Neue Erkenntnisse zu kognitiven und Gehirnproblemen nach Covid-19

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Neue Untersuchungen zeigen, dass Patienten, die wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt wurden, nach der Entlassung kognitive und Verhaltensprobleme erleben.
Forscher beobachteten bei Covid-19-Patienten sowohl nach kurzen als auch nach langen Krankenhausaufenthalten kognitive Veränderungen, Depressionen und eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) nach der Entlassung.
Elisa Canu, Forscherin an der Abteilung für Neurowissenschaften, Forschungsstelle für Neurobildgebung, des wissenschaftlichen Instituts IRCCS San Raffaele in Mailand, Italien, sagte auf einer Pressekonferenz: „Wir haben gezeigt, dass kognitive und Verhaltensveränderungen innerhalb von 2 Monaten nach der Krankenhausentlassung mit der Covid-19-Infektion zusammenhängen und in der Phase nach Covid teilweise fortbestehen.“
Die Ergebnisse wurden auf dem virtuellen Kongress 2021 der Europäischen Akademie für Neurologie (EAN) vorgestellt.
Störungen der exekutiven kognitiven Funktionen nach Covid
Frühere Untersuchungen hatten Hinweise darauf geliefert, dass etwa 30% der Menschen nach überstandener Covid-19-Erkrankung kognitive Störungen und 30-40% psychopathologische Störungen wie Angstzustände und Depressionen aufweisen.
Diese Probleme wurden mit der Schwere der akuten Atemwegssymptome, einer durch die Infektion ausgelösten Neuroinflammation, zerebrovaskulären Veränderungen und / oder Neurodegeneration in Verbindung gebracht. Es ist jedoch unklar, ob diese Probleme in der Phase nach Covid fortbestehen.
Die Forscher untersuchten kognitive und psychopathologische Merkmale bei 49 Patienten, die sich in der Notaufnahme eines Krankenhauses vorgestellt hatten und bei denen Covid-19 bestätigt worden war. Sie untersuchten diese Faktoren nach 2 Monaten (subakute Phase) und nach 10 Monaten (Phase nach Covid).
Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 61 Jahre (40 – 75), und 73% waren Männer. Die meisten hatten mindestens einen kardiovaskulären Risikofaktor wie Bluthochdruck (55%), Rauchen (22%) oder Dyslipidämie (55%).
Bei der Krankenhausaufnahme hatten 71% einen auffälligen neurologischen Untersuchungsbefund, 59% eine Hypogeusie (verminderten Geschmackssinn), 45% eine Hyposmie (verminderten Geruchssinn), 39% Kopfschmerzen und 20% Verwirrtheit oder Schläfrigkeit. Bei 27% wurde während des Krankenhausaufenthalts eine nichtinvasive Beatmung eingesetzt.
Zusätzlich zu den kognitiven und neurologischen Untersuchungen unterzogen sich die Teilnehmer 2 Monate nach der Krankenhausentlassung einer MRT (Magnetresonanztomografie). Die Forscher erhoben Daten zum Volumen der grauen und weißen Substanz sowie zum gesamten Hirnvolumen.
2 Monate nach der Entlassung zeigten 53% der Patienten mindestens ein kognitives Defizit. Die meisten Defizite betrafen exekutive Funktionen, darunter Schwierigkeiten bei Planung, Aufmerksamkeit und Problemlösung (16%). Einige Teilnehmer hatten außerdem Gedächtnisprobleme (6%) oder visuell-räumliche Störungen (6%). Fast ein Viertel (23%) hatte sich mit einer Kombination von Symptomen einer exekutiven Funktionsstörung vorgestellt.
Mehr kognitive Defizite durch niedrigen Sauerstoffgehalt
Mehr als ein Drittel der Patienten (16%) zeigte Symptome von Depressionen und PTBS (18%). Patienten unter 50 Jahren hatten stärkere exekutive Funktionsstörungen; diese Symptome betrafen 75% der jüngeren Patienten. Elisa Canu erklärte: „Unsere Erklärung dafür lautet: Jüngere Menschen werden in einem schwereren Zustand ins Krankenhaus aufgenommen.“ Außerdem sagte Canu, dass die Patienten während ihres Krankenhausaufenthalts „ständig wachsam“ sein und strukturierte Interventionen für kognitive und Verhaltensprobleme erhalten könnten.
Schwerere Atemwegssymptome bei der Krankenhausaufnahme waren signifikant mit Defiziten während der subakuten Phase verbunden.
Canu: „Ein niedriger Sauerstoffgehalt im Gehirn kann zu Verwirrtheit und Kopfschmerzen führen und die von uns beobachteten kognitiven Probleme verursachen.“
Hyperintensitäten der weißen Substanz waren in dieser Phase mit kognitiven Defiziten verbunden (P < 0,001 für verbales Gedächtnis und verzögerten Abruf).
Canu: „Diese Läsionen der weißen Substanz könnten aufgrund der in dieser Patientengruppe vorhandenen kardiovaskulären Risikofaktoren bereits zuvor bestanden und die von uns beobachteten Gedächtnisstörungen verstärkt haben.“
Die Forscher fanden keinen signifikanten Zusammenhang zwischen kognitiver Leistung und Hirnvolumen. Canu wies darauf hin, dass kognitive und psychopathologische Probleme zusammenhängen. Beispielsweise könne ein Patient mit PTBS oder Depressionen Aufmerksamkeits- oder Gedächtnisprobleme haben.
In der Phase nach Covid gingen die kognitiven Symptome von 53% auf 36% zurück; die häufigsten Defizite waren wiederum kombinierte Symptome einer Funktionsstörung. Canu: „Wir wissen noch immer nicht, ob diese Veränderungen eine Folge der Infektion sind. Wir wissen auch nicht, ob sie reversibel oder Teil eines neurodegenerativen Prozesses sind.“
Die Forscher beabsichtigen, diese Patienten weiter zu beobachten. Canu sagte außerdem: „Wir brauchen auf jeden Fall eine längere Nachbeobachtung und, wenn möglich, größere Patientengruppen, um festzustellen, ob sich diese kognitiven und psychopathologischen Probleme in irgendeiner Weise bessern", sagte sie.
Die Studienergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer neuropsychologischen und neurologischen Nachbetreuung von Covid-19-Patienten. Abschließend fügte Canu hinzu, dass kognitives Stimulationstraining und körperliche Aktivität, vorzugsweise im Freien, hilfreich sein könnten.
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