Das Kaninchen ist tot 1928 – Schwangerschaftstests im Wandel der Zeit

„Bin ich schwanger?“ Die Antwort auf diese Frage beschäftigt seit vielen Jahren Frauen, ihre Familien und ihre Ärzte. Viele irreführende, aber einfallsreiche Tests mit Urin wurden eingesetzt.
Im alten Ägypten urinierten Frauen auf Beutel mit Weizen und Gerste. Der Überlieferung zufolge glaubte man, dass Gerste die Geburt eines Jungen und Weizen die Geburt eines Mädchens ankündige. Wuchs nichts, galt die Frau als nicht schwanger.
In neuerer Zeit wurde der Urin einer Frau für einen Schwangerschaftstest Kaninchen injiziert. Dadurch wurde die Wendung „Das Kaninchen ist tot“ zu einer beliebten Umschreibung für einen positiven Schwangerschaftstest.
Heute weisen viele Schwangerschaftstests das humane Choriongonadotropin (HCG) nach, ein Hormon, das etwa 6 - 12 Tage nach der Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter vom Embryo gebildet wird. Später wird dieses Hormon auch von der Plazenta ausgeschüttet.
1928 entwickelten die deutschen Gynäkologen Selmar Aschheim und Bernhard Zondek einen Schwangerschaftstest, bei dem der Urin einer Frau einer weiblichen Maus im Pubertätsalter injiziert wurde. Enthielt der Urin HCG, zeigte die Maus Anzeichen eines Eisprungs, und der Frau, deren Urin untersucht worden war, wurde mitgeteilt, dass sie schwanger sei.
Da alle Kaninchen einige Tage nach der Urininjektion getötet wurden, um ihre Eierstöcke zu untersuchen, war die Wendung „Das Kaninchen ist tot“ ziemlich irreführend. Später wurden Tests entwickelt, bei denen weibliche Frösche als Reaktion auf HCG innerhalb eines Tages Eier produzieren konnten. In den 1970er-Jahren entstanden genauere Tests für zu Hause, die Antikörper gegen HCG zum Nachweis einer Schwangerschaft nutzten. Je nach Testart zeigte ein farbiger Streifen oder ein (+)-Zeichen eine Schwangerschaft an.
Erläuterung zum Artikelbild: Ölgemälde (1660) des niederländischen Künstlers Jon Steen (1626-1679), das eine Frau beim Warten auf das Ergebnis ihres Schwangerschaftstests zeigt
Im Artikel erwähnte historische Persönlichkeiten: Selmar Aschheim (1878–1965), Bernhard Zondek (1891–1966)
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