Hirnnerven 1664 – ein monumentales Werk über das Gehirn

Anders als die vom Rückenmark ausgehenden Spinalnerven gehen Hirnnerven vom Gehirn aus und zeichnen sich durch ihre direkte Verbindung mit ihm aus. Beim Menschen treten 12 Hirnnervenpaare in den Schädel, den das Gehirn umgebenden Teil des Kopfes, ein beziehungsweise aus ihm heraus.
Die 12 Hirnnervenpaare mit einigen ihrer Funktionen sind:
- Riechnerv (Geruchssinn aus der Nase),
- Sehnerv (Sehempfindung aus dem Auge),
- Okulomotorius (Steuerung der Augenbewegung),
- Trochlearis (Steuerung der Augenbewegung),
- Trigeminus (Empfindungen im Gesicht; Steuerung der Kaumuskulatur),
- Abduzens (Steuerung der Augenbewegung),
- Fazialis (Geschmacksempfindungen vom vorderen Teil der Zunge; Steuerung der Gesichts- und Halsmuskulatur),
- Hörnerv (Hör- und Gleichgewichtssinn),
- Glossopharyngeus (Geschmackssinn vom hinteren Teil der Zunge; Steuerung der Halsmuskulatur),
- Vagus (Verbindung zu Herz, Lunge, Darm, Kehlkopf und weiteren Organen),
- Accessorius (Steuerung der Halsmuskulatur) und
- Hypoglossus (Steuerung der Zungenmuskulatur).
1664 veröffentlichte der englische Arzt Thomas Willis mit "Cerebri Anatome" ein monumentales Werk über das Gehirn. Seine Klassifikation der Hirnnerven wurde über 100 Jahre verwendet; die ersten sechs Nerven nummerierte er vollständig und richtig, wie wir es heute tun. Zur sorgfältigen Untersuchung der Hirnnerven durchtrennte Willis die Nerven und Gefäße an der Hirnbasis. Seine intensive Beschäftigung mit dem Gehirn beruhte teilweise auf dem Versuch, die Seele anhand der Hirnforschung zu verstehen. Die bemerkenswerten Unterschiede zwischen der Großhirnrinde des Menschen und der anderer Tiere – der äußeren, aus Nervenzellen bestehenden Schicht des Gehirns – führten ihn zu der Annahme, der obere Gehirnteil sei der Hauptsitz der „vernünftigen Seele“ des Menschen. Außerdem vermutete er, dass die höheren Funktionen des menschlichen Gehirns aus den Windungen der Großhirnrinde entstehen, was eine recht zutreffende Vermutung war.
Beschreibung des Artikelbildes: Darstellung einiger Hirnnerven unterhalb des Gehirns aus Andreas Vesalius’ De Humani Corporis Fabrica (1543). Die Riechnerven sind oben leuchtend gelb hervorgehoben, die Sehnerven grün dargestellt.
Im Text genannte historische Persönlichkeiten: Thomas Willis (1621–1675)
Quellen
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