Wichtige Botschaft zum Weltkrebstag am 4. Februar: Wachsende Krebsbelastung und deutliche Ungleichheiten

In diesem Artikel
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), hat wichtige Krebsstatistiken für 2022 veröffentlicht. Die neuen Daten verdeutlichen die wachsende weltweite Krebsbelastung, die unverhältnismäßigen Auswirkungen in Ländern mit niedrigem Einkommen und die dringende Notwendigkeit, Ungleichheiten bei Krebs zu bekämpfen.
Die wachsende weltweite Krebsbelastung und Ungleichheiten im Überblick
1. Weltweite Zunahme von Krebs
- Zahl der Krebsneuerkrankungen: Anstieg um 50% von 2012 bis 2022.
- Zahl der krebsbedingten Todesfälle: Anstieg um etwa 18% im gleichen Zeitraum.
- Prognose für 2050: Die jährliche Zahl der Krebsneuerkrankungen wird voraussichtlich um 77% auf 35,3 Millionen steigen.
2. Weltweite Krebsstatistiken 2022
- Jährliche Zahl der Neuerkrankungen: 20 Millionen
- Jährliche Zahl der krebsbedingten Todesfälle: 9,7 Millionen
- Lebenszeitrisiko: Einer von 5 Männern und eine von 5 Frauen werden im Laufe ihres Lebens an Krebs erkranken. Einer von 9 Männern und eine von 12 Frauen werden an Krebs sterben.
3: Häufigste Krebsarten (2022)
- Lunge: 2,5 Millionen Neuerkrankungen
- Brust: 2,3 Millionen Neuerkrankungen
- Darm: 1,9 Millionen Neuerkrankungen
- Prostata: 1,5 Millionen Neuerkrankungen
- Magen: 970000 Neuerkrankungen
4: Krebsarten mit der höchsten Sterblichkeit (2022)
- Lunge: 1,8 Millionen Todesfälle
- Darm: 900.000
- Leber: 760.000
- Brust: 670.000
- Magen: 660.000
5: Unterschiede nach Geschlecht
- Frauen: Brustkrebs wird am häufigsten diagnostiziert und verursacht die meisten Krebstodesfälle.
- Männer: Lungenkrebs wird am häufigsten diagnostiziert und verursacht die meisten Krebstodesfälle.
6: Ungleichheiten bei Krebs
- Länder mit niedrigem Index der menschlichen Entwicklung: Frauen in Ländern mit einem niedrigen Index der menschlichen Entwicklung (HDI = Human Development Index) erhalten seltener eine Brustkrebsdiagnose als Frauen in Ländern mit hohem HDI. Das heißt, bei Frauen in diesen Ländern wird Brustkrebs um 50% seltener diagnostiziert als in stärker entwickelten Ländern. Gleichzeitig sind Frauen in Ländern mit niedrigem HDI hinsichtlich des Risikos, an Krebs zu sterben, wesentlich stärker benachteiligt. Gründe sind unter anderem späte Diagnosen und ein unzureichender Zugang zu hochwertiger Behandlung.
- Allgemeine Gesundheitsversorgung: Nur 39% der Länder beziehen vorrangige Krebsleistungen und 28% der Länder die Palliativversorgung in ihre Gesundheitsleistungen ein.
7: Zukunftsprognosen
- Im Jahr 2050: Die Zahl der Krebsneuerkrankungen wird voraussichtlich 35,3 Millionen erreichen. Besonders in Ländern mit niedrigem HDI wird ein Anstieg der jährlichen Neuerkrankungen um 142% erwartet.

Einzelheiten
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC IARC = International Agency for Research on Cancer) berichtete, dass die Zahl der Krebsneuerkrankungen weltweit zwischen 2012 und 2022 um 50% und die Zahl der krebsbedingten Todesfälle um etwa 18% gestiegen ist. Die IARC erwartet, dass die weltweite Krebsbelastung in den kommenden 30 Jahren weiter zunimmt und die Zahl der Neuerkrankungen bis 2050 um 77% steigt.
Die Daten zu 36 Krebsarten in 185 Ländern zeigen genauer, dass es 2022 weltweit schätzungsweise 20 Millionen Krebsneuerkrankungen und 9,7 Millionen krebsbedingte Todesfälle gab. Ein Jahrzehnt zuvor waren es schätzungsweise 14 Millionen Neuerkrankungen und 8,2 Millionen krebsbedingte Todesfälle.
Den neuen Schätzungen zufolge werden einer von fünf Männern und eine von fünf Frauen im Laufe ihres Lebens an Krebs erkranken. Etwa einer von neun Männern und eine von zwölf Frauen werden an der Erkrankung sterben.
Die Daten sind ein Weckruf angesichts der gegenwärtigen und künftigen Auswirkungen von Krebs.
Bereits früher in diesem Monat veröffentlichte Daten mit Schwerpunkt auf den USA wurden von der American Cancer Society vorgestellt. Sie zeigten, dass die Zahl der krebsbedingten Todesfälle insgesamt zurückging, diese Fortschritte jedoch durch die zunehmende Häufigkeit vieler verbreiteter Krebsarten bedroht werden, darunter Brust-, Prostata-, Melanom- und Darmkrebs.
Dem WHO-Bericht zufolge machten fünf Krebsarten – Lunge, Brust, Darm, Leber und Magen – 2022 weltweit etwa 50% der Neuerkrankungen und Todesfälle aus.
Lungenkrebs war mit etwa 2,5 Millionen Neuerkrankungen beziehungsweise 12,4% aller neuen Fälle die weltweit häufigste Krebsart. Brustkrebs lag mit 2,3 Millionen Fällen nach der Beschreibung auf einem „sehr knappen zweiten Platz“ und machte weltweit 11,6% der Neuerkrankungen aus.
Darmkrebs war mit 1,9 Millionen Neuerkrankungen beziehungsweise 9,6% aller neuen Fälle weltweit die dritthäufigste Krebsart. Es folgten Prostatakrebs mit 1,5 Millionen Neuerkrankungen (7,3%) und Magenkrebs mit 970000 Neuerkrankungen (4,9%).
Lungenkrebs war mit 1,8 Millionen Todesfällen beziehungsweise 18,7% aller Krebstodesfälle die häufigste krebsbedingte Todesursache. Es folgten Darmkrebs mit 900000 Todesfällen (9,3% aller Krebstodesfälle), Leberkrebs mit 760000 (7,8%), Brustkrebs mit 670000 (6,9%) und Magenkrebs mit 660000 Todesfällen (6,8%).
Sowohl bei der Erkrankungshäufigkeit als auch bei der Sterblichkeit zeigten sich Unterschiede nach Geschlecht.
Bei Frauen war Brustkrebs die am häufigsten diagnostizierte Krebsart und die häufigste krebsbedingte Todesursache, bei Männern war dies Lungenkrebs.
Bei Männern waren Prostata- und Darmkrebs die zweit- und dritthäufigsten Krebsarten. Bei Frauen belegten Lungen- und Darmkrebs sowohl bei Neuerkrankungen als auch bei Todesfällen den zweiten und dritten Platz.
Gebärmutterhalskrebs wurde mit 661044 Neuerkrankungen und 348186 Todesfällen erfasst. Er war weltweit die achthäufigste Krebsart und stand unter den krebsbedingten Todesursachen an neunter Stelle.
Die künftige Krebsbelastung
Die WHO erwartet bis 2050 einen Anstieg der Krebsneuerkrankungen auf 35,3 Millionen. Das entspricht einer Zunahme um 77% gegenüber den für 2022 geschätzten 20 Millionen Fällen. Der Anstieg spiegelt Bevölkerungswachstum und Alterung sowie Veränderungen der Exposition gegenüber Risikofaktoren wie Tabak, Alkohol, Adipositas und Luftverschmutzung wider.
Länder mit einem hohen Index der menschlichen Entwicklung werden voraussichtlich den größten absoluten Anstieg verzeichnen, mit zusätzlichen 4,8 Millionen Neuerkrankungen im Jahr 2022 gegenüber 2050.
Am stärksten wird der relative Anstieg der Krebshäufigkeit jedoch in Ländern mit niedrigem Index der menschlichen Entwicklung (142% Zunahme) und mittlerem Index (99% Zunahme) ausfallen – also dort, wo die wenigsten Mittel zur Bewältigung der Krebsbelastung verfügbar sind. Ebenso wird erwartet, dass sich die krebsbedingten Todesfälle in diesen Ländern bis 2050 nahezu verdoppeln.
Obwohl bei Krebsdiagnose und -behandlung Fortschritte erzielt werden, sind diese oft mit erheblichen wirtschaftlichen Auswirkungen verbunden. Die wachsende Ungleichheit zwischen Ländern wird Unterschiede in ihren Möglichkeiten zur Krebsbekämpfung zunehmend hervorheben. Bereits heute besteht ein weltweites Problem; durch diese Dynamik wird es sich zwangsläufig noch früher vervielfachen und verschärfen.
Quellen
2. Latest global cancer data shows rising incidence and stark inequities. 01 February 2024. https://www.uicc.org/news/latest-global-cancer-data-shows-rising-incidence-and-stark-inequities
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