Die giftige Heilsalbe, die Ägyptens mächtigste Pharaonin Hatschepsut tötete

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Tag 14 (Reihe: Krebsgeschichte in 365 Tagen)
Ägyptens mächtigste Pharaonin, Königin Hatschepsut, fiel weder einem Attentat noch einem Krieg zum Opfer. Könnte sie durch ein „Heilmittel“ gestorben sein, das ihre eigenen Ärzte zur Schmerzlinderung hergestellt hatten?
Unsere heutige Reise führt von der allgemeinen öffentlichen Gesundheit in die privaten Gemächer des Palastes. Moderne Untersuchungen der Mumie Hatschepsuts, der legendären Herrscherin der 18. Dynastie, offenbarten einen der tragischsten „iatrogenen“ (behandlungsbedingten) Krebsfälle der Medizingeschichte.
Diese Geschichte erzählt, wie eine von antiken Ärzten in guter Absicht hergestellte Salbe zu einem langsam wirkenden Gift wurde und wie die moderne Wissenschaft dieses 3500 Jahre alte Geheimnis entschlüsselte.
Die Suche nach der Identität einer Mumie
1458 v. Chr.
Tod der Königin: Hatschepsut starb im Alter von etwa 50 Jahren unter heftigen Schmerzen, die sich auf ihre Knochen ausgebreitet hatten.
1903
Entdeckung des Grabes: Howard Carter entdeckte das Grab KV60, ließ die namenlose Mumie (KV60A) jedoch dort zurück.
2007
Der passende Zahn: Ein abgebrochener Backenzahn aus einem Kästchen passte genau in die Zahnlücke der Mumie. Damit war die Identität bestätigt.
2011
Toxikologischer Schock: Die Universität Bonn wies im Fläschchen der Königin das Karzinogen Benzopyren nach.
1. Königliche Autopsie: Was erzählen die Knochen?
Moderne CT-Untersuchungen (Computertomografie) der identifizierten Mumie zeigten, dass Hatschepsuts letzte Tage keineswegs friedlich waren. Die Königin war fettleibig, ihre Zähne waren in sehr schlechtem Zustand (wahrscheinlich hatte sie Diabetes), doch die eigentliche Todesursache war eine andere.
Metastasierter Krebs in den Knochen
Die Aufnahmen zeigten im Becken, in der Wirbelsäule und im Femur (Oberschenkelknochen) ausgedehnte lytische Läsionen (Knochenabbau/-zerstörung). Dieser Befund belegte Knochenmetastasen einer fortgeschrittenen Krebserkrankung. Vermutlich verbrachte die Königin ihre letzten Monate bettlägerig und unter starken Schmerzen.
2. Giftige Heilung: Die Entdeckung der Universität Bonn
Was hatte diesen Krebs ausgelöst? Die Antwort verbarg sich in einem kleinen Flakon (Fläschchen) im Ägyptischen Museum der Universität Bonn. Die Rückstände am Boden des lange für ein Parfümgefäß gehaltenen Fläschchens wurden 2011 gaschromatografisch untersucht. Die Ergebnisse waren erschütternd.
Was enthielt die Lotion der Königin?
Dattel- und Muskatöl
Natürliche Trägeröle zur Pflege und Erweichung der Haut.
SICHERFettsäuren
Zur Behandlung juckender Hauterkrankungen wie Ekzemen oder Schuppenflechte (Psoriasis).
THERAPEUTISCHBENZOPYREN
Ein Bestandteil von Pech und Teer. Der stärkste krebserregende Stoff im Zigarettenrauch.
TÖDLICHErgebnis: Mit der Salbe gegen ihren chronischen Juckreiz führte die Königin ihrem Körper unwissentlich über Jahre systematisch einen krebserregenden Stoff zu.
3. Iatrogener Krebs: Tod durch Behandlung
In der medizinischen Literatur bezeichnet „iatrogen“ Erkrankungen, die durch medizinische Eingriffe oder Behandlungen entstehen. Hatschepsuts Fall gehört zu den ältesten bekannten iatrogenen Krebsfällen. Doch wo begann der Krebs? Die Wissenschaft hat drei wesentliche Theorien:
- Haut- oder Lungenkrebs: Der Primärtumor könnte in der direkt mit Benzopyren in Kontakt gekommenen Haut oder in der über die systemische Aufnahme erreichten Lunge gelegen haben.
- Brustkrebs: Er ist ein starker Kandidat, weil er in Ägypten häufig vorkommt und besonders oft in die Knochen metastasiert.
- Kopf-Hals-Krebs: Falls die Königin die Lotion aus kosmetischen Gründen intensiv auf Hals und Gesicht auftrug, könnte dies die Tumorentstehung im Nasenrachenraum ausgelöst haben.
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