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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Jenseits von BRCA bei Brustkrebs: Olaparib bei erblichen PALB2- und somatischen BRCA-Mutationen

Jenseits von BRCA bei Brustkrebs: Olaparib bei erblichen PALB2- und somatischen BRCA-Mutationen
In diesem Artikel

Olaparib erwies sich nicht nur bei Menschen mit erblichen BRCA-Mutationen als wirksam, sondern auch bei PALB2-Mutationen und bei Patienten, in deren Tumor später eine BRCA-Mutation entstanden ist.

Klinische Bedeutung der Studie Bislang dachte man bei PARP-Inhibitoren (wie Olaparib) sofort an das Angelina-Jolie-Gen — so werden BRCA1 und BRCA2 oft bezeichnet. Fortschritte in der Genetik haben uns jedoch gezeigt, dass es noch andere Akteure gibt:
  • gPALB2: Eine erbliche Mutation, die häufig als „3. BRCA“ bezeichnet wird.
  • sBRCA (somatisches BRCA): BRCA-Mutationen, die bei der Geburt nicht in den Genen eines Menschen vorhanden sind, sondern erst später im Tumorgewebe entstehen.
Indem diese Studie die Wirksamkeit von Olaparib in diesen beiden Gruppen belegt, erweitert sie das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten.

Ergebnisse der erweiterten Kohorten von TBCRC 048

Die Phase-II-Studie TBCRC 048 untersuchte die Behandlung mit Olaparib (300 mg, 2-mal täglich), indem sie 54 neue Patienten mit metastasiertem Brustkrebs (unabhängig von der vorherigen Phase) in zwei Hauptgruppen einteilte.

Gruppe 1: Keimbahn-PALB2

24 Patienten

Patienten mit metastasierter Erkrankung und einer erblichen PALB2-Mutation.

Gruppe 2: somatisches BRCA

30 Patienten

Personen ohne erbliche BRCA-Mutation, bei denen im Tumor eine BRCA1/2-Mutation nachgewiesen wurde.

Ergebnisse: Wer profitiert?

1. Menschen mit einer gPALB2-Mutation (erblich)

Die Ergebnisse in dieser Gruppe waren mit einem Wort beeindruckend. Bei Patienten mit PALB2-Mutation zeigte Olaparib eine fast ebenso hohe Wirksamkeit wie bei Trägern von BRCA-Mutationen.

Objektive Ansprechrate (ORR) %75
Bei 75% der Patienten schrumpfte der Tumor
Rate des klinischen Nutzens (Woche 18) %83.3
%83.3

2. Menschen mit einer sBRCA-Mutation (somatisch/tumorbedingt)

Obwohl das Ansprechen in der somatischen BRCA-Gruppe bedeutsam war, war es nicht so hoch wie bei Trägern erblicher Mutationen. Auffällig war jedoch die recht lange Wirkdauer (11.2 Monate) bei den Patienten dieser Gruppe, die ansprachen.

Objektive Ansprechrate (ORR) %36.7
Bei 36.7% der Patienten schrumpfte der Tumor
Rate des klinischen Nutzens (Woche 18) %53.3
%53.3

Ausführliche Vergleichstabelle

Parameter gPALB2 (erblich) sBRCA (somatisch)
Medianes PFS (progressionsfreies Überleben) 9.4 Monate 5.5 Monate
Ansprechdauer (Median) 7.0 Monate 11.2 Monate (länger!)
Vollständiges Ansprechen (CR) 1 Patient 2 Patienten

Ein entscheidendes Detail: Biopsie oder Flüssigbiopsie?

Im somatischen BRCA-Arm der Studie (Cohort 2a) wurde ein sehr wichtiger Befund gewonnen. Entscheidend war, wie die somatische Mutation nachgewiesen wurde: Dies spielte eine zentrale Rolle bei der Vorhersage des Behandlungserfolgs.

Die Gewebebiopsie ist zuverlässiger
  • Nachweis im Tumorgewebe: Ansprechrate %50 (18/36 Patienten)
  • Nachweis durch Flüssigbiopsie (cfDNA im Blut): Ansprechrate %10 (1/10 Patienten)

Kommentar: BRCA-Mutationen, die ausschließlich im Blut (cfDNA) nachgewiesen werden, sind möglicherweise nicht die Haupttreibermutation des Tumors (etwa aufgrund klonaler Hämatopoese). Daher sollte die Analyse von Tumorgewebe bei Entscheidungen zu somatischem BRCA weiterhin der Goldstandard bleiben.

Kommentar der DRzdoGan Akademie

Diese Studie unterstreicht erneut nachdrücklich das Konzept der „personalisierten Onkologie“. Bei Brustkrebs reicht es nicht mehr aus, lediglich „Gibt es Krebs in Ihrer Familie?“ zu fragen und nur auf erbliche BRCA-Tests zu schauen.

Unsere Schlussfolgerungen:

  1. PALB2 sollte zur Routine gehören: Patienten mit einer PALB2-Mutation profitieren von PARP-Inhibitoren ebenso wie BRCA-Patienten. Diese Patienten nicht zu identifizieren bedeutet, eine Chance auf eine wirksame Behandlung zu verpassen.
  2. Tumorgenomik (NGS) ist unverzichtbar: Auch wenn im Blut des Patienten keine Keimbahnmutation vorliegt, kann im Tumor selbst eine somatische BRCA-Mutation vorhanden sein. Auch für diese Gruppe ist Olaparib eine bedeutsame Option.
  3. Die Herkunft des Testmaterials ist wichtig: Bei der Suche nach einer somatischen Mutation sollten wir nach Möglichkeit Tumorgewebe bevorzugen. Eine Flüssigbiopsie ist zwar praktisch, doch diese Studie zeigte, dass die prädiktive Aussagekraft der Gewebebiopsie höher ist.

Zusammengefasst: Genetische Kartierung ist bei metastasiertem Brustkrebs kein Luxus mehr, sondern eine Notwendigkeit, die die Therapieentscheidung verändert.

Literatur

  1. Tung NM, Robson ME, Li T, et al. TBCRC 048 (Olaparib Expanded) Expansion Cohorts: Phase II Study of Olaparib Monotherapy for Patients With Metastatic Breast Cancer With Germline Mutations in PALB2 or Somatic Mutations in BRCA1 or BRCA2. J Clin Oncol. 2026 Jan 28. DOI: 10.1200/JCO-25-02075.
  2. Tung NM, et al. TBCRC 048: Phase II Study of Olaparib for Metastatic Breast Cancer and Mutations in Homologous Recombination Repair (HRR) Genes. J Clin Oncol. 2020.
  3. NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology: Breast Cancer.
DROZDOGAN KI

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DROZDOGAN KI

Drozdogan-Assistent

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