Gefäßchirurgie 1902 – Das erfolgreiche Vernähen von Blutgefäßen

Der Chirurg Julius Comroe Jr. sagte:
„Zwischen 1901 und 1910 führte der [französische Chirurg] Alexis Carrel an Versuchstieren jeden Kunstgriff durch und entwickelte jede Technik, die die Gefäßchirurgie heute kennt.“
Carrel erhielt 1912 den Nobelpreis für seine bahnbrechenden Arbeiten zur Herstellung chirurgischer Transplantate und zum Wiederverbinden von Arterien und Venen.
Vor Carrels Methoden führte das Vernähen von Blutgefäßen (ihr chirurgisches Verbinden) häufig zu Schäden an der inneren Gefäßauskleidung und dadurch zu tödlichen Blutgerinnseln. Chirurgen mieden Gefäßeingriffe, und viele Patienten starben, obwohl sie hätten gerettet werden können. Um solche Eingriffe zu ermöglichen, nahm Carrel Nähunterricht bei örtlichen Stickereifachleuten, die feinste Nadeln und Fäden verwendeten. Erstaunlich schnell entwickelte Carrel eine neue, noch heute angewandte Gefäßnahtmethode. Dabei schlug er die Enden durchtrennter Gefäße wie Manschetten zurück, um bestimmte Schäden möglichst gering zu halten. Außerdem überzog er seine feinen Nadeln und Fäden mit Vaseline, um die empfindlichen Gefäße nicht zusätzlich zu verletzen. Zuvor wurden verletzte Gefäße meist durch Abbinden oder durch Amputation der betroffenen Gliedmaßen behandelt.
1908 verband Carrel ein Blutgefäß eines Vaters mit einem Gefäß im Bein seines kranken Säuglings, da ihre Blutgruppen verträglich waren. Damit führte er einen Eingriff durch, den manche als erste moderne Bluttransfusion bezeichnen. Der Vater diente dem Säugling, der an einer Darmblutung litt, als Blutquelle und Blutpumpe.
Carrel gelang außerdem die Transplantation einer Niere von einem Hund auf einen anderen, doch immunologische Abstoßungsprobleme hielten ihn davon ab, solche Transplantationen beim Menschen vorzunehmen.
In den 1930er-Jahren entwickelte er mit dem Piloten Charles Lindbergh eine Perfusionspumpe, die Organe während einer Operation außerhalb des Körpers am Leben halten konnte. Lindburgh sagte einmal: „Carrels Geist blitzte mit Lichtgeschwindigkeit zwischen der wissenschaftlichen Welt und der mystischen Welt Gottes hin und her“.
Carrels wegweisende Methoden ebneten den Weg für viele heute erfolgreiche Operationen:
- Organtransplantationen
- Moderne Herzoperationen
- Bypassoperationen
- Gewebetransplantationen
Erläuterung des Artikelbildes: Alexis Carrel und die von ihm entwickelte Gefäßnahtmethode.
Im Artikel erwähnte historische Persönlichkeiten: Alexis Carrel (1873–1944), Charles Augustus Lindbergh (1902– 1974)
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Quellen
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