Auswirkungen der Immuntherapie auf das Herz: Niedrige CD69-Werte könnten das Risiko für Herzschäden erhöhen!

In diesem Artikel
In den vergangenen Jahren haben Immuncheckpoint-Inhibitoren als Immuntherapien die Krebsbehandlung revolutioniert und grundlegend verändert.
Bei vielen Krebsarten wie Lungen-, Nieren- und Brustkrebs sowie Melanom können diese Behandlungen die Lebenszeit deutlich verlängern. Im Schatten dieser Erfolge steht jedoch ein bislang zu wenig beachtetes Thema: mögliche schädliche Auswirkungen auf die Herzgesundheit.
📍 Auf der am 20. Juni 2025 in Florenz abgehaltenen Kardio-Onkologie-Konferenz der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie wurde die SIR-CVT-Studievorgestellt. Sie zeigte, dass insbesondere niedrige Werte des CD69 genannten Rezeptors auf Immunzellen das Risiko für Herzschäden nach einer Immuntherapie erheblich erhöhen könnten und daher bedeutsam sind.
🧬 Was ist CD69, und warum ist es wichtig?
CD69ist ein Rezeptor auf der Oberfläche von T-Zellen. Dieses Molekül spielt für das Gleichgewicht des Immunsystems eine Schlüsselrolle bei der Regulation.
Insbesondere auf regulatorischen T-Zellen (Treg) exprimiertes CD69 begrenzt Autoimmunreaktionen, verhindert eine „Überreaktion“ des Immunsystems und wirkt als herzschützender Mechanismus im Organismus.
Neue Daten zeigen, dass ein früher und rascher Rückgang dieser schützenden Zellen zu schweren Komplikationen im Herzgewebe wie einer Entzündung (Myokarditis) führen könnte.
🫀 Wie kann die Immuntherapie das Herz beeinflussen?
Zu den schwersten kardialen Nebenwirkungen einer Immuntherapie gehören:
- Myokarditis (Herzmuskelentzündung) – eine der schwersten Nebenwirkungen
- Perikarditis, Arrhythmien, Erregungsleitungsstörungen
- Kardiomyopathie (Herzmuskelschwäche)
📊 In einer Studie mit mehr als 2600 Patienten unter ICI wurde berichtet, dass bei 1% eine immuntherapiebedingte Myokarditis auftrat. Zudem können erhöhte Biomarker wie CPK, Troponin T, ALT und AST frühe Hinweise auf diese Toxizitäten sein.
🔍 Einzelheiten zur neuen Untersuchung: SIR-CVT
- Teilnehmerzahl: In der ersten Phase 215 Patienten (Ziel: 500)
- 57% der Teilnehmer: Nichtkleinzelliges Lungenkarzinom
- Medianes Alter: 68
- 83%: Haben mindestens einen kardiovaskulären Risikofaktor
- Patienten mit niedrigen CD69-Werten: Haben hinsichtlich einer Herzerkrankung ein 2-mal so hohes Risiko wie die Vergleichsgruppe
📆 Blutproben wurden zu folgenden Zeitpunkten entnommen:
- Vor der Behandlung
- Nach 2–4 Wochen
- Nach 10–12 Wochen
- Nach 6 Monaten
- Nach 1 Jahr
📉 Worauf weisen niedrige CD69-Werte hin?
- Innerhalb der ersten 3 Wochen: Deutliche Abnahme CD69+ regulatorischer T-Zellen
- Dieser Rückgang: Ist bei Patienten mit niedrigen CD69-Werten stärker ausgeprägt
- Folge: Verlust der peripheren Immuntoleranz → Entzündung des Herzens
- Weitere Befunde:
- Zunahme von Th17-Zellen → proinflammatorische Antwort
- Zunahme zytotoxischer CD8+-Zellen → direkte Schädigung des Herzgewebes
💡 Was bedeutet das klinisch?
Diese Studie bietet eine wichtige Möglichkeit, Patienten mit Kardiotoxizitätsrisiko frühzeitig zu erkennen und gezielt zu überwachen.
- Anhand der CD69-Werte kann ein individuelles Risikoprofil erstellt werden
- Während der Immuntherapie: engmaschigere kardiale Überwachung
- Frühzeitiges Eingreifen zur Verhinderung schwerer Komplikationen
- Verringerung unnötiger Behandlungsunterbrechungen
🧭 Fahrplan für die Zukunft
- Routinemäßige Bestimmung der CD69-Werte
- Frühdiagnose mit neuen Biomarkern wie miR-721
- Stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Onkologie und Kardiologie zur gemeinsamen Versorgung
- Entwicklung individueller Strategien für die kardioonkologische Nachsorge
🔚 Fazit: Aufmerksamkeit für Risiken bei erfolgreicher Behandlung
Die Immuntherapie verlängert das Leben vieler Krebspatienten. Doch wenn ihre Auswirkungen auf die Herzgesundheit übersehen werden, kann dies mitunter unumkehrbare Folgen haben.
Der CD69-Wertkönnte über einen Biomarker hinaus bei rechtzeitiger Bestimmung ein lebensrettendes Frühwarnsystem sein.
Quellen
2. Vasbinder A, Chen YA, Procureur A, et al: Biomarker trends, incidence, and outcomes of immune checkpoint inhibitor-induced myocarditis. JACC CardioOncol 4:689-700, 2022.
3. Ben Zadok OI, Levi A, Divakaran S, et al: Severe vs nonsevere immune checkpoint inhibitor-induced myocarditis: Contemporary 1-year outcomes. JACC CardioOncol 5:732-744, 2023.
4. Zatarain-Nicolás E, Martín P, Rodas IM, et al: Cardiovascular toxicity of checkpoint inhibitors: Review of associated toxicity and design of the Spanish Immunotherapy Registry of Cardiovascular Toxicity. Clin Transl Oncol 25:3073-3085, 2023.
5. Blanco-Domínguez R, Sánchez-Díaz R, de la Fuente H, et al: A novel circulating microRNA for the detection of acute myocarditis. N Engl J Med 384:2014-2027, 2021.
6. Cruz-Adalia A, Jiménez-Borreguero LJ, Ramírez-Huesca M, et al: CD69 limits the severity of cardiomyopathy after autoimmune myocarditis. Circulation 122:1396-1404, 2010.
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