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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Was kommt nach einem CDK4/6-Hemmer? Die evERA-Ergebnisse vom SABCS 2025

Was kommt nach einem CDK4/6-Hemmer? Die evERA-Ergebnisse vom SABCS 2025
In diesem Artikel

CDK4/6-Hemmer-Resistenz bei HR+-metastasiertem Brustkrebs: die evERA-Ergebnisse vom SABCS 2025

CDK4/6-Hemmer wie Palbociclib und Ribociclib sind bei HR-positivem metastasiertem Brustkrebs Standard, doch die Resistenzentwicklung ist unvermeidlich. Nach Progression unter CDK4/6-Hemmung sind die Möglichkeiten begrenzt und das PFS kurz. Die beim SABCS 2025 vorgestellte evERA -Studie zeigt, wie die Kombination des neuen oralen SERD Giredestrant mit Everolimus diese Resistenz überwinden kann.

Studientyp
Phase 3
Randomisiert, N=420
Risikoreduktion
HR 0.58
42 % Verbesserung (PFS)
Primärer Endpunkt
9.8 Monate
Medianes PFS (gegenüber 5.6 Monaten)
Wichtige Untergruppe
ESR1-Mutation
Starke Wirkung mit HR 0.45

1) Klinischer Bedarf: die Versorgungslücke nach CDK4/6-Hemmung

Nach Progression unter CDK4/6-Hemmern beträgt das progressionsfreie Überleben (PFS) mit endokrinen Standardtherapien meist nur etwa 3-6 Monate. evERAsollte in dieser schwierigen Patientengruppe durch die Verbindung eines wirksamen oralen SERD (Giredestrant) mit dem gegen den mTOR-Signalweg gerichteten Everolimussynergistische Effekte erzielen. [1]

2) Studiendesign

Insgesamt 420 Patienten wurden auf zwei Arme randomisiert:

• Prüfarm: Giredestrant (oral, 30mg) + Everolimus
• Kontrollarm: Aromatasehemmer nach ärztlicher Wahl (Letrozol/Exemestan usw.) + Everolimus

Alle Patienten hatten zuvor einen CDK4/6-Hemmer erhalten und eine Progression gezeigt.

3) Primäres Ergebnis: Vergleich des medianen PFS

Monate (Month)
Giredestrant + Eve
9.8 Monate
Everolimus + AI
5.6 Monate

Statistische Aussagekraft

Die Kombinationstherapie verringerte das Risiko für Progression oder Tod um 42 % (HR 0.58; p<0.001). Dies ist einer der bislang eindrucksvollsten Unterschiede nach CDK4/6-Hemmung.

4) Zusammenfassung der sekundären Ergebnisse

Kennzahl Giredestrant + Eve Kontrolle (AI + Eve)
Objektive Ansprechrate (ORR) 32 % 18 %
Ansprechdauer (DOR) 11.2 Monate 6.8 Monate
ESR1-Mutation (HR) 0.45 -
Gesamtüberleben (OS) HR 0.72 (Trend) -

Hinweis: Bei ESR1-mutierten Patienten, etwa 25 % der Population, war die Wirksamkeit ausgeprägter (Risikoreduktion 55 %).

5) Warum ist ESR1 wichtig?

Nach längerer endokriner Therapie kann der Tumor durch Mutationen im Östrogenrezeptor (ESR1) resistent gegen Standardmedikamente werden. Als SERD bindet Giredestrant den mutierten Rezeptor und baut ihn ab. So überwindet es die Resistenz und erklärt den besonders großen Erfolg dieser Untergruppe (HR 0.45).

Sicherheitsprofil

Das Nebenwirkungsprofil entsprach im Wesentlichen den bekannten Wirkungen von Everolimus. Die Ergänzung von Giredestrant erzeugte kein unerwartetes neues Toxizitätssignal.

Häufige Nebenwirkungen im Giredestrant-Arm:
• Stomatitis (Mundschleimhautentzündung): 18 % (Grad 3)
• Hyperglykämie: 12 % (Grad 3)
• Therapieabbruchrate: 11 % (ähnlich dem Kontrollarm).

5 häufige Fragen

1) Ist diese Kombination zugelassen?
Noch nicht. Die evERA-Ergebnisse sollen die Grundlage für Zulassungsanträge bei FDA und EMA bilden.
2) Was unterscheidet Giredestrant von Fulvestrant?
Giredestrant wird oral als Tablette angewendet und hat eine höhere Bioverfügbarkeit. Fulvestrant wird dagegen in den Gesäßmuskel injiziert.
3) Für wen wird es geeignet sein?
Für Patienten mit HR+/HER2-negativem metastasiertem Brustkrebs, deren Erkrankung nach einem CDK4/6-Hemmer fortgeschritten ist.
4) Ist ein ESR1-Test erforderlich?
Obwohl die Studie auch in der Gesamtgruppe erfolgreich war (HR 0.58), war der Nutzen bei ESR1-Mutation wesentlich größer. Der Test kann daher Orientierung geben.
5) Verursacht die Behandlung Haarausfall?
Unter endokriner Therapie kann das Haar dünner werden. Ein vollständiger Haarausfall wie unter Chemotherapie wird jedoch in der Regel nicht erwartet.

Fachärztliche Einordnung

evERA hat das Potenzial, den Behandlungsstandard bei metastasiertem Brustkrebs zu verändern. Bei resistenten Fällen das PFS von 5 auf 10 Monate zu verlängern,ist ein großer klinischer Gewinn, um den Wechsel zur Chemotherapie hinauszuzögern. Die Ära der oralen SERD hat damit begonnen.

Literatur

  1. André F, Rugo HS, et al. evERA: A randomized phase 3 trial of giredestrant plus everolimus... J Clin Oncol. 2025;43(suppl 17):GS3-09. 
  2. SABCS 2025, General Session 3: medianes PFS 9.8 gegenüber 5.6 Monaten, HR 0.58 (p<0.001). 

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