2050 werden jährlich 18,5 Millionen krebsbedingte Todesfälle erwartet

In diesem Artikel
Während Krebs die Gesundheitssysteme weltweit weiterhin stark belastet, erwarten Forschende für das Jahr 2050 18,5 Millionen Menschen, die an Krebs sterben. Gegenüber der Schätzung von 9,7 Millionen im Jahr 2022 entspricht dies einem deutlichen Anstieg um 89,7%. Diese Daten zur weltweiten Krebsbelastung zeigen, dass die Krankheit künftig noch häufiger auftreten wird. Die Untersuchung wurde am 5. November 2024 in JAMA Network Open veröffentlicht und liefert eindringliche Botschaften für die öffentliche Gesundheit.
2022 und 2050: Drastischer Anstieg der Krebsfälle und Todesfälle erwartet
Forschende prognostizieren für das Jahr 2050 weltweit jährlich 35,3 Millionen neue Krebsfälle. Gegenüber den für 2022 geschätzten 20 Millionen Fällen bedeutet dies einen Anstieg um 76,6%. Für Männer werden 2050 19 Millionen Krebsfälle erwartet, für Frauen 16,3 Millionen. Ein derartiger Anstieg der Krebsfälle stellt eine erhebliche Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar.
Abbildung 1. Geschätzte jährliche Zahl neuer Krebsfälle und krebsbedingter Todesfälle weltweit nach Geschlecht, 2022-2050

Die Daten stammen aus einer Studie, die die Belastung durch 36 Krebsarten in 185 Ländern und Gebieten weltweit untersuchte. Für 2022 wurde die weltweite Krebsprävalenz mit 178,9 Fällen je 100.000 Personen angegeben. Die häufigsten Krebsarten waren Brust-, Prostata-, Darm- und Lungenkrebs sowie nichtmelanotischer Hautkrebs.
Die Krebsprävalenz bezeichnet die Zahl der Menschen in einer Bevölkerung, bei denen bereits Krebs diagnostiziert wurde und die innerhalb eines bestimmten Zeitraums leben. Sie gibt also den Anteil der Personen wieder, die eine Krebsdiagnose erhalten haben und noch am Leben sind.
Die obige Aussage „Für 2022 wurde die Krebsprävalenz mit 178,9 Fällen je 100.000 Personen angegeben“ bedeutet, dass in diesem Jahr auf jeweils 100.000 Einwohner etwa 179 Menschen kamen, die mit einer Krebsdiagnose lebten. Diese Zahl beschreibt die Verbreitung von Krebs in der Bevölkerung.
Die häufigste Krebsart: Lungenkrebs
Lungenkrebs machte 2022 12,4% der neuen Krebsfälle und 18,7% der krebsbedingten Todesfälle aus. Es wird erwartet, dass er auch 2050 die häufigste Krebsart (13,1%) und die häufigste krebsbedingte Todesursache (19,2%) sein wird. Wegen unzureichender Möglichkeiten zur Früherkennung und Behandlung fällt Lungenkrebs durch hohe Sterberaten auf. Dies verdeutlicht den Bedarf an einem strukturellen Wandel der Gesundheitssysteme weltweit.
Krebsarten mit dem größten erwarteten Anstieg der Erkrankungshäufigkeit
Zu den Krebsarten, bei denen bis 2050 der größte Anstieg der Krebsinzidenz erwartet wird, gehören
- nichtmelanotischer Hautkrebs (119%),
- Blasenkrebs (100%),
- Mesotheliom (99%),
- Prostatakrebs (96%),
- Bauchspeicheldrüsenkrebs (95%),
- Magenkrebs (88%),
- Gallenblasenkrebs (87%),
- Vulvakrebs (87%),
- Lungenkrebs (86%),
- multiples Myelom (86%) und
- Darmkrebs (86%).
Diese Zuwachsraten verdeutlichen, dass Strategien zur Krebsbekämpfung aktualisiert werden müssen und Präventionsmaßnahmen wichtig sind.
Drastischer Anstieg der krebsbedingten Todesfälle 2050: 18,5 Millionen
Die Studie geht davon aus, dass der Großteil der für 2050 erwarteten 18,5 Millionen krebsbedingten Todesfälle auf Männer entfallen wird (10,5 Millionen Männer, 8 Millionen Frauen).
Der größte Anstieg der Todesfälle wird bei folgenden Krebsarten erwartet:
- Prostatakrebs (136%),
- Blasenkrebs (124%),
- nichtmelanotischer Hautkrebs (117%),
- Mesotheliom (109%),
- Darmkrebs (103%),
- Vulvakrebs (101%),
- Bauchspeicheldrüsenkrebs (100%),
- Melanom (100%),
- multiples Myelom (97%) und
- Nierenkrebs (96%).
Diese Daten zeigen, dass die krebsbedingten Sterberaten bei einigen Krebsarten rasch steigen und eine erhebliche Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellen werden.
Abbildung 2. Vergleich der Abweichungen des Mortalitäts-Inzidenz-Verhältnisses (MIR) afrikanischer und asiatischer Länder vom weltweiten MIR-Durchschnitt für 2022

Was ist das Mortalitäts-Inzidenz-Verhältnis (MIR)?
Das MIR ist ein Verhältniswert, der angibt, wie viele Menschen mit einer Krebsdiagnose an dieser Krankheit sterben. Je höher der MIR-Wert eines Landes ist, desto höher ist dort der Anteil der Todesfälle unter Menschen mit einer Krebsdiagnose. Ein hohes MIR kann auf geringe Überlebensraten und mögliche Defizite beim Zugang zur Behandlung oder bei ihrer Qualität hinweisen.
Bedeutung der Darstellung
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Orange Balken (oberhalb des weltweiten MIR): Diese Länder weisen einen MIR-Wert auf, der über dem weltweiten MIR-Durchschnitt liegt. Der Anteil der Todesfälle unter Patienten mit einer Krebsdiagnose ist hier also höher als im weltweiten Durchschnitt. Viele afrikanische Länder, insbesondere Gambia, Niger und Somalia, haben hohe MIR-Werte. Dies weist auf Schwierigkeiten beim Zugang zur Krebsbehandlung oder auf begrenzte Behandlungsmöglichkeiten in diesen Ländern hin.
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Blaue Balken (unterhalb des weltweiten MIR): Diese Balken stehen für Länder unterhalb des weltweiten Durchschnitts. Dort ist der Anteil der Todesfälle unter Patienten mit einer Krebsdiagnose geringer als im weltweiten Durchschnitt. In Asien liegen insbesondere Japan, Südkorea, Singapur und China unter dem weltweiten MIR-Durchschnitt. Dies deutet auf höhere Überlebensraten sowie möglicherweise einen besseren Zugang zur Behandlung und eine höhere Behandlungsqualität in diesen Ländern hin.
Wandel der Gesundheitssysteme und verbessertes Krebsmanagement sind unerlässlich
Die Forschenden betonen, wie wichtig ein besserer Zugang zur Gesundheitsversorgung und eine höhere Versorgungsqualität bei der Krebsbekämpfung sind. Sie fordern eine Ausweitung der universellen Krankenversicherung und eine Stärkung der Gesundheitssysteme bei Prävention, Früherkennung, Management und Behandlung von Krebs. Auf diese Weise könnten die prognostizierten Entwicklungen gebremst werden.
Insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen ist ein besserer Zugang zur Krebsbehandlung von großer Bedeutung, um sowohl die Sterberaten zu senken als auch die Behandlungserfolge zu steigern.
Diese Studie zeigt, dass die Krebsbekämpfung eine komplexe Herausforderung ist, die neben der Behandlung auch eine Neugestaltung der Gesundheitspolitik auf globaler Ebene erfordert. Investitionen in Präventionsangebote und Früherkennungsprogramme haben das Potenzial, die Krebsbelastung langfristig zu verringern.
Quellen
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