Sollte bei kleinzelligem Lungenkrebs eine Strahlentherapie zur Immuntherapie hinzukommen?

In diesem Artikel
Zusätzliche Strahlentherapie zur Immuntherapie verändert die Behandlung des kleinzelligen Lungenkarzinoms
Warum ist das wichtig?
Das kleinzellige Lungenkarzinom im ausgedehnten Stadium (ES-SCLC) ist für seine rasche Ausbreitung bekannt. Bis vor Kurzem bestand unsere Standardbehandlung allein aus Chemotherapie. In den letzten Jahren hat die zusätzliche Immuntherapie mit Atezolizumab oder Durvalumab einen neuen Standard geschaffen und die Überlebenszeiten verlängert.
Doch für Onkologen blieb eine große Frage offen: „Früher war es hilfreich, bei alleiniger Chemotherapie eine Bestrahlung des Brustkorbs (cTRT) hinzuzufügen. Sollten wir auch jetzt unter Immuntherapie zusätzlich bestrahlen? Oder verstärkt das die Nebenwirkungen, insbesondere Lungenentzündungen, und schadet dem Patienten?“
Eine am 5. Januar 2026 in Radiotherapy and Oncology veröffentlichte Großanalyse mit mehr als 5000 Patienten beantwortet diese Frage klar mit „JA“. Sie belegt, dass eine zusätzliche Strahlentherapie in der geeigneten Patientengruppe die Lebenszeit um 40 Prozent verlängert.
Eine große Metaanalyse: Die Daten von 5000 Patienten sprechen
Das Team um Dr. Dominik Wróbel von der Jagiellonen-Universität in Polen führte eine umfassende Analyse von 20 Studien aus aller Welt mit insgesamt 5282 Patienten durch. Die Patienten wurden in zwei Hauptgruppen eingeteilt:
Gruppe 1: Dreifachtherapie (2436 Patienten)
Patienten, die zusätzlich zur Chemoimmuntherapie eine Bestrahlung des Brustkorbs (cTRT) erhielten.
Gruppe 2: Standardtherapie (2846 Patienten)
Patienten, die nur Chemoimmuntherapie ohne Bestrahlung erhielten.
Die Ergebnisse: Strahlentherapie macht einen Unterschied
Die Analyse zeigte, dass die zusätzliche Bestrahlung einen statistisch signifikanten und klinisch sehr bedeutsamen Überlebensvorteil brachte.
Durchschnittliche Lebenszeit (Medianes OS)
Die Strahlentherapie verschaffte den Patienten im Durchschnitt 6 zusätzliche Lebensmonate (HR: 0.57, P < .001).
Zeit ohne Fortschreiten der Erkrankung (PFS)
Welche Patienten sollten bestrahlt werden?
Der entscheidende Teil der Studie zeigt, bei welchen Organmetastasen die Strahlentherapie einen Nutzen hat.
Die Kehrseite: Nebenwirkungen
Immuntherapie kann eine Lungenentzündung verursachen, Strahlentherapie ebenso. Steigt das Risiko bei der Kombination? Die Antwort lautet: Ja.
- Pneumonitis (Lungenentzündung): In der Gruppe mit zusätzlicher Bestrahlung stieg das Pneumonitisrisiko deutlich. Die Rate schwerer Pneumonitiden ab Grad 3 betrug 3.86%.
- Ösophagitis (Speiseröhrenentzündung): Bei 1.27% der bestrahlten Patienten trat eine schwere Speiseröhrenentzündung auf.
- Wróbel D, Wojewoda B, Ziółek W, et al. Consolidative thoracic radiotherapy in the immunotherapy era for extensive-stage small cell lung cancer: a systematic review and meta-analysis with emphasis on brain and liver metastases. Radiotherapy and Oncology. Published online December 10, 2025. doi:10.1016/j.radonc.2025.111328
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