Die Sterilisation von Carrie Buck 1927 – Eugenik

Eugenik ist eine gesellschaftliche Bewegung oder Philosophie mit umstrittener Wissenschaftlichkeit, die nach Wegen sucht, ungesunde Föten auszusondern und gesunde heranzuziehen. Eugenische Praktiken zielen darauf ab, den menschlichen Genpool zu verändern, indem die Fortpflanzung von Menschen mit genetischen Fehlern oder unerwünschten Merkmalen verhindert und die von als überlegen angesehenen Menschen gefördert wird.
Die antiken Spartaner praktizierten eine Form der Eugenik, indem sie schwache oder fehlgebildete Säuglinge in eine Grube warfen. Der britische Statistiker Francis Galton entwickelte mit der Vorstellung einer „Schaffung einer hochbegabten Menschenrasse durch geeignete Ehen“ 1883 die Eugenik.
Die Vereinigten Staaten waren das erste Land der Neuzeit, das Zwangssterilisationen zu eugenischen Zwecken einführte.
Ein bekannter Fall ist die Sterilisation der 17-jährigen Carrie Buck aus Virginia. 1924 war sie von den Neffen ihrer Pflegemutter vergewaltigt worden. Ihre Familie bezeichnete Carrie jedoch als „schwachsinnig“ und „unmoralisch“. Sie wurde in die Virginia Colony for Epileptics and Feeble-Minded eingewiesen. Tatsächlich schämte sich die Familie wegen der Vergewaltigung und Schwangerschaft. Der Oberste Gerichtshof der USA erklärte das Sterilisationsgesetz von Virginia für verfassungsgemäß, und Carrie wurde 1927 sterilisiert. Um die Richter zu überzeugen, hatten Anwälte behauptet, auch Carries Mutter und ihre Tochter Vivian seien geistig behindert.
1927 schrieb der Richter am Obersten Gerichtshof Oliver Wendell Holmes Jr. über Carrie: „Es wäre besser, wenn man die Fortpflanzung der offensichtlich Ungeeigneten verhindern könnte, statt bei einer entarteten Abstammung auf Verbrechen zu warten. Drei Generationen geistiger Behinderung sind genug.“ Vivian war jedoch durchschnittlich intelligent und stand auf der schulischen Ehrenliste.
Auch Carries Schwester Doris wurde sterilisiert, ohne über die Art des Eingriffs informiert zu werden. Jahrelang fragte sie sich, weshalb sie keine Kinder bekommen konnte.
In den USA wurden vom Beginn der 1900er-Jahre bis in die 1970er-Jahre mehr als 65000 Menschen sterilisiert. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hatten die Deutschen etwa 400000 Menschen sterilisiert. Als Reaktion auf diese nationalsozialistische Praxis verlor die eugenische Bewegung in der internationalen Politik und Wissenschaft weitgehend ihr Ansehen.
Beschreibung der Artikelabbildung: Carrie Buck und ihre Schwester Doris
Historische Persönlichkeiten im Artikel: Francis Galton (1822–1911), Oliver Wendell Holmes Jr. (1841– 1935), Carrie Buck (1906–1983)
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