Neues bei platinresistentem Eierstockkrebs: Relacorilant im Vergleich mit anderen Behandlungen

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✨ Warum ist dieser Artikel nötig?
Eine platinbasierte Chemotherapie ist die Grundlage der Erstlinienbehandlung bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs. Leider wird Eierstockkrebs bei etwa 70% der Betroffenen erst im Stadium 3 oder 4 diagnostiziert. Späte Symptome, das Fehlen eines zugelassenen Früherkennungsverfahrens und die biologischen Resistenzeigenschaften erhöhen die Rückfallwahrscheinlichkeit, selbst wenn die Behandlung zunächst anspricht.
Entwickelt die Erkrankung jedoch eine Resistenz gegen diese Behandlung, sind die Möglichkeiten noch begrenzter. Bei dieser als „platinresistent“ bezeichneten Patientengruppe sind sowohl die Ansprechraten niedriger als auch die Erwartungen an das Gesamtüberleben ungünstiger.
Stand 2025 versprechen klassische wie auch neue zielgerichtete Behandlungen erhebliche Veränderungen. Dieser Artikel vergleicht die aktuellen Optionen und stellt insbesondere die auf der ASCO 2025 vorgestellte und zeitgleich in THE LANCET veröffentlichte ROSELLA-Studie zur Kombination aus Relacorilant + Nab-Paclitaxel in den Mittelpunkt.
🔎 4 Grundlagen zum platinresistenten Eierstockkrebs
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🧬 Definition: Eierstockkrebs, der nach einem Ansprechen auf eine platinbasierte Chemotherapie innerhalb von 6 Monaten erneut auftritt , wird als „platinresistent“ bezeichnet.
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📉 Hohes Rezidivrisiko: Bei etwa 70% der im fortgeschrittenen Stadium diagnostizierten Patienten tritt innerhalb des ersten Jahres ein Rezidiv auf , und ein großer Teil dieser Rezidive ist platinresistent.
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⏳ Begrenzte Wirksamkeit: Unter Standardbehandlungen für platinresistente Erkrankungen wurde ein medianes progressionsfreies Überleben <6 Monate berichtet.
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🔬 Das Behandlungsspektrum wächst: Neue zielgerichtete Wirkstoffe wie Relacorilant und Elahere® sowie biomarkerbasierte Strategien zeigen erste vielversprechende Ergebnisse bei dieser schwierigen Patientengruppe.
🧪 1. ROSELLA, Phase 3: Wird Relacorilant zum neuen Standard?
Relacorilant ist ein oral verabreichtes experimentelles Arzneimittel, das Glukokortikoidrezeptoren (GR) selektiv blockiert. Die ROSELLA-Studie sollte untersuchen, ob Relacorilant zusätzlich zur Standardchemotherapie bei platinresistentem Eierstockkrebs das progressionsfreie und das Gesamtüberleben verbessert.
In platinresistenten Tumoren kann die cortisolvermittelte zelluläre Stressantwort die Chemotherapieresistenz erhöhen. Durch Hemmung dieses Cortisolsignals macht Relacorilant Tumorzellen empfindlicher gegenüber Chemotherapie. Insbesondere in Kombination mit Nab-Paclitaxel zeigte sich dadurch das Potenzial für höhere Ansprechraten und längeres Überleben.
Patientenprofil: 381 Patienten mit platinresistentem epithelialem Ovarial-, Eileiter- oder Peritonealkarzinom nach 1-3 Therapielinien, einschließlich Patienten mit vorheriger Bevacizumab-Anwendung.
Design: Offene, randomisierte kontrollierte Phase-3-Studie an 117 Zentren in 14 Ländern.
Behandlungsarme:
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Relacorilant (150 mg oral) + Nab-Paclitaxel (80 mg/m², an den Tagen 1-8-15)
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Nab-Paclitaxel als Monotherapie (100 mg/m²)
Wichtigste Ergebnisse:
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Medianes progressionsfreies Überleben (mPFS): 6,54 gegenüber 5,52 Monaten | HR: 0,70 (p = 0,0076)
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Medianes Gesamtüberleben (mOS): 15,97 gegenüber 11,50 Monaten | HR: 0,69 (p = 0,0121)
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Objektive Ansprechrate (ORR): 36,9% gegenüber 30,1% | Rate des klinischen Nutzens: 51,1% gegenüber 38,9% (p = 0,016)
Sicherheitsprofil:
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Neutropenie (Grad ≥3): 44% gegenüber 25%
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Anämie (Grad ≥3): 18% gegenüber 8%
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Fatigue (Grad ≥3): 9% gegenüber 2%
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Aszitesrate: 5% gegenüber 11%
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Es wurden keine behandlungsbedingten Todesfälle beobachtet.
✅ 2. Zugelassene Standardbehandlungen
Bevacizumab + Chemotherapie (AURELIA)
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FDA-Zulassung: 2014
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Kombinationen: PLD, Topotecan, Paclitaxel
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PFS: 6,7 gegenüber 3,4 Monaten | ORR: 27% gegenüber 12%
Mirvetuximab Soravtansine (Elahere®)
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FDA-Zulassung: 2022 (beschleunigt), 2024 (reguläre Zulassung)
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Indikation: FRα-positive, platinresistente Patienten nach 1-3 Therapielinien
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ORR: 42% gegenüber 16% | OS: 16,5 gegenüber 12,7 Monaten | PFS: 5,6 gegenüber 4,0 Monaten
Pegyliertes liposomales Doxorubicin (PLD), Topotecan, Gemcitabin
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Als Monotherapie oder in Kombination mit Bevacizumab eingesetzt.
PARP-Inhibitoren
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Rucaparib: Bei BRCA-mutierten, platinresistenten Patienten
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Olaparib + Bevacizumab: Bei HRD+, jedoch nur für gegenüber Platin empfindliche Patienten zugelassen
🔬 3. Neu zugelassene zielgerichtete Behandlungen
Avutometinib + Defactinib (Avumpki + Fakzynja®)
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FDA-Zulassung: 2025
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Indikation: KRAS-mutiertes, rezidiviertes niedriggradiges seröses Ovarialkarzinom (LGSOC)
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ORR: 44% (RAMP 201)
Wirkmechanismus: Der MEK-Inhibitor Avutometinib und der FAK-Inhibitor Defactinib wirken synergistisch und spezifisch auf KRAS-mutierte Zellen.
🏥 4. Lokoregionäre Behandlungsverfahren
Sekundäre zytoreduktive Operation (GOG-0213)
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OS: 50,6 gegenüber 64,7 Monaten, jedoch ohne statistische Signifikanz (HR: 1,72, p = 0,08)
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Einschränkung: Kann nur bei ausgewählten Patienten empfohlen werden, bei denen eine vollständige Resektion möglich ist
HIPEC (erwärmte intraperitoneale Chemotherapie)
a. CHIPOR, Phase 3 – mit Cisplatin
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OS: 54,3 gegenüber 45,8 Monaten | HR: 0,73 | p = 0,024 (erstes platinsensibles Rezidiv)
b. Taipei 2024 – mit Oxaliplatin
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Patienten: Einschließlich platinresistenter Patienten
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PFS: 20,4 Monate | OS: 26,7 Monate
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Vorteil: 9% Nierentoxizität (kein Grad ≥3)
📊 Vergleichstabelle: Aktuelle Möglichkeiten bei platinresistentem Eierstockkrebs
| 💉 Behandlung | ✅ FDA-Zulassung | 🎯 Zielgruppe | 📈 Objektive Ansprechrate (OOR) | ⏳ Medianes PFS (Monate) | 🕰️ Medianes OS (Monate) | 🧬 Biomarker |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Relacorilant + Nab-Paclitaxel | ⏳ | Platinresistente Patienten allgemein | 36,9% | 6,54 | 15,97 | Keiner |
| Bevacizumab + Chemotherapie | ✅ | Platinresistente Patienten allgemein | 27% | 6,7 | - | Keiner |
| Elahere (FRα+) | ✅ | FRα+, platinresistent | 42% | 5,6 | 16,5 | FRα+ |
| PLD, Topotecan, Gemcitabin | ✅ | Allgemein | - | - | - | Keiner |
| Rucaparib | ✅ | BRCA-mutiert, resistent | - | - | - | BRCA |
| Avutometinib + Defactinib | ✅ | KRAS-mutiertes LGSOC | 44% | - | - | KRAS |
| Olaparib + Bevacizumab | ✅ | HRD+, gegenüber Platin empfindlich | - | 37,2 | - | HRD+ |
| HIPEC (Cisplatin, CHIPOR) | ❌ | Erstes platinsensibles Rezidiv | - | - | 54,3 | Keiner |
| HIPEC (Oxaliplatin, Taipei) | ❌ | Einschließlich platinresistenter Patienten | - | 20,4 | 26,7 | Keiner |
🔄 Fazit und klinische Perspektive
In der Behandlung des platinresistenten Eierstockkrebses stehen heute neben klassischen Chemotherapien auch biomarkerbasierte zielgerichtete Wirkstoffe, neue Kombinationen und lokoregionäre Strategien im Vordergrund. Mit der ROSELLA-Studie hat sich die Relacorilant-Kombination als vielversprechender Kandidat für diese schwierige Patientengruppe herauskristallisiert.
✨ Für den Erfolg im klinischen Alltag sind eine Beurteilung im multidisziplinären Team, molekulare Profilierung und das Verfolgen der neuesten wissenschaftlichen Entwicklungen entscheidend.
Quellen
2. Olawaiye AB, Gladieff L, O’Malley DM, et al. Relacorilant and nab-paclitaxel in patients with platinum-resistant ovarian cancer (ROSELLA): An open-label, randomised, controlled, phase 3 trial. Lancet. Published online June 2, 2025. doi:10.1016/S0140-6736(25)01040-2
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