Brunner-Drüsen 1679 – sanfter Übergang vom Magen in den Darm

Seit Menschen auf alten Schlachtfeldern hervorquellende Darmschlingen sahen, die gewundenen Schlangennestern ähnelten, fasziniert sie der Dünndarm. In alten Mittelmeerkulturen, die durch das Lesen tierischer Eingeweide weissagten, stellte der Darm manchmal die komplizierten Bewegungen der Planeten dar. Wahrsager zählten die großen Windungen. Eine gerade Zahl von Windungen galt als gut, eine ungerade als schlecht. Der spanische Arzt Andrés Laguna schrieb 1535 poetisch: "Tatsächlich werden die Därme zu Recht Schiffe genannt, denn sie tragen den gesamten Bereich des Magens und alle Ausscheidungen, als würden sie einen Ozean durchqueren."
Das Duodenum, der erste Abschnitt des Dünndarms, ist aufgrund seiner vielfältigen Funktionen, Strukturen und seines Platzes in der Anatomiegeschichte besonders faszinierend. Der Schweizer Pathologe Johann Wepfer entdeckte die Duodenaldrüsen erstmals 1679. Leider werden sie jedoch seit der Beschreibung durch seinen Schwiegersohn Johann Brunner von 1687 als Brunner-Drüsen bezeichnet.
Brunner-Drüsen sondern eine bikarbonathaltige, schleimreiche alkalische Flüssigkeit ab, die das Duodenum vor dem sauren Mageninhalt schützt. Sie schmieren außerdem die Darmwände und schaffen ein alkalischeres Milieu, in dem Darmenzyme aktiv sein können. Wenn das Duodenum teilweise verdaute Nahrung enthält, die aus dem Magen abgegeben wurde, bildet es zugleich die Hormone Sekretin und Cholezystokinin. Diese regen Leber und Gallenblase zur Freisetzung von Galle und die Bauchspeicheldrüse zur Freisetzung ihrer Enzyme an.
Die Wand des Duodenums enthält außerdem drei wichtige Strukturen. Die Vater-Ampulle entsteht durch die Vereinigung von Pankreasgang und gemeinsamem Gallengang (aus der Leber) und ist nach dem deutschen Anatomen Abraham Vater benannt. Der Oddi-Sphinkter ist eine muskuläre Klappe, die den Fluss der Verdauungssäfte (Galle und Pankreassaft) durch die Vater-Ampulle steuert. Er trägt den Namen des italienischen Anatomen Ruggero Oddi, dessen Drogenkonsum zu psychischer Instabilität führte. Das Treitz-Band verbindet das Duodenum mit dem Zwerchfell und ist nach dem tschechischen Pathologen Václav Treitz benannt, der sich durch die Einnahme von Kaliumcyanid das Leben nahm.
Für die Anatomie dieser Region können Sie unser folgendes Video nutzen:
Beschreibung des Beitragsbildes: Darstellung des Magens (in der Mitte), verbunden mit dem Duodenum, dem gelb-orangefarbenen Schlauch, der unterhalb des Magens beginnt (links in der Darstellung). Das Duodenum besitzt verschiedene Funktionen und Strukturen und enthält die Brunner-Drüsen.
Im Beitrag genannte historische Persönlichkeiten: Andrés Laguna de Segovia (1499–1559), Johann Jakob Wepfer (1620–1695), Johann Conrad Brunner (1653–1727), Abraham Vater (1684–1751), Václav Treitz (1819–1872), Ruggero Oddi (1864–1913)
Quellen
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