Posttraumatische Belastungsstörung bei Angehörigen von Krebspatienten: Eine stille Epidemie?

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Jedes Jahr versorgen Millionen Menschen Angehörige, die an Krebs erkrankt sind. Dies bedeutet nicht nur für die Erkrankten, sondern auch für pflegende Familienmitglieder und Freunde eine erhebliche psychische Belastung. Eine neue wissenschaftliche Übersicht zeigt, dass bei mehr als 15% der erwachsenen Betreuungspersonen eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entsteht. Bei Angehörigen von Menschen mit Kopf-Hals-Krebs oder akuter Leukämie kann der Anteil sogar 37% erreichen!
Die am 14. März 2025 in Archives of Gerontology and Geriatrics Plus veröffentlichte Untersuchung beleuchtet die psychische Gesundheit einer oft unsichtbaren, aber entscheidenden Gruppe im Umgang mit Krebs: der betreuenden Menschen.
Pflegende Angehörige werden in der psychosozialen Onkologie weiterhin übersehen
Angehörige begleiten Krebspatienten manchmal über Monate oder Jahre in einer schwierigen Betreuungssituation. Dennoch erhalten sie häufig nicht ausreichend Unterstützung durch psychosoziale onkologische Angebote. Erstautorin und Sozialarbeiterin Elizaveta Klekovkina erklärt:
„Betreuungspersonen werden in der psychosozialen Onkologie weiterhin weitgehend übersehen, und viele erhalten nicht die notwendige Unterstützung.“
Posttraumatische Belastungsstörung: Eine unsichtbare Last
Das Forschungsteam analysierte 23 Studien zu posttraumatischen Stresssymptomen bei erwachsenen Betreuungspersonen von Krebspatienten. Bei den meisten Untersuchungen waren kleine Stichproben, mangelnde Vielfalt hinsichtlich Herkunft und Geschlecht wesentliche Einschränkungen.
Die Ergebnisse sind bemerkenswert:
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Von den Menschen, die Krebspatienten betreuen, erfüllen mehr als 15% die Kriterien einer PTBS.
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Bei Kopf-Hals-Krebs oder akuter Leukämie kann der Anteil unter den Betreuungspersonen bis auf 37% steigen.
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Die häufigsten Symptome sind aufdrängende Gedanken beziehungsweise Flashbacks und übermäßige Wachsamkeit (Hypervigilanz).
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Anders als bei anderen Traumata ist Vermeidungsverhalten für Betreuungspersonen jedoch kaum möglich. Sie sind in die Versorgung eingebunden und können sich der Situation nicht entziehen.
Welche Faktoren erhöhen das PTBS-Risiko?
Die Untersuchung identifizierte verschiedene persönliche und patientenbezogene Risikofaktoren:
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Bereits bestehende psychische Probleme (Depression, Angst und Ähnliches)
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Wenig soziale Unterstützung
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Hohe Pflegebelastung
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Patientenbezogene Faktoren:
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Schwere der Erkrankung
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Symptomlast
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Wahrgenommene Wahrscheinlichkeit eines Todesfalls
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Mitautorin und Sozialarbeiterin Maya Stern betont:
„Die Identifizierung dieser Risikofaktoren ermöglicht gezielte Maßnahmen zur Vorbeugung und Verringerung traumatischer Belastungen bei Betreuungspersonen.“
Langfristige Traumafolgen und dringender Forschungsbedarf
Die Untersuchung zeigt außerdem eine wichtige Lücke: Es gibt nur wenige Studien mit methodischen Einschränkungen. Dies behindert die Entwicklung vorbeugender und wissenschaftlich begründeter Angebote für die psychische Gesundheit betreuender Menschen.
Mitautor Dr. Carmine Malfitano erklärt:
„Wir waren überrascht, so wenige Studien zu traumatischem Stress bei Betreuungspersonen erwachsener Krebspatienten zu finden. Neue Forschung ist dringend nötig, um diese Lücke zu schließen und Unterstützung für Angehörige in die onkologische Versorgung zu integrieren.“
Frühe Hilfe ist entscheidend: Belastungen aktiv erfassen
Die Studie betont zudem, dass übersehener traumatischer Stress bei Betreuungspersonen langfristig sowohl die psychische als auch die körperliche Gesundheit beeinträchtigen kann . Besonders an Wendepunkten wie Diagnose, Rückfall oder Therapiewechsel sind frühe Interventionen und Unterstützungsprogramme von entscheidender Bedeutung.
Prof. Dr. Esme Fuller-Thomson aus dem Autorenteam fasst dies so zusammen:
„Die hohe PTBS-Häufigkeit bei Betreuungspersonen erwachsener Krebspatienten zeigt, dass diese Menschen bereits ab der Diagnose frühzeitig unterstützt werden sollten.“
Fazit: Krebs betrifft die ganze Familie
Diese umfassende Untersuchung richtet einen wichtigen Aufruf an die Onkologie: Der Umgang mit Krebs ist nicht nur ein medizinischer, sondern auch ein psychosozialer Kampf. Dabei müssen nicht nur die Erkrankten, sondern auch die betreuenden Menschen geschützt werden. Besonders zur Vorbeugung schwerer psychischer Probleme wie PTBS sind mehr Früherkennung, frühe Interventionen und psychosoziale Unterstützungsprogramme erforderlich.
Quellen
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