Die Rolle der Darmbakterien für eine wirksamere Immuntherapie gegen Krebs

In diesem Artikel
Bei nichtkleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) haben Immuntherapien die Behandlung in den vergangenen Jahren revolutioniert. Dieselbe Therapie hilft manchen Patienten stark und bleibt bei anderen wirkungslos. Woran könnte das liegen? Neue Untersuchungen verorten die Antwort im Mikrobiom unseres Darms als möglichem Einflussfaktor.
Studiendesign und Patientengruppe
In Südkorea untersuchte das Yonsei Cancer Center prospektiv von September 2022 bis November 2023 insgesamt 92 Patienten . Bei keinem lagen Treibermutationen wie EGFR, ALK oder ROS1 vor; alle waren systemisch unbehandelt.
- Behandlungsarme:
- (1) Alleiniges Pembrolizumab,
- (2) Pembrolizumab + platinbasierte Chemotherapie
- PD-L1-Stratifizierung: Therapiewahl anhand der PD-L1-Expression
- Definition des Ansprechens: Tumorverkleinerung oder stabile Erkrankung über ≥6 Monate
- Proben: Stuhl, Blut und Tumorgewebe vor und während der Behandlung
🧬 Mikrobiomsignaturen
🌿 Schützendes Signal: Faecalibacterium
Bei ansprechenden Patienten war Faecalibacterium häufiger vorhanden. Das Bakterium bildet Butyrat und schützt dadurch die Darmbarriere, vermindert Entzündung und stärkt das Immunsystem.
⚠️ Risikosignal: Lactobacillus & Escherichia
Bei nicht ansprechenden Patienten waren dagegen die Anteile von Lactobacillus und Escherichia höher. Diese Bakterien könnten durch Entzündungsförderung die Wirksamkeit der Immuntherapie begrenzen.
📊 Zahlen: PFS und OS
Mikrobiomunterschiede gingen mit deutlichen Unterschieden der Überlebenszeiten einher:
| Bakteriengruppe | Messgröße | Hoher Anteil | Niedriger Anteil | Unterschied |
|---|---|---|---|---|
| Faecalibacterium | PFS | 10.3 Monate | 4.5 Monate | +5.8 Monate |
| Faecalibacterium | OS | 21.1 Monate | 10.4 Monate | +10.7 Monate |
| Lactobacillus | PFS | 3.3 Monate | 10.7 Monate | −7.4 Monate |
| Lactobacillus | OS | 5.1 Monate | 18 Monate | −12.9 Monate |
Zusammenfassung: Viel Faecalibacterium war mit +10.7 Monaten OS-Vorteil verbunden, viel Lactobacillus mit −12.9 Monaten Nachteil.
🥗 Einflussfaktoren auf das Mikrobiom
- Ballaststoffzufuhr: Viele Ballaststoffe ↔ mehr Faecalibacterium
- Antibiotikaanwendung: Mit weniger Faecalibacterium verbunden
- Probiotikaanwendung: Kein deutlicher Effekt festgestellt
- Lactobacillus: Kein Zusammenhang mit Ernährung, Probiotika oder Antibiotika
🚀 Klinische Bedeutung und Zukunftsperspektive
- Nutzung als Biomarker: Das Mikrobiomprofil könnte vor der Behandlung das Ansprechen vorhersagen.
- Interventionswege: Ernährungsumstellung, begrenzter Antibiotikaeinsatz und experimentelle Methoden wie FMT
- Integrierte Scores: Verknüpfung von Mikrobiom + PD-L1 + TMB + ctDNA
Hinweis: Vor einer Übertragung in die klinische Praxis sind randomisierte kontrollierte Studien erforderlich.
Fazit
Hohe Faecalibacterium und niedrige Lactobacillus -Anteile hängen bei NSCLC stark mit erfolgreicher Immuntherapie zusammen. Das Darmmikrobiom könnte künftig sowohl ein prädiktiver Biomarker als auch ein therapeutisches Ziel zur Behandlungssteuerung sein.
📚 Quelle
- Lee, J. B. (2025). Gut microbiome signatures of clinical response to pembrolizumab or pembrolizumab with chemotherapy in treatment-naïve, metastatic KHDAK. ESMO 2025.
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.





Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.