Was ist eine CDH1-Genmutation? Welche Krebsrisiken erhöht sie?

In diesem Artikel
Was ist eine erbliche CDH1-Mutation? Was Sie wissen sollten – Zusammenfassung
- Der Name CDH1 leitet sich von „Cadherin 1“ ab. Das CDH1-Gen liegt auf dem 16. Chromosom und hilft Zellen, aneinanderzuhaften, damit Gewebe und Organe entstehen können.
- Selten gibt es eine mit CDH1 verbundene, sehr seltene und schwere Erkrankung namens Blepharocheilodontisches Syndrom (BCD).
- Menschen mit einer im CDH1-Gen liegenden erblichen Mutation haben ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krebsarten. Für Menschen mit dieser Mutation gibt es Leitlinien zur Früherkennung und Vorbeugung bestimmter Krebsarten.
- Außerdem gibt es klinische Studien für Personen mit einem positiven CDH1-Mutationstest. Menschen mit einer nachgewiesenen CDH1-Mutation und einer Krebsdiagnose können an klinischen Studien oder bestimmten Behandlungen teilnehmen.
- Sowohl Männer als auch Frauen können eine Mutation im CDH1-Gen tragen.
Für welche Krebsarten erhöht eine erbliche CDH1-Mutation das Risiko?
Bei einem positiven Test auf eine erbliche CDH1-Mutation empfiehlt sich ein Gespräch mit einer Fachkraft für Genetik, die Ihre persönliche und familiäre Krebsgeschichte beurteilen und Ihnen helfen kann, den besten Plan zum Umgang mit Ihrem Krebsrisiko auszuwählen.
Risiken für Frauen
Menschen mit einer CDH1-Mutation haben ein erhöhtes Risiko für einen bestimmten Typ von Brustkrebs, der „lobulärer Brustkrebs“ genannt wird. Bei einer Frau mit dieser Mutation beträgt das geschätzte Lebenszeitrisiko für Brustkrebs 39 – 52%.
Risiken für Frauen und Männer
Magenkrebs
Frauen und Männer mit einer erblichen CDH1-Mutation haben ein erhöhtes Risiko für einen bestimmten Typ von Magenkrebs, der als „diffuser Magenkrebs“ bezeichnet wird.
- Ihr Lebenszeitrisiko, an Magenkrebs zu erkranken, beträgt für Männer 67% und für Frauen 83%. In der Allgemeinbevölkerung liegt es bei weniger als 1%.
- Das durchschnittliche Diagnosealter beträgt bei CDH1-Trägern 37 Jahre, verglichen mit 68 Jahren in der Allgemeinbevölkerung.
Einige Forscher haben gezeigt, dass eine CDH1-Mutation auch das Risiko anderer Krebsarten erhöhen könnte. Diese Studien sind jedoch nicht abschließend, und die Lebenszeitrisiken dieser Krebsarten sind nicht eindeutig beschrieben. Deshalb betrachten Fachleute für Genetik häufig die familiäre Krebsgeschichte von Menschen mit einer CDH1-Mutation, um ihnen zu helfen, zusätzliche Krebsrisiken zu verstehen.
Die folgenden Grafiken zeigen das Lebenszeitrisiko für Magen- und Brustkrebs bei Menschen mit einer erblichen CDH1-Mutation.

Risikomanagement für Menschen mit einer CDH1-Mutation – Wie sollte untersucht werden, welche Vorkehrungen sind nötig?
Das National Comprehensive Cancer Network der USA (NCCN) stellt Leitlinien zum Risikomanagement für Männer und Frauen mit einer CDH1-Mutation bereit. Es empfiehlt sich ein Gespräch mit einer Fachkraft für Genetik, die Ihre persönliche und familiäre Krebsgeschichte beurteilen und Ihnen helfen kann, den besten Risikomanagementplan festzulegen.
Früherkennung und Vorbeugung von Magenkrebs
Fachleute empfehlen Menschen mit einer erblichen CDH1-Mutation zwischen 18 und 40 Jahren eine risikosenkende Operation mit vollständiger Entfernung des Magens (prophylaktische totale Gastrektomie). Unter 18 Jahren wird die Entfernung des Magens nicht empfohlen; sie kann jedoch bei Patienten mit eindeutiger Situation erwogen werden, besonders wenn ein Familienmitglied vor dem 25. Lebensjahr eine Magenkrebsdiagnose erhalten hat.
CDH1-Mutationsträgern, deren Magen nicht entfernt wurde, wird alle 6-12 Monate eine obere Endoskopie mit mehreren zufälligen Biopsien empfohlen. Bei einer oberen Endoskopie wird eine Videokamera durch die Speiseröhre in den Magen eingeführt. Dieses Verfahren gibt Ärzten die Möglichkeit, den Magen genauer zu untersuchen. Der Chirurg kann währenddessen eine Gewebeprobe aus dem Magen entnehmen, um sie auf Krebs zu untersuchen.
Früherkennung und Vorbeugung von Brustkrebs
Fachleute empfehlen Frauen mit einer erblichen CDH1-Mutation jährlich eine Mammografie zur Früherkennung (wenn verfügbar, 3D-Mammografien) und ab 30 Jahren oder bei familiärer Brustkrebsgeschichte bereits früher jährlich eine Brust-Magnetresonanztomografie (MRT) durchführen zu lassen.
Es gibt nicht genügend Studien, damit Fachleute Frauen eine risikosenkende Mastektomie (vorbeugende Entfernung beider Brüste) empfehlen können. Frauen, die eine risikosenkende Mastektomie erwägen, sollten ihre Entscheidung gemeinsam mit medizinischen Fachkräften anhand ihrer familiären Brustkrebsgeschichte treffen.
Früherkennung und Vorbeugung anderer Krebsarten
Es gibt nicht genügend Studien, die einen Nutzen der Früherkennung und Vorbeugung anderer Krebsarten bei Menschen mit einer CDH1-Mutation zeigen. Deshalb empfehlen Fachleute, diese Risiken anhand der familiären Krebsgeschichte zu steuern. Menschen mit einer CDH1-Mutation können außerdem an Studien zur Krebsfrüherkennung und -vorbeugung teilnehmen.
Medizinische Entscheidungen für Menschen mit einer erblichen CDH1-Mutation und einer Krebsdiagnose
Derzeit gibt es weder eine bestimmte, für Menschen mit einer CDH1-Mutation zugelassene Krebsbehandlung noch eine Leitlinie zur Krebsbehandlung dieser Menschen.
Operationsentscheidungen für Frauen mit einer Brustkrebsdiagnose
Aufgrund des Risikos eines zweiten Brustkrebses können Frauen mit einem positiven Test auf eine erbliche Mutation in CHD1 und einer Brustkrebsdiagnose anstelle einer Lumpektomie und Bestrahlung eine beidseitige Mastektomie wählen. Mutationsträgerinnen, die eine Mastektomie erhalten haben, entwickeln mit wesentlich geringerer Wahrscheinlichkeit einen zweiten Brustkrebs.
Weitere medizinische Anliegen für Menschen mit einer erblichen CDH1-Mutation
Auch Lippen- und Gaumenspalten (im Mutterleib entstehende Fehlbildungen des Gaumens oder der Lippe) können mit einer erblichen CDH1-Mutation verbunden sein. Bei einigen Menschen mit einer erblichen Mutation im CDH1-Gen wurde das sehr seltene Blepharocheilodontische Syndrom (BCD) beobachtet. Diese angeborene Störung verursacht Fehlbildungen vor allem an den Augenlidern und am Mund (Spalten auf beiden Seiten der Oberlippe, also beidseitige Lippenspalte, und eine Öffnung im Gaumen, also Gaumenspalte). Trotz des Zusammenhangs zwischen CDH1-Genmutationen und erhöhtem Krebsrisiko ist unklar, ob alle von diesem Syndrom betroffenen Menschen ein erhöhtes Krebsrisiko haben.
Eltern können außerdem assistierte Reproduktionstechniken und Präimplantationsdiagnostik nutzen, um Embryonen ohne die erblichen CDH1-Mutationen auszuwählen.
Quellen
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