Der große Zeh von Greville Chester 1000 v. Chr. – Die älteste Prothese der Welt

Die Journalistin Haley Poland schrieb: „Prothesen, die Blinden zum Sehen, Gehörlosen zum Hören oder beidseitig Beinamputierten zum Gehen verholfen haben, haben seit Captain Hook einen weiten Weg zurückgelegt. Einst waren es hölzerne Gliedmaßen und Glasaugen; heute sind es elektromechanische Geräte, die mit den Systemen des menschlichen Körpers verbunden und so gestaltet sind, dass sie nahezu intelligent mit menschlichen Nerven und dem Gehirn kommunizieren.“
Eine Prothese ist ein Gerät, das einen fehlenden oder beschädigten Körperteil ersetzt oder erweitert. Der Greville Chester Great Toe beispielsweise ist ein künstlicher Zeh aus Leinen, Klebstoff und Gips, der auf die Zeit von 1295 v. Chr. bis 664 v. Chr. datiert wird. Er ist nach dem Ägyptologen und Antiquitätensammler benannt, der das ägyptische Artefakt 1881 für das British Museum kaufte. Der große Zeh weist Abnutzungsspuren auf, was darauf hindeutet, dass er nicht nur nach dem Tod bei der Mumifizierung angebracht wurde. Ein weiterer künstlicher Zeh mit Abnutzungsspuren, der Kairo-Zeh, wurde an einer ägyptischen Mumie aus der Zeit von 1.069 v. Chr. – 664 v. Chr. entdeckt. Er war an drei Stellen verbunden und vermutlich funktioneller als der große Zeh.
Mittelalterliche Rüstungshersteller fertigten eiserne künstliche Gliedmaßen für Soldaten, die Gliedmaßen verloren hatten. In den 1500er-Jahren entwickelte der französische Chirurg Ambroise Paré ein künstliches Bein mit beweglichem Kniegelenk und einem federbetriebenen flexiblen Fuß. Er erfand außerdem mechanische Hände mit Federmechanismus.
In der Neuzeit ermöglichten neue Kunststoffe und Materialien wie Kohlefaser starke und leichte Prothesen. Durch die Umwandlung von Muskelbewegungen in elektrische Signale gesteuerte myoelektrische Gliedmaßen werden heute ebenfalls eingesetzt. Die gezielte Muskelreaktivierung ist ein Verfahren, bei dem Nerven, die früher die Muskeln einer amputierten Gliedmaße steuerten, chirurgisch umgeleitet werden, sodass sie nun die Funktion eines arbeitenden Muskels kontrollieren. Denkt ein Mensch bei diesem Ansatz daran, einen bestimmten Finger zu bewegen, kann sich beispielsweise ein kleines Muskelareal in der Brust zusammenziehen. Auf dem Muskel angebrachte Sensoren können dann eine robotische Prothese steuern. Direkt Gehirn- oder Nervensignale zur Prothesensteuerung erfassende neurokognitive Prothesen werden erforscht.
Beschreibung der Artikelabbildung: Am Fuß der 2400 Jahre alten Mumie einer ägyptischen Frau, deren echter Zeh amputiert worden war, ist noch immer eine flexible Großzehenprothese aus Leder und Holz befestigt. Fuß und Zeh sind im Kairoer Museum ausgestellt.
Historische Personen im Artikel: Ambroise Paré (1510–1590), Greville John Chester (1830–1892)
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