Operation oder Strahlentherapie bei Prostatakrebs: Endet die Debatte?

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📌 Operation oder Strahlentherapie bei Hochrisiko-Prostatakrebs?
Die Frage nach der besten Behandlung bei Hochrisiko-Prostatakrebs gehört zu denen, die mir als Onkologe am häufigsten begegnen und die weiterhin besonders intensiv diskutiert werden. Die Unsicherheit erschwert Entscheidungen für Ärzte und Patienten. Mein Ansatz ist, solche komplexen Fragen anhand wissenschaftlicher Daten verständlich zu erklären. Die heute vorgestellte Studie ergänzt die Debatte um eine neue Perspektive.
Die in European Urology Oncology am 19. Juli 2025 veröffentlichte Studie untersucht den Mangel an belastbarer vergleichender Evidenz, obwohl Leitlinien radikale Prostatektomie (Operation) und Strahlentherapie + Androgendeprivation (ADT) als gleichwertige Möglichkeiten aufführen. Dafür führten Forschende Patientendaten zweier großer randomisierter Phase-3-Studien (NRG/RTOG 0521 und CALGB 90203) in einer gepoolten Analyse zusammen.
Als eine der bislang stärksten Evidenzgrundlagen zeigen die Ergebnisse bei Hochrisiko-Prostatakrebs, dass strahlentherapiebasierte Ansätze gegenüber Operation Vorteile bei der Krankheitskontrolle bieten könnten .
Warum fällt Strahlentherapie bei der Vermeidung von Fernmetastasen auf?
Die Analyse untersuchte insgesamt Daten von 1290 Patienten . Ein Teil erhielt Strahlentherapie mit langfristiger ADT, der andere radikale Prostatektomie und individuell angepasste adjuvante Behandlung.
- 32 % geringeres Fernmetastasenrisiko: Nach 8 Jahren lag die Fernmetastasenrate unter Strahlentherapie + ADT bei 15 %, nach Operation bei 22 % .

- Weniger biochemische Rückfälle: 32 % unter Strahlentherapie gegenüber 68 % nach Operation – nahezu ein doppelter Unterschied.

Dies spricht für einen wichtigen Vorteil der Strahlentherapie bei der Krankheitskontrolle. Doch damit endet die Debatte nicht.
⚖️ Warum ist die Debatte noch offen?
Trotz deutlicher Unterschiede bei Metastasen und Rückfällen bestand kein Unterschied im Sterberisiko nach Auftreten von Fernmetastasen. Das langfristige Überleben ist also bei beiden Ansätzen ähnlich. Um die „beste“ Behandlung eindeutig festzulegen, sind weitere Daten nötig.
👥 Individuelle Therapiewahl und multidisziplinärer Ansatz
Erneut gilt: Onkologische Entscheidungen beruhen nicht allein auf Statistik, sondern erfordern die Beurteilung des ganzen Menschen. Deshalb empfehle ich Hochrisikopatienten ausdrücklich eine Vorstellung sowohl bei einem urologischen Onkologen als auch einem Strahlentherapeuten .
- Alter und Gesundheitszustand: Für einen 75-jährigen Menschen mit aggressivem Tumor kann eine Operation sehr belastend sein, während sie für einen gesunden 65-jährigen Mann weiterhin erste Wahl sein könnte.
- Behandlungserfahrung: Nach Operation treten Harninkontinenz und sexuelle Funktionsstörungen häufiger als nach Strahlentherapie auf. Für viele ist das bei der Entscheidung ausschlaggebend.
🔮 Was ist als Nächstes zu erwarten?
Die Analyse spricht deutlich für Strahlentherapie, doch die Bedeutung der Operation bleibt unbestritten. Künftig werden laufende randomisierte Studien wie SPCG-15 mit direktem Vergleich beider Verfahren klarere Antworten liefern. Bis dahin müssen wir unseren Patienten einen ehrlichen, transparenten und individuellen Behandlungsweg aufzeigen.
Schlussgedanke: Die beste onkologische Entscheidung beruht neben Zahlen auf einer multidisziplinären Beurteilung von Alter, Tumorbiologie, Begleiterkrankungen und Erwartungen an das Leben. Krebsbehandlung ist ein langer Marathon; jeder Schritt muss sorgfältig geplant werden.
Quellen
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