Kolorektaler Krebs könnte zur größten Herausforderung der Onkologie werden

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Die Tumoren der beiden Dickdarmabschnitte Kolon und Rektum, zusammengefasst als kolorektaler Krebs, stellen mit zunehmender Inzidenz sowohl in den USA als auch in Europa ein großes onkologisches Problem dar. Die US-Krebsstatistik 2024 zeigt mehr Neuerkrankungen und gleichzeitig eine sinkende Sterblichkeit bei älteren Amerikanern. Die American Cancer Society erwartet in diesem Jahr 152.810 neue kolorektale Krebsfälle, überwiegend im Kolon. Steigende Inzidenzraten bei jüngeren Erwachsenen könnten künftig dazu führen, dass die insgesamt erwartete Abnahme der Krebssterblichkeit zum Stillstand kommt. Dies unterstreicht die Bedeutung stärkerer Maßnahmen zur Vorbeugung und Früherkennung.
Kolorektaler Krebs: der auffälligste Befund der US-Krebsstatistik
Die US-Krebsstatistik 2024 zeigt wichtige Veränderungen beim kolorektalen Krebs: mehr Neuerkrankungen bei zugleich geringerer Sterblichkeit älterer Amerikaner.
Nach Schätzungen der American Cancer Society werden 2024 152810 neue kolorektale Krebsfälle erwartet: 81540 bei Männern und 71270 bei Frauen. Davon entfallen 106590 auf Kolon- und 46220 auf Rektumkrebs. Kolorektaler Krebs ist in den USA die zweithäufigste Ursache krebsbedingter Todesfälle; Lungenkrebs bleibt an erster Stelle. Für 2024 werden 53010 Todesfälle durch kolorektalen Krebs und damit etwas mehr als im Vorjahr erwartet
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Häufigste Todesursache unter 50 Jahren
Bei Menschen unter 55 Jahren steigt die jährliche Neuerkrankungsrate an kolorektalem Krebs seit den 1990er-Jahren um 1% bis 2%. Auch die Sterblichkeit jüngerer Menschen nimmt seit Mitte der 2000er-Jahre jährlich um ungefähr 1% zu. Kolorektaler Krebs ist inzwischen bei Männern unter 50 Jahren die häufigste Ursache krebsbedingter Todesfälle und bei Frauen derselben Altersgruppe die zweithäufigste. Bei jüngeren Menschen wird der Krebs aufgrund verzögerter Erkennung häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert.
Bei älteren Amerikanern hat sich das Überleben dagegen verbessert. Die Sterblichkeit sank bei Männern seit 1980 um 55% und bei Frauen seit 1969 um 60%. Zwischen 2012-2021 wurde bei Männern und Frauen ab 55 Jahren ein jährlicher Rückgang um 1,8% beobachtet.
Außerdem beträgt das lebenslange Risiko für kolorektalen Krebs bei Männern 1 zu 23 und bei Frauen 1 zu 25.
Adipositas, ballaststoffarme und westlich geprägte Ernährung, Bewegungsmangel, Alkohol und familiäre Vorbelastung können das Risiko erhöhen. Mit dem Alter nimmt das Risiko für kolorektalen Krebs zu.
Trotz der weiter sinkenden Krebssterblichkeit infolge besserer Behandlungen könnte der Rückgang angesichts der zunehmenden Neuerkrankungen in naher Zukunft zum Stillstand kommen.
Die folgende Darstellung zeigt Faktoren, die das Risiko für kolorektalen Krebs beeinflussen:

Kein ausschließlich amerikanisches Problem!
Kolorektaler Krebs könnte sowohl in den USA als auch in der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich zu einer der größten onkologischen Herausforderungen werden. Der Inzidenzanstieg wurde auch in Europa bestätigt, zusammen mit Hinweisen, dass Übergewicht und Adipositas die Sterblichkeit an Kolonkrebs bei jüngeren Patienten erhöhen. Die betreffende Studie erschien am 28. Januar 2024 in Annals of Oncology.
Obwohl die Sterblichkeit an Kolonkrebs in der Europäischen Union insgesamt sinkt, nimmt sie bei jüngeren Patienten zu. Dieser Anstieg wird mit Faktoren wie Lebensführung und Bevölkerungsalterung in Verbindung gebracht.
Für 2024 wird in Europa ein Rückgang der Kolonkrebssterblichkeit bei Männern um 5% auf 15 je 100.000 und bei Frauen um 9% auf 8 erwartet. Im Vereinigten Königreich dürfte die Rate bei Männern um 3% auf 14 sinken, bei Frauen dagegen mit ungefähr 10 je 100.000 stabil bleiben. Diese insgesamt günstigen Trends lassen sich durch Fortschritte in Diagnose und Behandlung erklären. Die zunehmende Sterblichkeit jüngerer Menschen bleibt jedoch besorgniserregend. Übergewicht, Adipositas und damit verbundene Gesundheitsprobleme gehören zu den wichtigen Faktoren.
Die Krebssterblichkeit nimmt ab

Erläuterung der Abbildung: Die Grafik zeigt die Krebssterblichkeit in der Europäischen Union von 1970 bis 2019 sowie Prognosen für 2024. Insgesamt gingen die Raten aller Krebsarten im Zeitverlauf zurück. Bei Männern war die Sterblichkeit an Lungenkrebs am höchsten, bei Frauen an Brustkrebs. Die Lungenkrebssterblichkeit von Frauen nimmt jedoch ebenfalls tendenziell zu. Besonders auffällig ist der Rückgang bei kolorektalem Krebs in beiden Geschlechtern. Die zunehmende Inzidenz, insbesondere bei jüngeren Menschen, bereitet allerdings Sorgen. Auch Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebs bei Männern sowie Gebärmutter-, Eierstock-, Magen- und Blasenkrebs bei Frauen zeigen deutliche Rückgänge. Die Daten spiegeln Fortschritte bei Erkennung und Behandlung wider.
Quellen
2. Santucci C, Mignozzi S, Malvezzi M, Boffetta P, Collatuzzo G, Levi F, La Vecchia C, Negri E. European cancer mortality predictions for the year 2024 with focus on colorectal cancer. Ann Oncol. 17. Januar 2024:S0923-7534(23)05110-4. doi: 10.1016/j.annonc.2023.12.003. Online vor der Druckveröffentlichung. PMID: 38286716.
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