Pares rationale Chirurgie 1545 – Der Weg von der Wundversorgung zur modernen Chirurgie

Der französische Chirurg Ambroise Paré gehört zu den berühmtesten Chirurgen der europäischen Renaissance. Der Chirurg und Biograf Geoffrey Keynes schrieb: "Ambroise Paré befreite die Chirurgie dank seiner Persönlichkeit und seines unabhängigen Geistes von der toten Hand des Glaubens. Zu seinen Lebzeiten gab es in keinem anderen Land einen vergleichbaren Praktiker, und sein Einfluss war in ganz Europa zu spüren. Mit seinen gesammelten Werken hinterließ er seiner eigenen Kunstfertigkeit und Menschlichkeit ein Denkmal, das in der Geschichte der Chirurgie seinesgleichen sucht." Parés bescheidene Überzeugung bei der Patientenversorgung lautete: "Ich verband ihn, Gott heilte ihn".
Paré lebte in einer Zeit, in der Ärzte die Chirurgie häufig als unter ihrer Würde betrachteten und das Schneiden am Körper den weniger angesehenen "Barbierchirurgen" überließen. Paré erhöhte jedoch das Ansehen der Chirurgen und verbreitete sein chirurgisches Wissen, indem er auf Französisch statt im traditionellen Latein schrieb.
Paré machte seine erste bedeutende medizinische Entdeckung bei der Behandlung von Schusswunden, die als giftig galten und üblicherweise durch das Übergießen mit kochendem Öl behandelt wurden, um die Wunde auszubrennen. Eines Tages ging Paré das Öl aus, und er musste mit einer terpentinhaltigen Salbe improvisieren. Am nächsten Tag stellte er fest, dass die mit kochendem Öl behandelten Soldaten unter geschwollenen Wunden litten. Die mit der beruhigenderen Salbe behandelten Patienten ruhten dagegen relativ entspannt und zeigten nur wenige Anzeichen einer Infektion. Von diesem Tag an schwor Paré, das grausame heiße Öl nie wieder zur Wundbehandlung einzusetzen.
1545 machte Paré in seinem Werk Methode zur Behandlung von Wunden seine Wundbehandlungen bekannt und leistete damit Pionierarbeit bei der Entwicklung einer menschlichen, “rationalen” chirurgischen Praxis. Ein weiterer wichtiger Beitrag zur Medizin bestand darin, dass er zur Verhinderung von Blutungen bei Amputationen (Abtrennung eines Körperteils) anstelle des herkömmlichen Ausbrennens der Wunde mit heißem Eisen die Unterbindung von Blutgefäßen (zum Beispiel durch Abbinden mit einer Schnur) förderte. Paré trug außerdem zur Weiterentwicklung der Geburtshilfe bei, indem er Verfahren anwandte, die eine sicherere Geburt von Säuglingen ermöglichten.
Beschreibung der Artikelabbildung: Künstliche Hand aus Ambroise Parés Instrumenta chyrurgiae et icones anathomicae (Chirurgische Instrumente und anatomische Zeichnungen), 1564, Paris.
Im Artikel genannte historische Persönlichkeiten: Ambroise Paré (1510–1590)
Quellen
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