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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Warum sollte das Brustkrebs-Früherkennungsscreening mit 40 Jahren beginnen?

Warum sollte das Brustkrebs-Früherkennungsscreening mit 40 Jahren beginnen?
In diesem Artikel

Die Bedeutung von Früherkennung und Screening bei Brustkrebs ist unbestritten. Die Wirksamkeit des Screenings insbesondere bei Frauen zwischen 40-49 Jahren ist jedoch seit Langem international umstritten. Eine neue kanadische Studie zeigt, dass organisierte Mammografiescreeningprogramme die 10-Jahres-Überlebensraten in dieser Altersgruppe deutlich verbessern könnten. Doch was bedeuten diese Ergebnisse, und warum sind sie so wichtig?


Bemerkenswerte Ergebnisse aus der kanadischen Studie

Auf dem kanadischen Family Medicine Forum 2024 vorgestellte Daten zeigen, dass bei Frauen zwischen 40-49 Jahren mit niedrigem oder mittlerem Brustkrebsrisiko die Teilnahme an Mammografiescreeningprogrammen die 10-Jahres-Nettoüberlebensrate deutlich erhöht. Die Untersuchung verglich Regionen mit organisierten Screeningprogrammen mit Regionen ohne solche Programme.

Das Forschungsteam unter Leitung von Dr. Anna N. Wilkinson analysierte Daten von Frauen zwischen 40-49 und 50-59 Jahren, bei denen im Zeitraum 2002-2007 Brustkrebs diagnostiziert worden war. Daten des kanadischen Krebsregisters wurden mit Informationen zur Sterblichkeit verknüpft.

  • Die 10-Jahres-Nettoüberlebensrate bei Frauen zwischen 40-49 Jahren betrug in Regionen mit Screeningprogrammen 84,8%, gegenüber 82,9% in Regionen ohne solche Programme.
  • In der Altersgruppe von 45-49 Jahren war der Unterschied noch deutlicher: Es ergab sich ein Überlebensvorteil von 2,6%.

Diese Ergebnisse werfen insbesondere gegenüber Leitlinien, welche die Wirksamkeit von Screeningprogrammen infrage stellen, erhebliche Fragen auf.


Behauptungen über Überdiagnosen – ein schädlicher moderner Mythos?

Die Kritik am Brustkrebsscreening dreht sich häufig um den Begriff „Überdiagnose“ (overdiagnosis). Damit ist die Entdeckung klinisch nicht bedeutsamer Krebserkrankungen gemeint, die keiner Behandlung bedürfen. Laut Wilkinson ist Brustkrebs jedoch bei 90% der Frauen in ihren 40ern die Haupttodesursache. Dies deutet darauf hin, dass Überdiagnoseraten möglicherweise niedriger sind als angenommen.

Vorteile der Früherkennung:

  • Weniger invasive Behandlungen,
  • kürzere Behandlungsdauer,
  • schnellere Rückkehr ins Berufsleben,
  • geringere Gesundheitsausgaben.

Wilkinson betont, dass früh diagnostizierte Krebserkrankungen weniger aggressive Behandlungen erfordern und dies sowohl für die Patienten als auch für das Gesundheitssystem einen wichtigen Vorteil darstellt.


Widerspruch in den Leitlinien: Ist ein Screening erforderlich?

Bemerkenswert ist, dass die Canadian Task Force on Preventive Health Care Frauen zwischen 40-49 Jahren kein regelmäßiges Mammografiescreening empfiehlt. Diese Empfehlung stützt sich auf 165 Studien, randomisierte kontrollierte Untersuchungen und Modellierungen. Die Leitlinie erwartet bei einem Screening über 10 Jahre folgende Ergebnisse:

  • Bei 1000 Frauen:
    • 368 falsch-positive Befunde,
    • 55 Biopsien,
    • 19 Brustkrebsdiagnosen,
    • 2 Überdiagnosen,
    • 1-2 brustkrebsbedingte Todesfälle.

Ohne Screening hingegen:

  • 983 Frauen werden keine Brustkrebsdiagnose erhalten,
  • bei 17 Frauen wird Brustkrebs diagnostiziert und 2 werden daran sterben.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Leitlinie, dass Hausärzte diese Informationen mit den Patienten teilen und damit eine gemeinsame Entscheidungsfindung unterstützen.


Was sagen die Ergebnisse aus?

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass regelmäßige Screeningprogramme bei Frauen in ihren 40ern die Überlebensraten deutlich verbessern könnten, ohne die Überdiagnoseraten zu erhöhen. Dies spricht für eine erneute Bewertung der Screeningleitlinien.

Wilkinsons Empfehlung ist eindeutig: Die Screeningprogramme sollten so ausgeweitet werden, dass auch Frauen dieser Altersgruppe einbezogen werden.


Warum ist das wichtig?

Brustkrebs zählt weiterhin zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Eine frühe Diagnose ist eine der wirksamsten Möglichkeiten, Behandlungsergebnisse und Lebensqualität zu verbessern. Diese Studienergebnisse verdeutlichen erneut die Bedeutung von Screeningprogrammen und wissenschaftlich fundierten Aktualisierungen der Leitlinien.


Dieser Beitrag richtet sich an alle, die die Bedeutung der Brustkrebsfrüherkennung und die wissenschaftlichen Grundlagen von Screeningstrategien für Frauen zwischen 40-49 Jahren verstehen möchten. Wenn Sie mehr erfahren und Ihre Entscheidung mit wissenschaftlichen Daten stützen möchten, lassen Sie sich von Ihrem Facharzt beraten.


Brustkrebsscreening: Mammografie oder Ultraschall?

Das Brustkrebsscreening ist für eine frühe Diagnose und einen Behandlungserfolg entscheidend. Welches bildgebende Verfahren zum Einsatz kommt, hängt jedoch von Alter, Brustgewebe und individuellem Risiko ab.

Mammografie: Goldstandard der Früherkennung

Die Mammografie ist das grundlegende empfohlene Screeningverfahren zur Brustkrebsfrüherkennung, insbesondere für Frauen ab 40 Jahren. Frühe Krebszeichen wie Verkalkungen lassen sich damit sehr gut erkennen. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine regelmäßige Mammografie die brustkrebsbedingte Sterblichkeit um bis zu 40% verringern kann. Da die Mammografie jedoch Strahlung verwendet, wird sie in jungen Jahren oder während der Schwangerschaft nicht bevorzugt.

Ultraschall: ideal bei dichtem Brustgewebe und für junge Frauen

Der Brustultraschall eignet sich ideal zur Untersuchung des bei jungen Frauen dichteren Brustgewebes. Er kann auch während der Schwangerschaft oder bei Frauen mit Silikonimplantaten sicher eingesetzt werden. Zudem ergänzt er die Mammografie bei der Beurteilung verdächtiger Befunde oder dient zur Steuerung einer Biopsie.

Brust-MRT: eine wichtige Option für Hochrisikogruppen

Bei Frauen mit genetischen Risikofaktoren, beispielsweise BRCA-Mutationsträgerinnen, oder mit familiärer Vorbelastung kann ein Brust-MRT-Screening bevorzugt werden. Die MRT wird insbesondere eingesetzt, um in Mammografie oder Ultraschall unklare Befunde abzuklären oder mehrere Tumorherde nachzuweisen.

Quellen

Does Screening at 40-49 Years Boost Breast Cancer Survival? - Medscape - November 28, 2024.
DROZDOGAN KI

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