylatsynthase und verstärkt so die 5-FU-Wirkung.
- Bevacizumab: Neutralisiert den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor A (VEGF-A), hemmt neue Tumorgefäße, senkt Gefäßdurchlässigkeit und kann die Chemotherapiepenetration verbessern.
- Tumorlast verringern und Leben verlängern (OS-/PFS-Gewinn).
- Symptome wie Schmerzen, Blutung und Verschluss kontrollieren und Leistungsfähigkeit verbessern.
- Bei geeigneten Fällen die Chance auf Konversion/Resektabilität erhöhen, besonders bei begrenzten Lebermetastasen.
- Für langfristige Kontrolle Erhaltung (5-FU±Bevacizumab) und gegebenenfalls Therapiesequenzierung planen.
- mCRC 1. Linie: Eine anti-VEGF-basierte Kombination unabhängig vom RAS/BRAF-Status je nach klinischem und molekularem Zusammenhang. Bei linksseitigem RAS-Wildtyp Vergleich mit Anti-EGFR, bei rechtsseitigem/RAS-mutiertem Tumor oft Anti-VEGF sinnvoller. Mit starker Evidenz als 1. Linie bei metastasiertem kolorektalem Krebs empfohlen.
- Spätere Linien: FOLFIRI-Bev kann je nach Vorbehandlung und Toxizität in die Sequenz eingeordnet werden.
- Leitlinien: NCCN (v.2025) und ESMO (2022) empfehlen es mit starker Evidenz.
- Bei kolorektalem Karzinom werden Bevacizumab und die FOLFIRI-Bestandteile von der SGK erstattet.
- Die Erstattung erfordert passende Berichts-/Indikationsangaben, Therapielinie, ECOG und metastasierte Erkrankung als Bedingungen.
- Bevacizumab ist unter Altuzan, Zibarev, Mvası und Bevax erhältlich.
- Bevacizumab: 5 mg/kg IV, meist vor Chemotherapie; zuerst 90 Minuten, danach 30–60 Minuten.
- Irinotecan: 180 mg/m² IV über 90 Minuten (1. Tag).
- Leucovorin: 400 mg/m² IV über 2 Stunden (1. Tag, gemeinsame Gabe über Y-System möglich).
- 5-Fluorouracil (Bolus): 400 mg/m² IV (1. Tag).
- 5-Fluorouracil (Infusion): 2400–3000 mg/m² über 46 Stunden mit tragbarer Pumpe.

- Labor: Blutbild, Kreatinin/eGFR, AST/ALT/ALP/Bilirubin, Elektrolyte. Im Urin Protein per Teststreifen ± 24-Stunden-Protein für Bev.
- Vitalwerte: Blutdruck vor Bev, Gewicht und ECOG-Leistungsstatus.
- UGT1A1-Bewertung: Bei früher schwerer 5-FU-/Irinotecan-Toxizität oder Ikterus/Hyperbilirubinämie kann ein UGT1A1*28 -Test erwogen werden. Bei *28/*28 kann niedriger begonnen werden, etwa 120–150 mg/m².
- Bildgebung: Ausgangs-CT/MRT; Ansprechen alle 8–12 Wochen prüfen.
- Überwachung: Vor jedem Zyklus Blutbild, Chemie und Blutdruck; bei Proteinurie alle 1–2 Zyklen erneut.
- Akute cholinerge Irinotecan-Symptome wie Bauchkrämpfe, Schwitzen und vermehrter Speichelfluss: während der Infusion rasch mit Atropin kontrollieren.
- Verzögerter Durchfall: Früh und konsequent Loperamid; Flüssigkeit gegen Dehydratation und Elektrolytverlust.
- Pumpenmanagement: 46-stündige 5-FU-Infusion; Leitungsversorgung, Flusskontrolle und Schulung zu Verstopfung/Hautreizung.
- Bluthochdruck und Proteinurie: Vor Bevacizumab BP <140/90; bei Proteinurie wiederholt 24-Stunden-Messung.
- Operationsplanung: Zwischen Bevacizumab und invasiven Eingriffen ≥6 Wochen Abstand.
- Irinotecan: CYP3A4-Hemmer wie Azol-Antimykotika und Makrolide können Toxizität erhöhen. CYP3A4-Induktoren wie Rifampicin und Phenytoin können die Wirkung senken.
- 5-Fluorouracil: Kann mit Warfarin den INR erhöhen. Mit Brivudin oder Sorivudin besteht tödliche Toxizitätsgefahr; die Kombination ist kontraindiziert.
- Bevacizumab: Zusammen mit Antikoagulanzien oder Plättchenhemmern kann das Blutungsrisiko steigen.
- Hyperbilirubinämie/Cholestase: Bilirubin 1.5–2× ULN → Irinotecan um 20–25 % verringern; >2× ULN → Irinotecan nicht empfohlen/nur äußerst vorsichtig.
- Ältere/gebrechliche Patienten: Niedrigeres Irinotecan oder Weglassen des 5-FU-Bolus erwägen.
- Thromboembolie in der Vorgeschichte: Blutungs-/Thromboserisiko unter Bevacizumab abwägen, Antikoagulation individualisieren.
- Schwangerschaft: Bevacizumab ist kontraindiziert; im gebärfähigen Alter wirksam verhüten.
| Situation | Empfehlung | Hinweis |
|---|---|---|
| Neutropenie G3–4 oder febrile Neutropenie | Zyklus verschieben; Irinotecan um 20–25 % verringern; 5-FU-Bolus weglassen/verringern; G-CSF-Prophylaxe prüfen | Bei ANC ≥1500/mm³ und klinischer Stabilität fortsetzen |
| Durchfall G≥3 (verzögert) | Zyklus verschieben; Flüssigkeit + Loperamid ± Octreotid; nach Besserung Irinotecan um 20 % verringern und/oder 5-FU-Bolus weglassen | Elektrolyte überwachen, bei Wiederauftreten weiter reduzieren |
| Schwere Mukositis/Dermatitis (5-FU) | Vorübergehend stoppen; nach Besserung 5-FU um 20–25 % verringern | Mundpflegeprotokoll |
| Bevacizumab: Bluthochdruck G≥3 | Bis Kontrolle verschieben; Blutdrucktherapie optimieren | Bei Refraktärität Absetzen erwägen |
| Proteinurie ≥2 g/24 h | Bevacizumab pausieren; nach Besserung neu beurteilen | Nephrologische Beurteilung |
| Magen-Darm-Perforation/schwere Blutung/PRES | Bevacizumab dauerhaft absetzen | Sofortige Behandlung |
Genaue Anpassungen müssen nach Klinikprotokoll und Patientenmerkmalen individuell erfolgen.
Irinotecan
| Häufigkeit | Nebenwirkung | Hinweis |
|---|---|---|
| >20% | Verzögerter Durchfall | Hochdosis-Loperamid-Algorithmus, Flüssigkeit, früh beginnen |
| >20% | Neutropenie | Blutbild eng kontrollieren; bei hohem Risiko G-CSF-Prophylaxe |
| 10–20 % | Akutes cholinerges Syndrom | Während Infusion Atropin 0.25–1 mg SC/IV |
| 1–10 % | Übelkeit/Erbrechen, Alopezie, Transaminasen ↑ | Antiemetikum und Unterstützung |
| <1% | Interstitielle Lungenerkrankung | Bei Atemnot/Husten CT und Therapiepause |
5-Fluorouracil
| Häufigkeit | Nebenwirkung | Hinweis |
|---|---|---|
| >20% | Mukositis, Hand-Fuß-Syndrom | Mundpflege; Harnstoff-/Salicylsäurecremes |
| 10–20 % | Durchfall/Übelkeit/Erbrechen | Frühe Symptombehandlung |
| 1–10 % | Myelosuppression, Ausschlag | Dosis überprüfen |
| <1% | Kardiotoxizität (ischämisch) | Bei Brustschmerzen sofort absetzen und Kardiologie |
Bevacizumab
| Häufigkeit | Nebenwirkung | Hinweis |
|---|---|---|
| >20% | Bluthochdruck, leichtes Nasenbluten | Blutdruckkontrolle und lokale Maßnahmen |
| 10–20 % | Proteinurie, verzögerte Wundheilung | Teststreifen/24h; vor Operation ≥6 Wochen Pause |
| 1–10 % | Thromboembolie | Risiko und Prophylaxe abwägen |
| <1% | Magen-Darm-Perforation, schwere Blutung, PRES | Sofort beurteilen, dauerhaft absetzen |
Häufigkeiten können nach Studie und Kombination variieren.
FOLFIRI + Bevacizumabist bei passender Patientenauswahl und proaktivem Toxizitätsmanagement eine starke mCRC-Option. Frühe Kontrolle von Durchfall/Neutropenie und Bevacizumab-spezifischen Gefäßrisiken verbessert zusammen mit langfristiger Erhaltung (5-FU±Bev) und passender Therapiesequenzierung den Behandlungserfolg.
1) Hurwitz H, et al. Bevacizumab with chemotherapy in mCRC. N Engl J Med. 2004.
2) Tournigand C, et al. FOLFIRI vs FOLFOX in mCRC sequencing. J Clin Oncol. 2004 und Aktualisierungen.
3) NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology: Colon/Rectal Cancer, v.2025.
4) ESMO Guidelines: Metastatic Colorectal Cancer. Ann Oncol. 2022 und Aktualisierungen.
5) Grothey A, et al. Maintenance strategies with FP±Bevacizumab in mCRC. J Clin Oncol. 2012 und Aktualisierungen.
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