Geburtszange 1580 – Der Kampf des Verlangens nach Geld und Ruhm mit dem Leben

Eine Geburtszange besteht aus zwei gebogenen „Metallteilen“, die an zwei große Löffel erinnern und den Kopf des Babys umschließen. Die Zangenblätter werden dann miteinander verriegelt, damit sie den Kopf nicht zerdrücken. So kann der Arzt das Baby bei schwierigen Geburten oder bei einer Gefährdung des Fötus oder der Mutter aus dem Geburtskanal ziehen. Heute kann der medizinische Ultraschall dabei helfen, die genaue Position des kindlichen Kopfes zu bestätigen.
Der englische Chirurg und Geburtshelfer Peter Chamberlen ist für die Erfindung einer besonders wirksamen Geburtszange bekannt. Die Mitglieder der Familie Chamberlen achteten darauf, ihre erfolgreiche Geburtsmethode geheim zu halten. Deshalb ist der genaue Zeitpunkt der Erfindung unbekannt. Wenn etwa einer der Chamberlens zum Haus einer gebärenden Frau kam, trugen zwei Männer eine große Kiste mit vergoldeten Schnitzereien, in der die geheime Zange lag. Der Schwangeren wurden die Augen verbunden, sodass selbst sie die Zange nie sah. Schließlich hatte diese Zange, deren schleifenförmige Blätter einzeln eingesetzt werden konnten, um eine optimale Anpassung zu erzielen, einen tiefgreifenden Einfluss auf erfolgreiche Geburten.
Die Medizinjournalistin Randi Epstein schreibt: "Anders als frühere Instrumente schenkten die Chamberlens der Welt ein sanfteres Gerät, um das Baby unversehrt und lebend herauszuholen. Ein Chamberlen erklärte, die Zange habe das alte Sprichwort widerlegt: ‚Wenn ein Mann das Geburtszimmer betritt, muss einer oder müssen beide sterben.‘ Er meinte damit, dass Männer vor der Einführung der Geburtszange das Geburtszimmer nur betraten, wenn die Gebärende, das Baby oder beide im Sterben lagen."
Die Historikerin Rebecca Vickers betont jedoch, wie wichtig es für die Rettung von Leben sein kann, neue Technologien mit der Welt zu teilen: „Die Entwicklung der Geburtszange durch die Chamberlens war ein großer Erfolg mit einem innovativen Entwurf, der die Zeit überdauerte. Zugleich war sie ein großes Versagen. Indem die Familie Chamberlen einen so wichtigen Durchbruch für sich und eine kleine Zahl von Patienten in einem Land behielt, verlangsamte sie den medizinischen Fortschritt und ließ wahrscheinlich Tausende Frauen und Kinder sterben. Das Verlangen nach Geld und Ruhm setzte sich über menschliches Leben hinweg."
Beschreibung der Artikelabbildung: Zeichnung einer Zangengeburt aus der Sammlung anatomischer Tafeln mit Erläuterungen und einer Kurzfassung der Geburtshilfepraxis (1754) des englischen Geburtshelfers William Smellie (1697–1763).
Im Artikel erwähnte historische Persönlichkeiten: Peter Chamberlen (1560–1631)
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