Entdeckung der Spermien 1678 – Parasiten oder Vorläufer des Menschen?

1678 berichtete der niederländische Wissenschaftler Anton van Leeuwenhoek der Royal Society von der Entdeckung menschlicher Spermatozoen, die unzähligen wurmartigen mikroskopischen Tieren ähnelten. Er schrieb: "Was ich untersucht habe, ist nur das, was nach ehelichem Geschlechtsverkehr als Rest zurückbleibt, ohne mich auf sündhafte Weise selbst zu verunreinigen. Falls Eure Lordschaft der Ansicht ist, dass diese Beobachtungen die Gelehrten anwidern oder in Verruf bringen könnten, bitte ich Eure Lordschaft eindringlich, sie als vertraulich zu betrachten und sie nach eigenem Ermessen zu veröffentlichen oder zu vernichten." Schließlich vermutete van Leeuwenhoek, dass die winzigen mikroskopischen Lebewesen im Samen an der Befruchtung beteiligt seien. Andere Wissenschaftler glaubten, Spermien seien lediglich Parasiten und hätten mit der Fortpflanzung nichts zu tun.
Um 1677 verwendeten van Leeuwenhoek und sein Schüler Johan Ham zur Untersuchung von Spermatozoen, die er als kleine Tiere beschrieb, ein 300-fach vergrößerndes Mikroskop. Dies deutet auf seinen Glauben an eine Form der Präformation hin, nach der der Kopf jeder Samenzelle einen winzigen, vollständig ausgebildeten Menschen enthält. Der niederländische Mikroskopiker Nicolaas Hartsoeker behauptete, 1674 Spermatozoen gesehen zu haben, war sich seiner Beobachtungen aber nicht sicher und hielt die sich windenden Zellen zunächst für Parasiten. Auch seine berühmte Zeichnung eines Zwergs oder kleinen Menschen im Kopf eines Spermiums vertrat die Präformationsvorstellung. Hartsoeker behauptete nicht, tatsächlich einen Zwerg gesehen zu haben, andere Forschende dagegen schon! Manche vermuteten sogar, die Zwerge in Spermien könnten kleinere Spermien mit weiteren Zwergen besitzen, in einer unendlichen Rückfolge von Zwergen in Zwergen. Als Forschende jedoch zeigten, wie Organe etwa bei Küken im Entwicklungsprozess nach und nach entstehen, wurde deutlich, dass Tiere nicht von Beginn an nahezu vollständig ausgebildet sind.
Das Wort Spermium bezeichnet im Allgemeinen die männliche Fortpflanzungszelle. Spermatozoon meint insbesondere eine bewegliche Samenzelle mit einem angehefteten, geißelartigen Schwanz. Heute wissen wir, dass die menschliche Samenzelle 23 Chromosomen (fadenähnliche Träger genetischer Information) besitzt, die bei der Befruchtung mit den 23 Chromosomen der weiblichen Eizelle verschmelzen.
Beschreibung des Beitragsbildes:
- Spermien umgeben eine Eizelle unmittelbar vor der Befruchtung.
- Spermienzeichnung mit hervorgehobenem Kopf, peitschenartigem Schwanz und Mittelstück mit einem fadenförmigen Kern sowie Mitochondrien, die viel Energie für Schwanzbewegung und Vortrieb erzeugen.
Im Beitrag genannte historische Persönlichkeiten: Anton Philips van Leeuwenhoek (1632–1723), Nicolaas Hartsoeker (1656–1725)
Quellen
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