Was bedeuten die unterschiedlichen Ergebnisse des chinesischen Impfstoffs in verschiedenen Ländern?

In diesem Artikel
Wissenschaftler sagen, dass der vom chinesischen Biotechnologieunternehmen Sinovac entwickelte CoronaVac-Impfstoff schwere Covid-19-Fälle besonders in stark von der Pandemie betroffenen Ländern verringern könnte.
Nach der Veröffentlichung der lange erwarteten Ergebnisse zur Wirksamkeit des CoronaVac-Impfstoffs in der vergangenen Woche gab es Enttäuschung und Verwirrung. Forscher sagen jedoch, der Impfstoff könne helfen, Todesfälle durch diese Krankheit zu verringern.
Brasilianische Forscher berichteten, dass der von Sinovac entwickelte CoronaVac-Impfstoff in klinischen Studien der letzten Phase schwere und leichte Covid-19-Erkrankungen zu 50,4% verhinderte. Dieser Wert liegt deutlich unter der Wirksamkeit von 90% anderer entwickelter Impfstoffe.
Die in Brasilien ermittelte CoronaVac-Statistik ist deutlich niedriger als die ersten Studienergebnisse desselben Impfstoffs in der Türkei und in Indonesien. Die Wirksamkeit liegt auch unter dem ursprünglich von Brasilien gemeldeten Wert. Das Butantan-Institut in San Paulo teilte am 7. Januar mit, die Wirksamkeit des Impfstoffs bei der Verhinderung der Erkrankung betrage 78%. Diese Woche stellte sich jedoch heraus, dass die Statistik anhand einer eng begrenzten Gruppe von Personen mit Bedarf an medizinischer Versorgung berechnet worden war.
Forscher sagen, falls sich die jüngsten Ergebnisse bestätigen, könnte der aus 2 Dosen bestehende Impfstoff in stark von der Pandemie betroffenen Ländern wie Brasilien und der Türkei sofort nützlich sein. Hilda Bastian von der medizinischen Fakultät der Bond University in Australien sagt: „Für Gemeinschaften, die wirklich verzweifelt sind und keine andere Wahl haben, ist dieser Impfstoff etwas Großartiges“.
In den brasilianischen Studien wurden unter 9200 teilnehmenden Beschäftigten im Gesundheitswesen 252 Covid-19-Fälle gemeldet. (Davon waren 85 geimpft; 167 gehörten zur Placebogruppe.) Keiner der geimpften Teilnehmer musste wegen einer schweren Covid-19-Erkrankung ins Krankenhaus. Paul Offit, Impfstoffforscher am Kinderkrankenhaus in Pennsylvania, sagte, wenn die Daten bestätigt würden, könne der Impfstoff in jedem Land eine Rolle bei der Krankheitsprävention spielen.
Ergebnis und Expertenkommentare
Prof. Dr. Murat Akova, Forscher für Infektionskrankheiten und klinische Mikrobiologie an der medizinischen Fakultät der Hacettepe-Universität und Koordinator des CoronaVac-Impfstoffs in der Türkei, erklärte: „Die Daten aus Brasilien sind für die Türkei wichtig, die unter einer Notfallzulassung ab dem 13. Januar impfen möchte.“
„Dass Brasilien seine Studienergebnisse verspätet meldete, bedeutet, dass die Türkei sich auf frühe Ergebnisse ihrer eigenen Wirksamkeitsstudien stützte, als sie der Verteilung des CoronaVac-Impfstoffs zustimmte.“, fügt er hinzu. Ende November meldete die Türkei anhand von 29 COVID-19-Fällen in Studien mit 1322 Freiwilligen für die Verhinderung symptomatischer Erkrankungen eine Impfstoffwirksamkeit von 91,2%.
Dr. Murat Akova ergänzt: „Die Ergebnisse aus Brasilien waren im Vergleich mit den 2 führenden mRNA-Impfstoffen von Pfizer-Biontec und Moderna enttäuschend, da deren Wirksamkeit über 90% lag. Der CoronaVac-Impfstoff ist für die Türkei dennoch wertvoll, weil er viele schwere COVID-19-Erkrankungen verhindern wird.“
Jarir At Thobari, Impfstoffforscher an der Gadjah-Mada-Universität in Indonesien, sagt: „Auch Indonesien hat die Notfallanwendung des CoronaVac-Impfstoffs erlaubt und ihn ab dem 13. Januar im nationalen Impfprogramm eingesetzt. Auf Grundlage von 25 COVID-19-Fällen in Wirksamkeitsstudien mit 1600 Personen wurde die Wirksamkeit des Impfstoffs bei der Verhinderung symptomatischer Erkrankungen mit 65,3% ermittelt.“ Angesichts der großen Bevölkerung Indonesiens könnten viele Menschen von einer Wirksamkeit des Impfstoffs von 65% profitieren, sagt er außerdem.
Die unterschiedlichen Ergebnisse sind eigentlich nicht überraschend
Wissenschaftler sagen, dass diese uneinheitlichen Ergebnisse bei einem Impfstoff mit geringerer Wirksamkeit, der an vergleichsweise wenigen Menschen untersucht wurde, nicht überraschend seien. Auch in den Studien des von der Universität Oxford und dem Pharmaunternehmen AstraZenca entwickelten COVID-19-Impfstoffs wurden unterschiedliche Ergebnisse gemeldet. Dr. Hilda Bastian sagt: „Wenn Sie einen wirklich hochwirksamen Impfstoff haben, müssen Sie nicht sehr viele Teilnehmer untersuchen, um ein klares Ergebnis zu erhalten. Sind die Ergebnisse jedoch uneinheitlich, brauchen Sie mehr Teilnehmer, um zu verstehen, was geschieht.“
2 wichtige Gründe für unterschiedliche Ergebnisse
- Forscher sagen unter Einbeziehung der Studien aus Brasilien, dass die geringere Wirksamkeit von CoronaVac im Vergleich mit anderen Impfstoffen mit der Verabreichung von 2 Dosen im Abstand von 2 Wochen zusammenhängen könnte. Das würde bedeuten, dass den Teilnehmern nicht ausreichend Zeit gegeben wurde, um ein hohes Immunitätsniveau zu erreichen.
- Auch die untersuchten Teilnehmergruppen sind wichtig. In einer Studie, an der ausschließlich Beschäftigte im Gesundheitswesen teilnehmen, die stärker dem Virus ausgesetzt sind, Nebenwirkungen melden und getestet werden, lassen sich wahrscheinlich mehr leichte Infektionen erkennen. In den Studien aus Indonesien und der Türkei, die auch die Allgemeinbevölkerung in die Impfungen einbeziehen, wäre die Situation dagegen anders.
Weitere Vorteile des CoronaVac-Impfstoffs
Adrian Esterman, Biostatistiker an der University of South Australia, sagt, mit der Markteinführung des CoronaVac-Impfstoffs, der eine inaktivierte Form von SARS-CoV-2 verwendet, könnte dieser Impfstoff auch in anderen Ländern breiter eingesetzt werden.
Dass CoronaVac im Kühlschrank aufbewahrt werden kann, erleichtert auch die Verteilung; der Pfizer-Biontech-Impfstoff muss dagegen bei -70 Grad gelagert werden. Den kürzlich gemeldeten Daten zufolge erscheint der CoronaVac-Impfstoff sicher; nur wenige Menschen hatten leichte Symptome wie Kopfschmerzen.
Dr. Hilda Bastian fügt hinzu, ein Team der Weltgesundheitsorganisation (WHO) überprüfe die Impfstoffherstellung bei Sinovac in China. Sollte die WHO die Impfstoffe für den Notfalleinsatz listen, werde dies ihre weltweite Verteilung beschleunigen.
VERWANDTE THEMEN
- Covid-19: aktuelle Statistiken weltweit und in der Türkei
- Aktuelle Nachrichten und wissenschaftliche Entwicklungen zum Coronavirus
Quellen
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.





Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.