Kryonik 1962 – Den Körper einfrieren

1773 bedauerte der amerikanische Staatsmann Benjamin Franklin, in „einem Jahrhundert zu leben, in dem die Wissenschaft noch wenig entwickelt ist und in den Kinderschuhen steckt“, und erklärte, er verspüre „den brennenden Wunsch, den Zustand Amerikas in hundert Jahren zu sehen und zu beobachten“.
Würde Franklin noch leben, würde er vermutlich heutige Kryonik-Einrichtungen nutzen. Dort werden Menschen, nachdem sie für rechtlich tot erklärt wurden, konserviert, indem ihr Blut durch Schutzflüssigkeiten ersetzt und ihr Körper für eine langfristige Lagerung gekühlt wird. Diese Kryoprotektiva vermindern die Bildung von Eiskristallen, die Gewebe schädigen könnten. Anhänger der Kryonik hoffen, dass zukünftige Technologien weit genug fortgeschritten sein werden, um diese Patienten wiederzubeleben und ihre Krankheiten zu heilen. Wenn unsere Gedanken vor allem von der Struktur des Gehirns abhängen, könnten vielleicht auch Gehirne aus anderen Materialien oder sogar per Software simulierte Gehirne denken.
Auch wenn eine Wiederbelebung durch Kryonik sehr schwierig erscheint, sollte man daran denken, dass eingefrorene Embryonen routinemäßig wieder aufgetaut werden, um gesunde Kinder entstehen zu lassen. Einen Anstoß für das moderne Zeitalter der Kryonik gab das 1962 veröffentlichte Buch des Schriftstellers Robert Ettinger The Prospect of Immorality in dem er die Möglichkeit der Konservierung von Menschen erörterte.
Heute wird flüssiger Stickstoff verwendet, um Leichname bei Temperaturen um –320 °F (–196 °C) zu lagern. Daher eine Frage an religiöse Leser: Wenn Wissenschaftler Ihr vom Körper getrenntes Gehirn einfrieren und innerhalb eines Jahrhunderts wiederbeleben könnten, würden Sie dann während dieser Zwischenzeit ohne Gehirnaktivität ins Jenseits gelangen?
2006 versetzte der Chirurg Hasan Alam Schweine in einen Zustand ausgesetzter Lebensfunktionen: Die unterkühlten Schweine hatten weder Puls noch Blut noch elektrische Aktivität im Gehirn, und ihr Gewebe verbrauchte keinen Sauerstoff. Einige Stunden später pumpte Alam warmes Blut in die Tiere, woraufhin sie wieder zum Leben erwachten. Dazu sagte Alam:
„Wenn der Herzschlag einsetzt und das Blut wieder zu fließen beginnt, haben Sie ein weiteres Tier vor sich, das von der anderen Seite zurückgekehrt ist ... Technisch könnten wir dies auch bei Menschen tun.“
Beschreibung der Artikelabbildung: Dieser Dewar-Tank kann vier Ganzkörperpatienten und sechs Neuropatienten, bei denen nur die Köpfe erhalten werden, aufnehmen, die bei -196 °C in flüssigen Stickstoff eingetaucht sind. Der isolierte Tank verbraucht keine elektrische Energie.
Historische Persönlichkeiten im Artikel: Robert Chester Wilson Ettinger (1918–2011)
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