Können Diabetesmedikamente Resistenzen bei Prostatakrebs überwinden? Die Wirkung von SGLT2-Hemmern

In diesem Artikel
SGLT2-Hemmer (Jardiance, Forxiga usw.), die die Diabetesbehandlung revolutioniert haben, erhöhten bei Patienten mit Prostatakrebs die Wirksamkeit der Hormontherapie (ADT) um 37 %. Die am 8. Januar 2026 in JAMA Oncologyveröffentlichte Studie liefert einen starken Beleg für die Neupositionierung vorhandener Medikamente (Repurposing) in der Onkologie.
Warum ist das wichtig?
Die Unterdrückung männlicher Geschlechtshormone durch Androgendeprivationstherapie (ADT) ist ein Grundpfeiler der Prostatakrebsbehandlung. Leider entwickeln Tumorzellen mit der Zeit eine Resistenz gegen diese Unterdrückung, und die Erkrankung schreitet fort (kastrationsresistentes Stadium).
Unsere Möglichkeiten, diese Resistenz zu überwinden oder hinauszuzögern, sind begrenzt. Deshalb ist es besonders spannend, dass nun die ursprünglich als Diabetesmedikamente eingesetzten SGLT2-Hemmer ins Spiel kommen. Sie senken möglicherweise nicht nur den Blutzucker, sondern bringen auch den Energiestoffwechsel des Tumors durcheinander und „hungern“ Krebszellen aus. Mit Daten von mehr als 14.000 Patienten macht diese Studie aus der Theorie eine überzeugende klinische Erkenntnis.
Studiendetails: 14.223 Patienten untersucht
Forschende der Universität Hongkong führten anhand elektronischer Gesundheitsakten aus den Jahren 1993-2025 eine umfangreiche Analyse durch (Target Trial Emulation). Eingeschlossen wurden 14.223 männliche Patienten mit diagnostiziertem Prostatakrebs unter Hormontherapie (ADT); das mediane Alter betrug 74 Jahre.
- Vergleich: Verglichen wurden Patienten, die während der Hormontherapie SGLT2-Hemmer einnahmen, mit Patienten ohne diese Medikamente.
- Fokus: Die Zeit bis zum „ADT-Versagen“, definiert als erneuter PSA-Anstieg oder notwendiger Wechsel zu neueren Medikamenten.
Bemerkenswerte Ergebnisse: Die Resistenzentwicklung verzögert sich!
Die Daten zeigten, dass die Erkrankung bei Patienten unter diesen Medikamenten deutlich langsamer fortschritt:
Detaillierte Analysen
- Weniger Resistenzen gegen neuere Medikamente: Der Vorteil beschränkte sich nicht auf die Erstlinientherapie. Auch das Risiko einer Resistenz gegen stärkere Medikamente bei fortgeschrittener Erkrankung (Abirateron, Enzalutamid usw.) sank um 56 % (HR: 0.44; P = .04).
- Der Unterschied nach 10 Jahren: Unter dem Medikament lag die kumulative Versagensrate nach 10 Jahren um 11.1 % niedriger. Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass Patienten über Jahre stabil bleiben können, ohne eine zusätzliche Behandlung zu benötigen.
- Der Unterschied zu Metformin: Auch das bewährte Metformin wurde untersucht. Anders als SGLT2-Hemmer konnte Metformin das Fortschreiten der Erkrankung (PSA-Anstieg) nicht aufhalten, bot aber einen Vorteil beim Gesamtüberleben (OS; HR: 0.59). Dies zeigt, dass die beiden Medikamente über unterschiedliche Mechanismen wirken.
Hinweis: Beim Gesamtüberleben (OS) zeigte sich zwar ein Trend zugunsten der SGLT2-Hemmer, dieser erreichte jedoch keine statistische Signifikanz. Der Erfolg bei der Krankheitskontrolle war dagegen eindeutig.
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.
Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.





Stoffwechsel und Krebs: ein neues Handlungsfeld
Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Studie erinnert uns erneut daran, dass wir in der Onkologie neben der Krebszelle auch den gesamten Stoffwechsel des Patienten berücksichtigen müssen.
Bedeutung für die klinische Praxis:
Unter Hormontherapie (ADT) beobachten wir häufig die Entstehung eines Diabetes oder die Verschlechterung eines bestehenden Diabetes. Diese Studie legt nahe, bei der Medikamentenwahl für Prostatakrebspatienten mit Diabetes vorrangig an SGLT2-Hemmer (Dapagliflozin, Empagliflozin) zu denken. Sie regulieren den Blutzucker, schützen das Herz und scheinen zudem die Resistenz des Tumors zu überwinden.
Auch wenn es sich um retrospektive Daten handelt, ist die biologische Grundlage, nämlich die Glukoseabhängigkeit des Tumors, sehr plausibel. Es wäre daher nicht überraschend, wenn diese Medikamente künftig als adjuvante Behandlung zu einem Standardbestandteil der Prostatakrebstherapie würden.